Jahrestag:Gedenken an die Opfer des Krieges

Jahrestag: Vor dem Türkenfelder Rathaus versammeln sich 60 Menschen, um für den Frieden zu demonstrieren.

Vor dem Türkenfelder Rathaus versammeln sich 60 Menschen, um für den Frieden zu demonstrieren.

(Foto: Jana Islinger)

In Türkenfeld erinnern Bürger und Geflüchtete gemeinsam an die Toten in der Ukraine und anderen Ländern auf der Welt. Sie fordern mehr Einsatz für den Frieden.

Von Manfred Amann, Türkenfeld

Mit einer kleinen Gedenkfeier vor dem Türkenfelder Rathaus haben am Samstag, zwei Jahre nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, Bürger der Gemeinde und Flüchtlinge aus der Ukraine gemeinsam für den Frieden demonstriert. "Wieder Krieg-wider den Krieg" lautete das Motto der Zusammenkunft, das die Organisatoren Mike Gallen und Ditz Schroer mit dem Appell "Sei ein Mensch" ergänzt hatten. Mit diesem Satz hatte Ende Januar der Holocaustüberlebende Marcel Reif in seiner bewegenden Rede in einer Gedenkstunde des Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus zum Frieden aufgerufen. Mehr als 60 Menschen, einige mit ukrainischen Fahnen, hatten sich im Schlosshof um die Friedensfahne versammelt und lauschten zunächst den tragenden Melodien, mit dem ein Ensemble des Musikvereins unter Leitung von Gerhard Müller auf das Gedenken einstimmte. Unter den Musikern befand sich eine junge Klarinettistin aus der Ukraine, die laut Ditz Schroer bereits in einem Orchester des Musikvereins mitspielt, wodurch belegt sei, dass Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine ebenso wie Asylbewerber aus anderen Ländern in Türkenfeld gut betreut und integriert werden.

Jahrestag: Ein Besucher präsentiert die Friedensfahne.

Ein Besucher präsentiert die Friedensfahne.

(Foto: Jana Islinger)

Mike Gallen erinnerte bei der Begrüßung daran, dass derzeit Kriege auf der ganzen Welt großes Leid über die Menschen bringen und Unzähligen das Leben kosten. Danach verurteilten Ditz Schroer und seine Frau Heidelotte in Versform, dass derzeit in vielen Ländern, zum Beispiel in Syrien, im Sudan, in Äthiopien und Myanmar, in Kurdistan, Libyen, Jemen und Zentralafrika Unschuldige getötet werden, "nur weil Kriegsherren mit dem Tod spielen". "Soldaten, Menschen in Städten sterben im Schmutz und im Blut. Es geht nicht um Ehre und Treue und Pflicht. Kriegstreiber gehören vors Strafgericht" lautete ein Vers und ein weiterer: "Alle Menschen sind Geschwister, ob Ukrainer, Russen, Israeli, Palästinenser, Christen, Juden, Muslime, Buddhisten, Atheisten: Wir alle wollen in Frieden leben!". Nach einer Schweigeminute erzählte die Ukrainerin Oksana Kanarova von den ersten Tagen des Krieges in ihrer Heimat, von dem niemand etwas geahnt habe "Ich hätte nie im Leben gedacht, das ich meine Familie jemals mit den Worten 'Aufstehen, es ist Krieg' wecken muss", erinnerte sie, und dass bald danach die ersten Bomben eingeschlagen seien und Häuser zerstört hätten. Zusammen mit ihrer Mutter sang sie dann das Vaterunser in ihrer Heimatsprache. Danach stimmten Mutter, Tochter und Ehemann mit der ukrainischen Klarinettistin und Bürgern das Zuversichts-Lied "Wie shall overcome" an (Wir werden es überwinden, wir werden es eines Tages überwinden. Oh, tief in meinem Herzen glaube ich fest daran: Wir werden es eines Tages überwinden). Dazu wurden Kerzen verteilt und angezündet, sodass um die Friedensfahne ein "Lichterkranz der Hoffnung" erstrahlte.

Jahrestag: Die Ukrainerin Oksana Kanarova (links) berichtet von den ersten Tagen des Kriegs in ihrem Heimatland.

Die Ukrainerin Oksana Kanarova (links) berichtet von den ersten Tagen des Kriegs in ihrem Heimatland.

(Foto: Jana Islinger)

Die Hoffnung nicht aufzugeben, mahnte auch Bürgermeister Emanuel Staffler. Tyrannen wie Putin, die mit Brutalität andere Länder überfallen, dürften keine Zukunft haben und man dürfe den Glauben an den Sieg des Guten nicht verlieren. Zuversichtlich bleiben sollten die Menschen und zusammenhalten, dann könnten die Demokratie und die Werteordnung sicher bewahrt werden, sagte Staffler und dankte den Organisatoren und Besuchern der Gedenkfeier für ihre Anteilnahme sowie den freiwilligen Helfern, die in Türkenfeld die Flüchtlinge vorbildlich und aufopferungsvoll unterstützten.

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