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Handwerk:Puchheims letzte Bäckerei

Bäckerei

Schlüssel aus Brezenteig: Martin Schönleben (links) übergibt seine Bäckerei an Maximilian Hünsche.

(Foto: Privat)

Nach längerer Suche findet Martin Schönleben einen Nachfolger. Maximilian und Sabine Hünsche wollen das Angebot teilweise sogar erweitern

Von Peter Bierl, Puchheim

Der letzte Bäcker bleibt Puchheim erhalten. Martin und Beate Schönleben haben Nachfolger gefunden. Vor kurzem haben sie ihren Betrieb in der Lagerstraße an Maximilian und Sabine Hünsche übergeben. Die beiden wollen nach der Corona-Pandemie auch den Kaffeebetrieb wieder eröffnen und das Brotsortiment ausweiten. Kreishandwerksmeister Franz Höfelsauer ist froh, dass sich Nachfolger für den Betrieb gefunden haben.

Die Eltern von Martin Schönleben hatten die Bäckerei und Konditorei 1971 in Puchheim eröffnet. Vorher führten sie zehn Jahre lang ihren Betrieb in Gräfelfing. 1999 übernahm Martin Schönleben das Geschäft. Seine beiden Kinder haben sich andere Berufe gewählt und so suchte er seit geraumer Zeit Nachfolger. Er fand die Hünsches, die mit ihren beiden kleinen Töchtern in Aubing leben. Maximilian Hünsche ist Bäckermeister und Beate Hünsche Bäckereifachverkäuferin.

Seit einem Jahr arbeiteten sie schon im Schönleben-Betrieb mit, nun haben sie das Geschäft übernommen. Martin und Beate Schönleben werden noch einige Zeit mitarbeiten. Außerdem geht den beiden Meistern noch ein Geselle zur Hand. Die Arbeit beginnt am Abend gegen 21 Uhr mit der Vorbereitung, ab 2 Uhr morgens wird gebacken und ab 6.30 Uhr kann die Kundschaft im Laden die frischen Waren erwerben. Schönleben hat fast ausschließlich Stammkunden, die teilweise aus Bruck und München kommen.

Den Kontakt hatte Höfelsauer vermittelt. Für die Hünsches ist es der Sprung in die Selbständigkeit. Sie wollen alles beim Alten lassen, es wird also Kuchen und Backwaren geben, dazu soll das Angebot an Brot vergrößert werden, weil das eine Spezialität des neuen Bäckermeisters ist. Auch bei den Semmeln wird sich das Sortiment erweitern und der Kaffeebetrieb soll eine neue Sitzecke bekommen. Allerdings wollen die neuen Geschäftsleute damit bis nach der Pandemie warten.

Schönleben hat sich mit seinen Torten und Törtchen einen Namen gemacht und Bücher mit traditionellen Rezepten veröffentlicht. Dazu hat er zusammen mit der Puchheimer Buchhändlerin Nicola Bräunling seit einigen Jahren in unregelmäßigen Abständen eine Backshow-Lesung veranstaltet, bei der Geschichten vorgelesen und dazu ein süßes Teil gebacken wurde, zuletzt im Online-Format. "Es ist die zweite erfolgreiche Übergabe nach Bücherl im Zentrum von Bruck", sagt Höfelsauer. Damit bleibe die einzige noch "backende Bäckerei" in Puchheim bestehen, alle anderen seien Filialbetriebe. Insgesamt besteht die Bäckerinnung im Landkreis noch aus 14 Betrieben. Wegen der Corona-Pandemie sei es schwer, Lehrlinge zu finden, berichtet er. Die bisher abgeschlossenen Ausbildungsverträge ließen sich an einer Hand abzählen. Er hofft, dass sich im Sommer noch junge Leute finden. Im vergangenen Jahr hatten bis Herbst sogar mehr Azubis in den Bäckereien angeheuert als 2019, berichtete er.

© SZ vom 10.05.2021
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