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Handwerk:Meisterbrief aus dem Karton

Andreas Stadler ist Jahresbester geworden. Weil die Abschlussfeier ausfällt, kommen die Auszeichnungen mit der Post

Von Patricia Unterlechner, Maisach

Meisterverleihung für Kälte- und Klimatechnik an Andreas Stadler , 27, Maisach

Zwei Bier für den Meister, dazu noch Urkunden und ein Schal - das alles war in dem Paket, das an Andreas Stadler geliefert worden ist.

(Foto: privat)

Nur ein kleiner Karton vor Weihnachten. Darin sein Meisterbrief, zwei Meisterhalbe, ein Schal und eine Partykanone. Das musste als Belohnung reichen für Andreas Stadler aus Maisach. Der 27-Jährige hatte eigentlich seinen Meister in Kälte- und Klimatechnik schon im Dezember 2019 bestanden. Die Meisterabschlussfeier in München, die jährlich Ende November oder Anfang Dezember stattfindet, hatte er damit verpasst. Dafür hat er sich auf 2020 gefreut. Zu früh. Die Pandemie vereitelte die letztjährige Feier. Normalerweise ist die Feier immer ein großes Ereignis. Zahlreiche Ehrengäste aus Kirche, Politik und Wirtschaft sind zu Gast, um die jährlich etwa 1 500 Meisterschüler aus allen Handwerksberufen in Oberbayern zu ehren.

Dabei hätte es für Andreas Stadler eine große Überraschung gegeben. In seinem Karton fand der 27-Jährige neben seinem Meisterbrief noch eine kleine goldene Medaille und einen Meisterpreis. Er war Jahresbester geworden. "Ich habe mich sehr darüber gefreut, ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, am Ende doch der Beste gewesen zu sein," sagt Stadler.

Andreas Stadler

Andreas Stadler.

(Foto: privat)

Von den mehr als 25 Leuten in seiner Klasse hat er am Ende in den vier Teilen, aus denen der Meister aufgebaut ist, die beste Gesamtnote geschafft. Allein das Zeitmanagement für den Kältetechnikmeister, der teils berufsbegleitend stattfindet, ist schon eine Herausforderung. Für Andreas Stadler hieß das, Montag bis Donnerstag die 40-Stunden-Woche vollkriegen, um dann am Freitag und Samstag für die Fachtheorie Zeit zu haben. Die Teile Buchführung und Arbeitspädagogik werden nur in Vollzeit angeboten. Dafür musste er acht Wochen unbezahlten Urlaub nehmen. Vor der Prüfung im Dezember galt es noch, den praktischen Meistervorbereitungskurs - ebenfalls Vollzeit - zu absolvieren: "Diese fünf Wochen waren für mich der spannendste Abschnitt."

Seit Ende 2019 ist er jetzt als Meister bei seinem Unternehmen, einem Lüftungsbauer mit kleiner Kältetechnikabteilung. Dort kümmern sie sich um Klimaanlagen und Serverräume in Büros. Der kleinen Handwerkssparte für Klima- und Kältetechnik geht es mit dem Nachwuchs ähnlich wie in anderen Handwerksberufen auch. Es fangen nur wenig neue Lehrlinge an. "Im Moment haben wir zwei Azubis, aber in den letzten drei Jahren davor gab es keine", sagt Andreas Stadler.

© SZ vom 20.01.2021
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