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Gröbenzell:Wacklige Kompromisslösung

Die Gröbenzeller wollen Ganztagszweige an zwei Grundschulen, aber gleichzeitig den Standort an der Bernhard-Rößner-Straße erhalten. Doch die Regierung von Oberbayern könnte die Planungen zu Fall bringen

Zur Schaffung von zwei Ganztagszweigen soll die Grundschullandschaft in Gröbenzell komplett neu geordnet werden. Das hat der Kultur- und Sozialausschuss des Gemeinderates am Dienstagabend gegen die Stimmen der SPD beschlossen. Die Mehrheit der Kommunalpolitiker sprach sich letztlich für den Kompromissvorschlag der Rektorinnen und Elternbeiräte der Ährenfeld-, Gröbenbach- und Bernhard-Rößner-Schule aus. Nach diesem sollen im Herbst 2013 in der Ährenfeld- und Gröbenbachschule Ganztagsklassen angeboten werden. Die bisherigen drei Sprengel werden auf zwei reduziert, nämlich Gröbenzell Nord und Süd. Die Schule an der Bernhard-Rößner-Straße bleibt erhalten, sie verliert aber ihre Selbstständigkeit und würde nur noch als Dependance von einer der anderen Schulen mitverwaltet.

Groebenzell: Bernhard-Roessner-Schule

Die Grundschule an der Bernhard-Rößner-Straße: über ihren Erhalt wird diskutiert.

(Foto: Johannes Simon)

Trägt die Regierung von Oberbayern diese Dependance-Lösung nicht mit, was laut dem Fürstenfeldbrucker Schulamtsleiter Joachim Linkert zu erwarten ist, wäre jedoch die Bernhard-Rößner-Schule auf Dauer nicht mehr zu erhalten. Diese Bedenken wurden mit dem Hinweis abgetan, die Zustimmung der Regierung sei mit intensiven Gesprächen aller Beteiligten und vor allem durch Druck der Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis zu erreichen.

Über die Frage, wie der dritte Schulstandort im Gröbenzeller Süden am Besten langfristig gesichert werden kann, entbrannte im Gemeinderat eine erbitterte Kontroverse. Obwohl sie kein Rederecht hatten, mischten sich auch Zuhörer immer wieder mit Zwischenrufen ein. Der Sitzungssaal war mit Eltern und deren Kindern überfüllt, von denen die meisten stehen musten. Mit der Dauer der Diskussion nahm die Verwirrung zu. UWG-Gemeinderat Martin Schäfer räumte das offen ein und bekannte zur Ganztagsschule: "Ich wollte den Eltern etwas Gutes tun, jetzt habe ich das Gefühl, dass es etwas Schlimmes ist."

So konnte niemand sagen, wie groß der Bedarf an Ganztagsklassen ist. In Eichenau war die Nachfrage nach Ganztagsunterricht zu klein. Den Vorschlag, pragmatisch mit einer Ganztagsklasse an einer Schule zu beginnen und das Angebot schrittweise zu erweitern, lehnte vor allem die CSU vehement ab. Die Begründung: Alle Eltern sollten die gleiche Chance haben. Würden mehr Kinder als für eine Klasse angemeldet, müsse ein Teil abgewiesen werden. Das könne nicht die Lösung sein.

Unter starkem Applaus aus den Zuhörerreihen warnte SPD-Gemeinderat Peter Falk (SPD): "Finger weg von der Bernhard-Rößner-Schule!" Den Traditionsstandort aufzulösen, sei keine zukunftsweisende Entscheidung, eine Dependance-Schule eine nicht zu verantwortende Alternative. Schulamtsleiter Linkert wies noch auf eine zweite Option hin: die Gründung eines eigenen Ganztagssprengels mit einer Schule, an der ausschließlich Ganztagsunterricht angeboten wird. Auch gegen den Protest vieler Eltern warben die Rektorinnen der drei Grundschulen für den letztlich beschlossenen Kompromissvorschlag. Romana Reile von der Rößner-Schule sprach von dem "kleineren Übel". Sie und ihre Kolleginnen hätten der Dependance-Lösung zugestimmt, weil die Alternative die Schließung ihrer Schule gewesen wäre. Bettina Betz, die Leiterin der Ährenfeldschule, versuchte, die Vorbehalte gegen die Ganztagsschule zu entkräften. Sie verwies auf die steigende Nachfrage, es werde mehr geboten als eine Nachmittagsbetreuung. Die Kinder würden durch pädagogische, kulturelle und Freizeitangebote gefördert. Nach dem Unterrichtsende um 16 Uhr sei eine Anschlussbetreuung gewährleistet.

SPD-Gemeinderat Axel von Walter forderte, die Gemeindeverwaltung müsse vor einer Entscheidung erst ihre Hausaufgeben machen. Dazu gehört laut Walter auch eine Informationsveranstaltung mit umfassender Aufklärung der Eltern über den Unterschied von Mittagsbetreuung, Hort und Ganztagsschule sowie eine Elternbefragung. Brigitte Böttger (CSU) forderte eine schriftliche Zusage der Regierung zum Erhalt der Rößner-Schule.