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Fürstenfeldbruck/München:Faust ins Gesicht

36-Jähriger soll seine Mutter schwer misshandelt haben

Ob es stimmt, was ihm vorgeworfen wird, weiß Florian A. selbst nicht so genau. "Möglicherweise" sagt er, streitet dann aber gleich wieder alles ab oder kann sich plötzlich an nichts mehr erinnern. Der 36-Jährige soll seiner Mutter mit der Faust ins Gesicht geschlagen und einer Krankenschwester damit gedroht haben, er werde ihr den "Kopf wegschießen". Anschließend soll er sie mit seinen Füßen getreten und versucht haben, sie zu würgen. Das war im Dezember 2019. Florian A. befand sich damals in einer Fachklinik für Psychiatrie in Gauting. Die Krankenschwester wehrte sich so heftig, dass es ihr gelang, sich zu befreien. Florian A. kann für die mutmaßlichen Angriffe auf seine Mutter und auf die Krankenschwester strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden. Die Staatsanwaltschaft am Landgericht München II, wo er sich jetzt verantworten muss, geht davon aus, dass er zum Zeitpunkt der Übergriffe schuldunfähig war. Florian A., der aus dem südöstlichen Landkreis stammt, leidet an einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis. Die Richter der 7. Strafkammer müssen deshalb darüber entscheiden, ob er für unbefristete Zeit in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht wird.

Wegen seines angeblichen aggressiven Verhaltens hatte Florian A. von seinen Eltern ein Hausverbot erteilt bekommen. Es interessierte ihn aber offenbar nicht. Im August 2019 soll er sich trotzdem zweimal Zutritt zu deren Haus verschafft haben. In beiden Fällen soll er seine Mutter attackiert haben. Einmal soll er ihr die Hand in einer Türe eingeklemmt und bei einem weiteren Besuch ihr "ohne rechtfertigenden Grund oder entschuldigenden Anlass mit der Faust ins Gesicht" geschlagen haben, wie es in der Antragsschrift der Staatsanwaltschaft heißt.

Derzeit ist Florian A. aufgrund eines Unterbringungsbefehls des Amtsgerichts München einstweilig in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht. Für die Entscheidung, ob er dort womöglich für viele weitere Jahre bleiben muss, werden sich die Richter der 7. Strafkammer am Landgericht München II viel Zeit nehmen. Insgesamt haben sie fünf Verhandlungstage vorgesehen. Florian A. sagte zum Auftakt des Prozesses, er habe nie Schizophrenie gehabt. Er sei ein "absolut gesunder Geist" und "freundlich gestimmt zu jedem." Sein Verhalten sei "immer passabel" gewesen. Florian A. hat drei Lehren begonnen, jedoch keine abgeschlossen. Wie er sich denn seine Zukunft vorstellt, fragte ihn der Vorsitzende Richter Christoph Oberhauser schließlich. Florian A. antwortete: "Ich wäre am liebsten wieder frei, würde zu meinen Eltern gehen, erst einmal eine rauchen." Später würde er dann in einer eigenen Wohnung leben wollen. Wenn das nicht möglich wäre, würde er lieber in einem Obdachlosenheim wohnen als in der Forensik. Ein Urteil wird für Anfang März erwartet.

© SZ vom 01.03.2021 / sal
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