Mitten in Fürstenfeldbruck:Studie eines Kreiselbeobachters

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Das Blinken im Straßenverkehr scheint aus der Mode zu kommen. Der Sicherheit im Verkehr würde es allerdings dienen.

Kolumne von Walter Gierlich

Wissenschaft ist wichtig. Das hat gerade erst die Bekämpfung der Pandemie klar gemacht. Leider werden die Veröffentlichungen von Forschern, die oft mit Vorschlägen und Forderungen verbunden sind, in der Öffentlichkeit und der Politik nicht immer so ernst genommen, wie es notwendig wäre. Bestes Beispiel dafür: Der Klimawandel, vor dem seit Jahrzehnten immer drastischer gewarnt wurde, ohne dass etwas Wirksames unternommen wurde, um die Erderhitzung zu begrenzen.

Nun heißt das allerdings nicht, dass jede akademische Studie ähnlich gravierende Probleme unter die Lupe nimmt und von Bedeutung für die Rettung unseres Planeten ist. So fanden beispielsweise Forscher an der Universität der schwedischen Hauptstadt Stockholm bei einer Testreihe heraus, dass Hühner wesentlich heftiger nach ihrem Futter pickten, wenn sie Gesichter schöner Menschen sahen. Dazu passt in gewisser Weise ein Experiment, das an der Washington State University durchgeführt wurde. Es kam zu dem Ergebnis, dass die Zeit der Vogelscheuchen zu Ende gehe, weil die Piepmätze viel wirkungsvoller durch Drohnen verschreckt werden. Eine Entdeckung, die auch nicht wirklich zur Weltrettung beiträgt.

Eher hilft da schon, was Wissenschaftler der australischen University of Queensland herausfanden: Die Larven des in Mittel- und Südamerika beheimateten Großen Schwarzkäfers (Zophobas morio) können sich ganz allein von Kunststoff ernähren und so zur Beseitigung des Plastikmüllproblems beitragen.

Immerhin zu weniger Unfällen könnte es führen, wenn das Ergebnis einer (vielleicht nicht ganz repräsentativen) Studie Eingang in die Köpfe aller Autofahrer finden würde: Diese kommt zu dem Ergebnis, dass das Blinken bei einem Richtungswechsel offenbar mittlerweile out ist - zumindest für den Großteil der Menschen am Steuer. Der Autor dieser Zeilen erhob dazu kürzlich morgens gegen 7.30 Uhr einige Minuten lang Daten an einem Kreisverkehr in der Region. Von gut 20 Pkws und Lieferwagen blinkten gerade einmal sieben beim Verlassen des Kreisels, also lediglich ein gutes Drittel. Ehe nun die Autohasser zu einem Shitstorm ansetzen, hier noch eine Beobachtung aus den paar morgendlichen Minuten: Kein einziger Radler streckte den rechten Arm aus, wenn er aus dem Kreisel herausfuhr. Sicher nur Zufall, oder?

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