Fürstenfeldbruck Flüchtlingsheim statt Squashpalast

Der Landkreis will das Gebäude im Westen Fürstenfeldbrucks durch eine Unterkunft für 74 Asylbewerber ersetzen. Nun werden Bedenken laut, es könne dort Zoff geben mit jugendlichen Krawallmachern.

Von Stefan Salger

Der Squashpalast im Brucker Westen ist eine Institution. In dem 1980 errichteten Gebäude begannen und beendeten Spieler ihre Karrieren. Mit den Schlägern wird ein kleiner schwarzer Gummiball, der nur einmal auf dem Boden aufkommen darf, gegen Seiten- oder Rückwand geschlagen. Immer zwischen die roten Linien. Nun zeichnet sich ab, dass diese Institution bald selbst eine rote Linie erreichen dürfte: Das Haus ist marode. Weil der Sport auf dem absteigenden Ast ist, rechnet sich eine Sanierung für Besitzer Wolfgang Brückner nicht mehr.

Möglicher Standort für ein Flüchtlingsheim: der Squashpalast im Brucker Westen.

(Foto: Günther Reger)

Nun prüft der Landkreis, ob er das Gebäude am Kurt-Huber-Ring durch eine Konstruktion in Modulbauweise ersetzen kann. Ziel ist es, dort bis zu 74 Flüchtlinge unterzubringen, vorerst auf zehn Jahre befristet. Die Stadt zeigt sich den Plänen gegenüber aufgeschlossen. Allerdings wurden vereinzelt Bedenken laut, dass auf Krawall gebürstete Jugendliche den Asylbewerbern das Leben schwer machen könnten.

Der Bauausschuss beschäftigte sich am Mittwoch mit einer ersten, allgemein gehaltenen Anfrage des Landkreises. Der sucht händeringend Unterkünfte für die Flüchtlinge, deren Zahl ständig wächst. Neben der Germeringer Unterkunft mit ihren 65 Bewohnern ist die Containersiedlung im Gewerbegebiet Hasenheide mit ihren 72 Plätzen die einzige große Sammelunterkunft. Insgesamt sind im Landkreis zurzeit 380 Asylbewerber untergebracht.

Jüngst hatte der Stadtrat dem Plan des Landkreises zugestimmt, das Provisorium in der Hasenheide durch ein festes Gebäude zu ersetzen, aber darauf gedrängt, zusätzliche Flüchtlinge künftig näher am Zentrum unterzubringen. Eine Bedingung, die der Standort im Brucker Westen erfüllen würde. Bahnhof, Geschäfte und soziale Einrichtungen liegen in der Nachbarschaft.

Geklärt werden muss nun, wie das L-förmige, zweigeschossige Haus durch einen Lärmschutzwall oder ein ähnliches Konstrukt von den südlich verlaufenden Gleisen der Bahnstrecke abgeschirmt werden kann. Die Brucker Stadträte pochen darauf, dass der Landkreis einen runden Tisch einberuft und das Projekt dort mit Nachbarn, Polizei und dem Arbeitskreis Asyl erörtert. Zudem verlangen sie die Zusicherung, dass das aus Fertigteilen bestehende Gebäude nach zehn Jahren wieder abgebaut wird.

Im Plenum des Bauausschusses herrschte Einigkeit über die Zulässigkeit des Projekts. Maria Röhl (CSU) bekundete allerdings, sie sehe ihm "mit gemischten Gefühlen" entgegen: "Die Asylbewerber könnten dort gefährdet sein." Denn im Umfeld von Geschwister-Scholl-Platz, Spielcasino und Kino rotteten sich offenbar des öfteren Jugendbanden zusammen. Röhl fürchtet, dass die mit den Flüchtlingen aneinandergeraten.

Dafür freilich erntete sie prompt Widerspruch. Zwar räumte auch Planungsreferentin Gabriele Fröhlich ein, dass es "sozialen Konfliktstoff" geben könnte. Ebenso wie für ihren SPD-Fraktionskollegen Walter Schwarz kann die Lösung für sie aber nicht darin liegen, das Flüchtlingsheim dort nicht zu bauen. Im Bedarfsfall müsse man vielmehr an die Strukturen herangehen, etwa durch Projekte wie Soziale Stadt. Ähnlich äußerte sich Christian Stangl (Grüne). Jens Streifeneder (BBV) regte an, das Jugendamt einzubinden.

Brucks stellvertretender Polizeichef hält die Bedenken der CSU-Stadträtin für wenig stichhaltig. "Gebiete rund um einen Bahnhof sind zwar immer etwas problematischer als andere", sagte Michael Fischer, Gleichwohl sei "diese Ecke nicht auffällig." Zwar hatte es vor einigen Jahren vereinzelt Probleme gegeben mit Jugendlichen, die sich regelmäßig vor der Crystal Lounge, einer Shishabar in der Bahnhofsunterführung, getroffen hatten. Die Lage habe sich aber längst beruhigt, sagte Fischer. "Man sollte nicht wegen einiger Vorfälle gleich das Bild eines Ghettos malen."

Wie aber geht es nun weiter mit dem Squashpalast? Brückner sieht es gelassen. Für ihn ist es längst noch nicht ausgemachte Sache, dass das Haus wirklich abgerissen und durch ein Flüchtlingsheim ersetzt wird. Die Chancen dafür beziffert er auf "50 zu 50". Noch sei es nur ein Plan des Landkreises, der auf ihn zugekommen sei und das Grundstück anmieten wolle. Denkbar ist es aber auch, dass sich entweder ein anderer Betreiber findet, der bereit ist, das Gebäude zu sanieren, oder dass hier beispielsweise ein Einzelhandelsgeschäft gebaut wird.

Brückner räumt allerdings ein, dass die Tage des Squashpalasts gezählt sein dürften. Zwar läuft das Geschäft im Winter recht gut und die Sonderangebote (halbe Stunde ab 2,50 Euro, Schläger- und Ball-Leihe gratis) hätten auch wieder mehr junge Spieler angelockt. Ein wichtiges Standbein aber sei größtenteils weggebrochen: Partys dürfen nach Beschwerden von Nachbarn nur noch einmal im Monat veranstaltet werden. Selbst wenn die Regierung grünes Licht für das Projekt gibt und es keine größeren Verzögerungen gibt, rechnen Brückner und auch Kreisbauamtsleiter Axel Schuhn nicht mit einer Baugenehmigung vor Anfang 2015. Im Idealfall sei das Flüchtlingsheim im Herbst 2015 bezugsfertig, sagte Schuhn.

Squasher, Partygänger und Fußballfans bekommen also eine Nachspielzeit. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft soll es wieder Public Viewing geben, und bereits an diesem Samstag wird im Squashpalast das Spiel FC Bayern München gegen Borussia Dortmund übertragen. Für viele Brucker ein schwacher Trost, so auch für BBV-Stadtrat Jens Streifeneder: "Ich finde es wirklich schade, dass der Squashpalast verschwindet."