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Tödliche Blauzungenkrankheit:Existenzangst im Sperrgebiet

Wegen der tödlichen Blauzungenkrankheit dürfen alle Bauern im Landkreis Kühe und Kälber so lange nicht vermarkten, bis sie vor dem Erreger geschützt sind. Doch bislang können die Tiere nicht geimpft werden

Die Milchviehhalter im Landkreis stehen möglicherweise zum zweiten Mal seit zehn Jahren vor einer schweren Krise. Nicht der Milchpreis ist es diesmal, der ihnen Sorgen bereitet, sondern es sind die Auswirkungen der tödlichen Blauzungenkrankheit - wie 2008. Weil diese bei Rindern in Baden-Württemberg nachgewiesen worden ist, wurde auch im Landkreis Fürstenfeldbruck ein Sperrgebiet erlassen.

Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen dürfen diese Zone nicht verlassen, außer sie sind gegen das Virus geimpft. Doch ein Impfstoff sei nicht verfügbar, sagt Michael Kappelmeir, Landwirt aus dem Maisacher Ortsteil Überacker, und deshalb befürchtet er schon bald große Probleme für seinen Betrieb und das Wohl der Tiere. Und die Zeit drängt.

Wenn die Milchkühe geimpft wären, hätten auch ihre Kälber einen Schutz gegen die Blauzungenkrankheit. Erst dann könnten sie auch außerhalb des für den Landkreis geltenden Restriktionsgebietes vermarktet werden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

"Wir wissen momentan nicht, wie es weitergehen soll", sagt der 44 Jahre alte Landwirt. Aus einer Bauernfamilie in Überacker stammend, hat er den Betrieb 2008 übernommen und an den Ortsrand ausgesiedelt. 55 Milchkühe stehen im Stall sowie die Nachzucht. Damit eine Kuh Milch gibt, soll sie einmal pro Jahr ein Kalb gebären. Etwa 50 der 70 Kälber im Jahr verkauft Kappelmeir, weil er die Tiere nicht mästet oder so viele zur Zucht verwenden kann. Seit sein Betrieb in der Restriktionszone der von Stechfliegen übertragenen und für Menschen ungefährlichen Blauzungenkrankheit liegt, dürfen die Tiere das Sperrgebiet nicht verlassen, außer es wird nachgewiesen, dass sie gesund oder geimpft sind. Ein Problem also nicht nur von Kappelmeir und seinen Kollegen, sondern auch der Viehhändler, die die Tiere in Bayern und der ganzen Europäischen Union vermarkten.

Ein Bluttest als Nachweis, dass das Tier nicht infiziert ist, reicht nicht mehr aus

Bislang sind Kappelmeir und andere betroffene Landwirte davon ausgegangen, dass sie die Kälber bis Ende Juni verkaufen können, wenn durch einen Bluttest keine Erkrankung nachgewiesen ist. Doch das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, das Friedrich-Löffler-Institut, hat nun die Frist verkürzt und lässt nach Samstag dieser Woche keine Bluttests mehr zu. Das bestätigt auch Hans-Werner Merk, Leiter des Veterinäramtes in Fürstenfeldbruck, und erklärt, dass diese Bluttests nur für die kühlere Jahreszeit gedacht gewesen seien. In dieser Zeit sei die Gefahr, dass die Krankheit durch die Gnitzen übertragen werde, geringer, sagt Kappelmeir, der mit dieser Lösung zufrieden war. Seine Tiere musste er zudem mit einem Insektenschutzmittel behandeln. Das aber, sagt der Landwirt, genüge als Schutz nun nicht mehr.

Michael Kappelmeier mit einem zwei Wochen alten Kalb, das er möglicherweise nicht so schnell verkaufen kann.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Veterinär Merk sagt, dass den Bauern nichts anderes übrig bleibe, als die Mutterkühe zu impfen. Und auch die Kälber, wenn man sie außerhalb des Sperrgebiets vermarkten wolle. Tiere, die geschlachtet würden, bräuchten die Impfung nicht. Doch womit impfen, fragt sich Bauer Kappelmeir, wenn es doch noch keinen Kombinationsimpfstoff gebe. Sich allein darauf zu verlassen, die Tiere nur gegen den bislang nachgewiesenen Typ des Virus zu impfen, will der Landwirt aus Überacker nicht.

Bis zum vollständigen Impfschutz für Mutterkühe dauert es acht Wochen

Die Folgen für Kappelmeir und Kollegen von kommender Woche an: Die Kälber würden weiter geboren, könnten aber nicht an Mastbetriebe verkauft werden, und der Preis werde verfallen, sagt der Obmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Georg Huber aus Puchheim. Da nur wenige seiner Kühe derzeit trächtig seien, würden in den kommenden Wochen auch weniger Kälber zur Welt kommen, sagt Kappelmeir. So habe er wenigstens Platz für die Kälber. Sollte es einen Impfstoff für Mutterkühe geben, dann betrage die Zeit bis zum vollständigen Impfschutz mindestens 80 Tage. Dieser Zeitraum sei aber kaum zu bewältigen.

Huber will sich nun an die Landespolitik wenden und um Hilfe bitten. Zum einen will er erreichen, dass durch eine Verlängerung der Bluttests bis zum Einsatz eines Kombipräparats die Vermarktung möglich gemacht wird, zum anderen müsse schnellstmöglich der Impfstoff zur Verfügung gestellt werden.