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Freiwillige Feuerwehr:Nicht schnell genug am Einsatzort

Bis die Mannschaft die Feuerwehrhäuser in Puchheim-Bahnhof und Ort erreicht, kann es dauern.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Entwurf des Puchheimer Feuerwehrgutachtens zeigt Probleme bei den Ausrückzeiten auf. Häufig kann die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zehn Minuten nicht eingehalten werden. Manche Lokalpolitiker zweifeln an der Richtigkeit der Daten.

Von Ingrid Hügenell, Puchheim

Scharf kritisiert hat Günther Hoiß, Feuerwehrreferent des Stadtrats, den Entwurf für den neuen Feuerwehrbedarfsplan der Stadt. "Ich bin nicht sehr zufrieden mit dem, was da drin steht. Für das Geld habe ich etwas anderes erwartet", sagte er nach der Vorstellung des Gutachtens. Thomas Keller vom Ingenieurbüro für Brandschutz und Gefahrenabwehrplanung IGB hatte den 250 Seiten dicken Entwurf dem Ausschuss für öffentliche Sicherheit erläutert.

Der Diplomingenieur wies darauf hin, dass die beiden freiwilligen Feuerwehren der Stadt die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zehn Minuten häufig nicht einhalten könnten. In weniger als der Hälfte der Einsätze sind Feuerwehrleute und Einsatzfahrzeuge schnell genug vor Ort. Tagsüber klappt das seltener als nachts. Die Feuerwehr Puchheim-Bahnhof kommt demnach tagsüber nur in 34 Prozent der Einsätze innerhalb der Hilfsfrist an, nachts immerhin in 51 Prozent, zusammen ergibt das 44 Prozent. Für Puchheim-Ort sehen die Zahlen noch schlechter aus. Puchheim leidet als Pendlerstadt darunter, dass viele Feuerwehrleute zur Arbeit vor allem nach München fahren und dann für Einsätze nicht zur Verfügung stehen.

"Die Zeitwerte weichen von der Realität ab", sagte CSU-Stadtrat Hoiß bei der Sitzung zu den Daten. Er sprach sogar von "alternativen Fakten". Gutachter Keller verteidigte sich: "Die Daten sind gerichtsfest von der Integrierten Leitstelle dokumentiert. Die sind, wie sie sind." Alle Daten seien in sich schlüssig. Er verwahre sich gegen die Behauptung, es handle sich um "alternative Fakten". "Ihre Skizzen sind weit weg von der Realität", konterte Hoiß. Stadtrat Thomas Salcher (UBP), ehemaliger Kommandant der Feuerwehr Puchheim-Ort, sagte, er könne sich auch nicht vorstellen, dass die Daten stimmten. "Wir schützen unsere Bevölkerung besser als dargestellt."

Allerdings habe die Puchheimer Feuerwehr tatsächlich "mannschaftstechnisch ein Problem, wie alle in Bayern". Der Kommandant der Feuerwehr Puchheim-Bahnhof, Michael Viehhauser, durfte als Gast bei der Sitzung sprechen. Mit den Einsatzzahlen stehe er "auf Kriegsfuß", sagte er und sprach von "komischen Messpunkten beim Ausrücken. Das gilt es noch zu klären." Grundsätzlich spiegele der Bedarfsplan aber, "was die Feuerwehr immer schon sagt". Die Ausrückzeiten seien relativ lang, erklärte Keller, "aber deshalb ist die Feuerwehr nicht schlecht. Wenn ein Feuerwehrler fünf Kilometer weit zum Feuerwehrhaus hat, dann ist es halt mal so, das ist nicht gut oder schlecht." Man sehe auch die Grenzen der ehrenamtlichen Feuerwehrsystems in Deutschland.

Tagsüber sind häufig nicht genug Feuerwehrleute in der Stadt, um die Hilfsfrist einhalten zu können - ein Problem, das es überall in Bayern gibt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Besser schnitten in dem Gutachten die beiden Feuerwehrhäuser ab. Die hätten zwar diverse Mängel, erklärte Keller. Durch organisatorische und kleinere bauliche Maßnahmen könnten sie aber soweit verbessert werden, dass sie für die nächsten 15 Jahre in Ordnung wären.

Das Verfahren sieht vor, dass der Entwurf nun in den kommenden zwei Wochen bei einem Workshop mit den Feuerwehrverantwortlichen abgestimmt wird. Viehhauser signalisierte bei der Sitzung schon, dass es für ihn und seine Feuerwehrkollegen auch wegen Corona zeitlich knapp werden könnte, das umfangreiche Werk durchzuarbeiten. Jean-Marie Leone (SPD) regte an, dass jede Stadtfraktion bei dem Workshop vertreten sein solle.

Die Einsatzbereitschaft der Puchheimer Feuerwehr wird schon länger kontrovers diskutiert. Die Stadt hat daher schon im April 2017 den Feuerwehrbedarfsplan in Auftrag gegeben. Er soll aufzeigen, wo es Mängel gibt und wie sie behoben werden können.

© SZ vom 18.11.2020
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