Politischer Ascherdonnerstag:CSU-Bashing bei der FDP

Politischer Ascherdonnerstag: Landtagskandidaten: Susanne Seehofer, Tochter des ehemaligen bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Horst Seehofer, und Ulrich Bode.

Landtagskandidaten: Susanne Seehofer, Tochter des ehemaligen bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Horst Seehofer, und Ulrich Bode.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der christsoziale Fürstenfeldbrucker OB-Kandidat Andreas Lohde will sich bei den Liberalen für die Unterstützung bedanken - zu hören bekommt er verbale Breitseiten gegen seine Partei.

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Wer im Brucker Stadtrat sitzt, habe ein dickes Fell. So lautete der Kommentar des CSU-Stadtrats Andreas Lohde, der bei der FDP am Donnerstagabend ein Söder- und CSU-Bashing über sich ergehen ließ. Lohde war als Gast zum Fischessen der Liberalen ins Venezia gekommen, um sich als CSU-Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters auf diese Weise dafür zu bedanken, dass die FDP für ihn wirbt. "Wir unterstützen Sie uneingeschränkt in der Stadt und im Kreis", versicherte Martin Koch, der FDP-Kreisvorsitzende.

Aber eben nicht im Landtagswahlkampf. "Ganz nüchtern im Kontrast zu den Aschermittwochsreden" werde der Abend verlaufen, hatte Koch versichert. Aber weder Ulrich Bode, FDP-Landtagskandidat für den Stimmkreis Fürstenfeldbruck-Ost, noch Susanne Seehofer, Kandidatin in München-Mitte, verzichteten auf Breitseiten gegen die Staatsregierung, gegen den Ministerpräsidenten, aber auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern.

"Das Größte, was die CSU zu bieten hat, ist eine große Klappe", eröffnete Susanne Seehofer - Tochter des ehemaligen CSU-Ministerpräsidenten Horst Seehofer - ihre Rede, während die etwa zwei Dutzend Liberalen im Nebenzimmer des Restaurants Venezia noch ihre Fische filetierten oder an einer Pizza säbelten. Markus Söder habe 10 000 neue Wohnungen versprochen, am Ende würden es etwa 1000. Ein "Weltmeister im Ankündigen" sei der Ministerpräsident und der Wirtschaftsminister ein "Wohlstandsrisiko". Es scheine, als ob Aiwanger den Freistaat "zu einem Agrarland rückabwickeln" wolle.

Klar, die Umfragen für die bayerische FDP sehen eher mau aus. Zuletzt sah Forsa die Partei bei etwa drei Prozent dümpeln, was für einen Wiedereinzug in den Landtag bei weitem nicht reichen würde. "Nicht so toll, aber wir Liberalen lieben das Abenteuer", sprach Susanne Seehofer ihren Parteifreunden Mut zu. Auf den Oppositionsbänken wolle man sich auch nicht drücken, sondern mitregieren, wie zuletzt von 2008 bis 2013. Insbesondere die Fürstenfeldbrucker Pendler werden sich erinnern: Der damalige FDP-Verkehrsminister Martin Zeil verzögerte den Ausbau der S 4 wie die CSU-Amtsträger zuvor und danach und bereitete die Verstümmelung des Projekts auf nur noch drei Gleise bis Eichenau vor.

Susanne Seehofer betonte, wie wichtig die FDP in der Ampelkoalition wäre, sonst gäbe es keine Schuldenbremse mehr, dafür einen höheren Spitzensteuersatz, eine Vermögenssteuer und noch was obendrauf. Seehofer sprach sich für ein Einwanderungsrecht nach kanadischem Vorbild aus, rein dürfte demnach bloß, wer der deutschen Wirtschaft nutzt. Sie beklagte, dass jede zweite Frau hierzulande in Teilzeit arbeiten müsse, oft nicht freiwillig, sondern weil die Betreuungsangebote für Kinder schlecht sind.

Der zweite Redner des Abends, Ulrich Bode, widmete sich bei dem Heimspiel seinem Lieblingsthema, der Digitalisierung, die nicht vorankomme. Er schilderte die Schwierigkeiten auf kommunaler Ebene: zu wenig Personal, zu wenig Zeit und dabei immer mehr Aufgaben. Positiv verlaufe lediglich das Projekt "Digitale Schule" des Landkreises - "aus eigener Kraft, ohne Hilfe des Freistaates", wie Bode herausstrich. Schuld am "Digitaldesaster" sei ebenfalls die CSU, die in den vergangenen Jahren die verantwortlichen Minister auf Bundes- und Landesebene stellte. Der amtierende Ministerpräsident sei ein Mann, "der sich für die Themen nicht interessiert", der sei bloß darauf bedacht, "sich selbst voranzubringen", rügte Bode. Lohde nahm es mit einem Lächeln auf den Lippen auf.

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