Wohnungsbau:Einheimischenmodell ist gut, sozialer Wohnungsbau ist besser

Der Mangel an Wohnungen kann nur gelindert werden, wenn auch dörflich geprägte Ortsteile wie Aich neue Wege gehen.

Kommentar von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Beim Blick auf die hohen Immobilienpreise und die steigenden Zinsen wird vielen Familien klar: Der Traum vom eigenen Haus bleibt auf unbestimmte Zeit ein Traum. Ein Lichtblick ist da das Einheimischenmodell. Städte oder Gemeinden stellen baureifes Land zur Verfügung und legen den Kreis der Bewerber fest. Eine Rolle spielt in der Regel, ob man in der Kommune ansässig und ob man sozial bedürftig ist. Weitere Kriterien wie ehrenamtliches Engagement können im Ranking berücksichtigt werden.

Das meist für den Bau von Einfamilien- oder Reihenhäusern genutzte Einheimischenmodell ist gut. Der soziale Mietwohnungsbau aber ist besser. Er ist die passende Antwort auf die drängenden Fragen rund um Bodenversiegelung sowie sparsamen Einsatz von Baustoffen und Heizenergie und kommt auch Familien zugute, die sich trotz Förderung keine Immobilie leisten können. Grundsätzlich sollten durch Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln Anreize gegeben werden für weniger Wohnfläche pro Person bei effizienterer Nutzung. Und für den Bau in die Höhe statt in die Breite. Zum Zuge kommen kann auch hier die nächste Generation von bereits im Ort ansässigen Familien.

Im Fall Aich spricht also vieles für den Bau von 22 günstigen Mietwohnungen, auch wenn sich Anwohner sowie CSU für die zusätzliche Schaffung von Wohneigentum per Einheimischenmodell aussprechen. Zu berücksichtigen ist gleichwohl die Frage, ob sich der den Stadträten nun vorgelegte Entwurf für den sozialen Wohnungsbau ins Ortsbild einfügt. Das vorgeschlagene Ensemble, das sich an bäuerlichen Dreiseithöfen orientiert, entkräftet die Befürchtungen, hier von der Stadt einen klotzigen Wohnblock vor die Nase gesetzt zu bekommen. Das Konzept ist stimmig und wäre an dieser "sensiblen Ortsrandlage" vor allem eines: eine Aufwertung - zumal auf der anderen Straßenseite große Gewerbehallen stehen.

All die Argumente, die in diesem Fall für die Vergabe an die Wohnbaugesellschaft des Landkreises sprechen, können freilich über ein grundsätzliches Manko nicht hinwegtäuschen: Städte und Dörfer sollten bevorzugt nicht am Rand, sondern im Innenbereich wachsen - im Bestand etwa durch den Ausbau von Dachgeschossen oder das Schließen von Baulücken. Und dort, wo verbleibende Flächen nicht als Parks oder Spielplätze im Sinne der Allgemeinheit genutzt werden. In Aich gibt es geeignete Flächen. Allerdings nicht im Eigentum der Stadt.

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