Mitten in Fürstenfeldbruck:Neunmalkluge Roller

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Mitten in Fürstenfeldbruck: E-Scooter stehen gewöhnlich am Straßenrand zur Benutzung bereit.

E-Scooter stehen gewöhnlich am Straßenrand zur Benutzung bereit.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

In Fürstenfeldbruck soll man sich bald E-Scooter ausleihen können, die Verkehrssünder eigenständig ausbremsen.

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Frage hat schon viele Generationen beschäftigt. Und mit jeder neuen Generation scheint es wahrscheinlicher, dass sie mit Ja beantwortet wird. Die zugehörige Frage: Kann künstliche Intelligenz klüger sein als der Mensch, der sie erschaffen hat? Beim Schach hat der Mensch längst das Nachsehen. Und es wird auch nicht mehr lange dauern, bis das selbstfahrende Auto alle Fesseln sprengt und sogar auf Landstraßen und in Städten bei jedem Tempo das Steuer übernimmt von diesen Fehlerquellen auf zwei Beinen. Die Unfallzahlen dürften rapide sinken. Im Fürstenfeldbrucker Umwelt- und Verkehrsausschuss geht es jüngst um E-Leihroller. Die Hände sollte man da zwar weiterhin immer am Lenker lassen, aber die Dinger scheinen Potenzial zu haben, notorische Verkehrssünder auszubremsen.

Senior Operation Manager Murat Kir zufolge will die Firma Lime in einem ersten Schritt in Fürstenfeldbruck und Germering mit insgesamt 40 der weiß-grünen Scooter starten. Was die Flitzer, die sich in der Prototypenphase befinden, irgendwann mal können sollen, ist elektrisierend: Werden sie verbotenerweise auf einem Gehweg bewegt, sollen sie mit einem Warnsignal protestieren. Steigen zwei Personen auf, sollen sie die Arbeit verweigern. Werden sie außerhalb der erlaubten Bereiche einfach an irgend einer Straßenecke abgestellt, soll der Fahrer weiter zur Kasse gebeten werden - was 23 Cent pro Minuten kosten dürfte, sofern nicht eine Flat gebucht ist (eine Stunde für 5,99 Euro, 24 Stunden 9,99 Euro, drei Tage 24,99 Euro). Und Promillefahrten könnten sich theoretisch auch vermeiden lassen, wenn vor Fahrtantritt ein Reaktionstest zu absolvieren wäre.

Die "umweltfreundliche Alternative zum Auto", für die Jan Halbauer (Grüne) und die meisten Stadträte die Weichen stellen wollen, bietet bei Bedarf auch noch "Datensharing" mit der Stadt an. Klingt nach Science Fiction und ein wenig nach Big Brucker Brother ist watching You. Für Leute, die Verkehrsregeln auch mal etwas lockerer nehmen, vielleicht die beste Motivation, lieber gleich auf bewährte Lowtech ohne KI-Gimmicks und eingebaute Bremsklötze, dafür aber mit eingebauter Klimaschutzfunktion umzusatteln: das gute alte Fahrrad.

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