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Coronavirus:Aus Spaß am Nähen

Am Wohnzimmertisch näht Susanne Vogl-Beer ihre Masken. Als Material verwendet sie nur Baumwolle.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Susanne Vogl-Beer fertigt und verschenkt Atemschutzmasken

Mütter, die im Krankenhaus nicht mehr zu ihren Frühchen dürfen, weil der Mundschutz fehlt. Pfleger, die ohne Maske von einem älteren Patienten zum nächsten gehen und so ausgerechnet die gefährden, die sie eigentlich schützen sollten. Solche Berichte waren es, die Susanne Vogl-Beer, selbst Mutter von zwei Töchtern, vor etwa einer Woche dazu bewegten, mit dem Nähen von Atemschutzmasken zu beginnen. Vogl-Beer ist aus Fürstenfeldbruck und arbeitet eigentlich als Logopädin, seit die Ausgangsbeschränkungen in ganz Bayern gelten, verbringt aber auch sie die meiste Zeit zu Hause - mit ihren Kindern oder vor dem Laptop auf Facebook-Gruppen.

Nachdem sie dort immer wieder Postings liest, die zum Nähen von Atemschutzmasken aufrufen, beschließt sie, den vielen Aufrufen zu folgen. Für Vogl-Beer ist das kein großer Aufwand, denn schon seit mehreren Jahren näht die 39-Jährige in ihrer Freizeit Kinderkleidung und verkauft sie an ihre Stammkunden. "Es macht mir Spaß, es kommen tolle Sachen dabei raus. Abgesehen davon, ist es ein schönes Gefühl, selbst etwas für die eigenen Kinder zu nähen, ohne dabei große Konzerne unterstützen zu müssen, die andere ausbeuten", sagt sie. Die Masken, die Vogl-Beer jetzt näht, verkauft sie nicht, die spendet sie "selbstverständlich", wie sie sagt - an Menschen, die auf Facebook nach Masken suchen, an eine Ärztin in Fürstenfeldbruck, die wiederum andere Ärzte kennt, an die Caritas, bei der ihr Schwager arbeitet, kurzum: überall dort, wo die Masken gerade gebraucht werden. Sie bietet aber auch einen telefonischen Bestellservice an für alle, die kein Facebook haben oder einfach lieber persönlich um Hilfe bitten.

Alle Masken von Vogl-Beer sind zu 100 Prozent aus Baumwolle und somit wasch- und wiederverwendbar. Ob sie auch wirklich dafür geeignet sind, Viren abzuschirmen, kann Vogl-Beer allerdings nicht beantworten: "Es sind keine medizinischen, ich habe ja kein Zertifikat dafür, aber ich denke, es ist im Moment eine gute Notlösung." Im Gegensatz zu vielen anderen Nähern verwendet Vogl-Beer keine Gummi-, sondern Stoffbänder, die anpassungsfähig sind: "So kann sich die Maske jeder so binden, wie es für das Gesicht der einzelnen Person passt", erklärt sie. Im Moment hat die Hobbynäherin noch etwa zehn Meter Stoff zu Hause, "genug", wie sie sagt, "um die Masken nicht verkaufen zu müssen." Sollte ihr der eigene Stoffvorrat bald ausgehen, müsste sie sich überlegen, ob sie künftig ein "kleines Taschengeld" für den selbstgenähten Mundschutz verlangt. Wollen tut sie das jedenfalls nicht, es soll ja in erster Linie eine Spende sein, kein Geschäft.

© SZ vom 01.04.2020

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