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Constanze Wagner bei der Documenta:Roter Faden durch Afrika

Sie ist die bedeutendste Kunstschau der Welt und findet nur alle fünf Jahre statt. Am Rande der Documenta wirkt die Künstlerin Constanze Wagner aus Germering mit. Dafür hat sie ihre Idee mit dem roten Faden aufgegriffen.

Peter Schelling

Die Germeringer Künstlerin Constanze Wagner wird Anfang August für mehrere Tage nach Kassel reisen, um dort am Rande der Documenta, einer der bedeutendsten Kunstschauen der Welt, an einem Kunstprojekt teilzunehmen. Wagner folgt einer Einladung des Umwelt-Unternehmens Cube Engineering, das seit Anfang der 1990er Jahre zu den international führenden Ingenieurbüros im Bereich der erneuerbaren Energien gehört. Im Rahmen eines Cube-Color-Projects soll Wagner einen Beitrag zur Gestaltung der Fassade des Firmengebäudes des in Kassel ansässigen Unternehmens beisteuern.

Dass die Wahl auf Constanze Wagner fiel, ist kein Zufall. Die 1943 in Südafrika geborene Malerin, die seit fast vierzig Jahren in Germering lebt, hat sich in ihren künstlerischen Arbeiten schon häufig mit Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit beschäftigt. Mit dem Projekt "Der Rote Faden - The thin red line" initiierte sie 1997 zusammen mit dem Kunstkreis Germering ein bis dahin in der Bundesrepublik einzigartiges Kunstwerk, das andernorts zahlreiche Nachahmer fand und als Inspirationsquelle für ähnliche Initiativen diente. Für die Gestaltung der Cube-Fassade in Kassel greift Wagner die Idee mit dem Roten Faden nun wieder auf. Ihre beiden Entwürfe, die sich nur durch die Farbgebung unterscheiden, zeigen den afrikanischen Kontinent, der von einem roten Faden durchzogen und von stabilisierenden Klebestreifen gehalten wird. Die Streifen symbolisieren eine Wirbelsäule, der rote Faden das Rückenmark, "ohne die ein Leben nicht möglich wäre", wie Constanze Wagner sagt.

Links neben dem roten Faden sind Piktogramme zu sehen, die Teil einer eigens entwickelten Schrift sind, um Botschaften von indigenen Völkern zu vermitteln. Der Satz, der von oben nach unten zu lesen ist, stammt von den Rapanui von den Osterinseln und heißt übersetzt: "Menschen sind nichts ohne Licht/Energie der Sonne, Wind, Wasser, alle Dinge der Natur". Es gebe noch eine ganze Reihe solcher Aussagen zu diesem Thema, die sehr beeindruckend seien, sagt Wagner. Ausführen will sie ihre Arbeit auf einer zwei mal einen Meter großen Metallplatte, auf die der Acryllack aufgetragen wird. Die drei Tage, die sie dafür lediglich Zeit hat, erscheinen Constanze Wagner allerdings "arg knapp". "Ich hoffe, dass ich das hinkriege", sagte sie der SZ.

Neben dem Auftrag aus Kassel arbeitet Constanze Wagner derzeit mit ihrer Gruppe, die im vergangenen Jahr mit der Ausstellung "Einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen" zum Thema Menschenrechte und Unterdrückung in der Germeringer Stadthalle viel Beachtung fand, an verschiedenen Buchprojekten, die noch in diesem Jahr vorgestellt werden sollen. Im nächsten Jahr ist dann eine Einzelausstellung mit Arbeiten von Constanze Wagner geplant. Wagner hat Kunst und Germanistik studiert, hat 1984 den Kunstkreis Germering gegründet und wurde 1988 mit dem Kulturpreis der Stadt Germering ausgezeichnet. Sie hat an großen Ausstellungen unter anderem in München, Hannover, Moskau, Wien, Kopenhagen und in der südafrikanischen Botschaft in Bonn teilgenommen und zahlreiche Kunstobjekte für den öffentlichen Raum geschaffen. International bekannt wurde Constanze Wagner auch durch ihre Buddy-Bär-Skulpturen, die 2002 sechs Monate lang auf dem Pariser Platz in Berlin in unmittelbarer Nähe zum Brandenburger Tor für "Toleranz und Völkerverständigung" warben. Einer der aus Glasfaser und Polyester gefertigten, mehr als mannshohen Kunstbären ist bis heute durch die ganze Welt unterwegs. "Zurzeit", weiß Constanze Wagner, "hält er sich in Kasachstan auf."

© SZ vom 16.06.2012

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