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Der Baum wird zum Wahlkampfthema:Vom Grün hinter den Ohren

Kommunalpolitiker sehen zuweilen den Wald vor lauter Bäumen nicht.

(Foto: Voxbrunner Carmen)

Bäume sind zum Politikum geworden. Die einen fordern eine Schutzverordnung, die anderen geben Geld für Neupflanzungen. Und gestritten wird darüber natürlich auch

Wohnungen, die sich Menschen leisten könnten, die gibt es im Landkreis zu wenig. Autos, die die Straßen verstopfen, sind es hingegen zu viele, was danach ruft, Bus und Bahn attraktiver zu machen. Das sind beispielhaft zwei Themen, die für Wahlkampfstrategen auf den Händen liegen müssten, um damit punkten zu wollen. Aber derzeit schickt sich etwas ganz anderes an, der Stimmungsrenner für die Kommunalwahlen zu werden. Und wer bei diesem Punkt den Blick auf den ganzen Landkreis wirft, der kann sich bestätigt fühlen, damit auf Stimmenfang zu gehen. Denn während die anderen Landkreise in Bayern durchschnittlich mit 36 Prozent der Fläche bedeckt sind, reicht es in Fürstenfeldbruck gerade zu 26, wozu der Osten rund um Olching und Gröbenzell kaum, der Norden und Westen auch nur unterdurchschnittlich beiträgt und allein der Landstrich zwischen der Kreisstadt und Türkenfeld ordentlich abschneidet.

Bäume sind es, die plötzlich in vielen Orten das Objekt der kommunalpolitischen Begierde sind. In trockener werdenden Zeiten von Klimawandel und Erderwärmung ist parteiübergreifend die Einsicht offenbar schlagartig gewachsen: "Bäume binden CO₂, produzieren Sauerstoff, spenden Schatten und kühlen ihre Umgebung an heißen Tagen", hat sich etwa Olchings CSU an den Biologieunterricht erinnert und daraus einen Antrag formuliert, der im Kleinen anfängt: Fortan solle jeder Baum, der von der Stadt gefällt werde, mit einem neuen Laubbaum ersetzt werden, der standortgerecht und heimisch sein müsse. Auch für Maisachs Freie Wähler soll der Ort ergrünen: Sie wollen die Bürger "motivieren, in Eigeninitiative zu pflanzen". Als Motivationsspritze, wie kann es anders sein, soll Geld dienen, die Hälfte der Anschaffungskosten eines Bäumchens übernehme die Stadt.

Dass Pflanzen allein nicht helfen wird, sondern das Grün bei dem fast überall lukrativen Baugrund auch geschützt werden muss, nehmen Brucks Grüne ins Visier, wenn sie wieder einmal einen Antrag für eine Baumschutzverordnung beim Bürgermeister abgegeben haben. Dessen Amtskollege und CSU-Parteifreund aus Maisach hat einen solchen gleich selbst in seinen Gemeinderat ein- und per Mehrheitsbeschluss auf den Weg gebracht. Und weil sich gegen so viel Baumschutz erwartungsgemäß schnell Widerstand in Bevölkerung breitmacht, sind wiederum die Freien Wähler des Ortes gleich auf diesen Stimmungszug aufgesprungen und wollen "die Bürger selbst entscheiden lassen" und in jedem Ortsteil einen Bürgerentscheid dazu durchziehen. Da wünscht man sich doch zuweilen, dass Politiker und Bürger durchaus grüner hinter den Ohren werden und endlich den Wald vor lauter Bäume sehen würden.