Adventskalender für gute Werke:Ein kleines bisschen Normalität

Lesezeit: 2 min

Mit ihrem Projekt "Ferienprogramm" ermöglicht die Jugendsozialstiftung der Familie Dr. Rieder bedürftigen Kindern und Jugendlichen eine Art Urlaubserfahrung. Dahinter steht das Ziel der Teilhabe

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Adventskalender für gute Werke: Manege frei: Bei der Zirkuswoche des Ferienprogramms Olching lernen die Kinder Kunststücke, die Geschicklichkeit und Konzentration erfordern. Und wenn sie nach den Ferien wieder in ihre Schulklassen zurückkehren, können sie dort von ihren Erlebnissen erzählen.

Manege frei: Bei der Zirkuswoche des Ferienprogramms Olching lernen die Kinder Kunststücke, die Geschicklichkeit und Konzentration erfordern. Und wenn sie nach den Ferien wieder in ihre Schulklassen zurückkehren, können sie dort von ihren Erlebnissen erzählen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Ein Besuch im Vogelpark für drei Euro, die Teilnahme am Kreativdienstag für fünf Euro oder der Schnupperzauberkurs für 16 Euro: Es sind wirklich bescheidene Summen, mit denen die Sommerferien für ein Kind zum abwechslungsreichen Erlebnis werden. Zu einem Erlebnis, von dem sie zu Beginn des neuen Schuljahres ihren Mitschülerinnen und Mitschülern erzählen können. Wer in einem solchen Moment nichts zu sagen hat, wird schnell zum Außenseiter. Und das ist die weniger greifbare, aber mutmaßlich umso drastischere Folge von Armut: Sie verhindert Teilhabe am für den Rest der Gesellschaft ganz normalen Leben. Um Kindern und Jugendlichen ein bisschen Teilhabe zu ermöglichen, fördert die Jugendsozialstiftung der Familie Dr. Rieder in Gröbenzell die Teilnahme am gemeindlichen Ferienprogramm. Und weil in Deutschland laut Bertelsmann-Stiftung 21,3 Prozent beziehungsweise 2,8 Millionen Kinder in Armut leben, will der Adventskalender der Süddeutschen Zeitung zum ersten Advent "Kindern aus armen Familien wieder Chancen geben".

2018 testete die vom ehemaligen Gröbenzeller Bürgermeister Bernd Rieder gegründete Stiftung die Förderung gemeindlicher Ferienprogramme als Pilotprojekt. "Tatsächlich haben wir uns das selber ausgedacht. Wir hatten davor immer wieder mal Anfragen wegen Fußball oder anderen Angeboten aus dem Ferienprogramm", erzählt Philippe Raths. Der Konrektor des Graf-Rasso-Gymnasiums ist Rieders Stellvertreter in der Stiftung. Er hat das Konzept ausgearbeitet, einen Flyer entworfen und an Jugendzentren, Bürgermeister sowie Institutionen wie den Kreisjugendring geschickt.

Den Weg zur Förderung hat Raths möglichst einfach und unbürokratisch gestaltet. Die Kinder oder Jugendlichen müssen lediglich bei der Anmeldung zum Ferienprogramm auf das Projekt "Förderprogramm Ferienprogramm" der Jugendsozialstiftung hinweisen und einen Nachweis der Bedürftigkeit (etwa einen Hartz-IV-Bescheid oder die letzte Gehaltsabrechnung) vorlegen, dann müssen sie nicht einmal die Gesamtkosten vorstrecken. Obwohl diese in den meisten Fällen ohnehin gering ausfallen, da es meist Vereine sowie die Jugendzentren sind, die verschiedene Angebote in den Ferien machen. "Es sind teilweise Nachmittage für zwei, drei Euro", berichtet Raths.

Über die ganzen Sommerferien summieren sich jedoch auch solche Beträge, wenn Kinder ein, zwei Mal die Woche an einem Ausflug oder einem anderen Angebot teilnehmen - insbesondere, wenn es auch noch Geschwister gibt und die Eltern die Kosten für alle übernehmen müssen. Im Vorjahr zum Beispiel hat ein achtjähriges Mädchen an fünf einzelnen Tagen am Ferienprogramm teilgenommen. Die insgesamt 26 Euro hat die Jugendsozialstiftung komplett übernommen. Und für den Besuch der Zirkuswoche, die eigentlich 100 Euro kostet, mussten die Eltern nur 20 Euro zahlen, die Stiftung übernahm den Rest. Denn Ferienangebote bis 40 Euro zahlt die Jugendsozialstiftung der Familie Dr. Rieder in voller Höhe, bei teureren Angeboten wie zum Beispiel einer Ferienfreizeit - auch mehrtägige Fahrten an einen anderen Ort werden gefördert - müssen die Teilnehmer ein Fünftel selbst zahlen. Abgerechnet wird zwischen Kommune und Stiftung nach der Teilnahme.

Das Feedback auf das noch recht neue Angebot ist laut Raths durchweg positiv, auch wenn das Projekt in Zeiten der Pandemie einen deutlichen Einbruch erlebt hat, einfach weil es in diesen Zeiten weniger Angebote gibt. "Es hat schon mehrfach positive Rückmeldungen gegeben." Aus den Sozialreferaten der Rathäuser höre er immer wieder, dass das Förderprogramm Ferienprogramm einigen Kindern der jeweiligen Kommune Erlebnisse in den (Sommer-)Ferien ermöglichte, die sie sonst nicht gehabt hätten. Seit 2018 hat das Projekt insgesamt 243 Kindern die Ferien verschönert. Gekostet hat das nicht einmal 6100 Euro. Und für die Kinder ist das Erfahrene von unschätzbarem Wert. Es ermöglicht Teilhabe, etwa wenn sie zu Schulbeginn nach den großen Ferien etwas zu erzählen haben, "Das gehört für uns zur Würde eines Kindes, dass es die Gelegenheit hat, Ferien zu erleben", betonte Rieder bei der Vorstellung des neuen Angebots.

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