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Vortrag beim Bürgerverein :Die Wissenschaftler sind noch unsicher

Bundesweit laufen Untersuchungen zur Gesundheitsgefährdung von Ultrafeinstaub, am Münchner Flughafen nicht.

Der Ultrafeinstaub ist gefährlich, so viel scheint klar. Aber die genauen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen seien wissenschaftlich noch nicht umfassend untersucht, sagte Professorin Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum in München, bei einer Veranstaltung des Bürgervereins (BV) im voll besetzten Grünen Hof.

Beim Start setzen Flugzeuge die meisten Schadstoffe frei. Feinstaub wird beriets gemessen und es gibt Grenzwerte. Bei Ultrafeinstaub laufen erst Untersuchungen.

(Foto: lok)

Ob Ultrafeinstaub, Feinstaub oder Reifenabrieb, das Problem sei, "dass wir alles zusammen einatmen", hinzu komme noch der Lärm. Alles zusammen führe zu Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Lunge, Gehirn, verursache Diabetes und Krebs und wecke schlafende Herpesviren. Mit jedem Atemzug atme der Mensch schädliche Partikel ein, die meisten würden zwar wieder ausgeatmet, einige blieben jedoch in der Lunge und verteilten sich im gesamten Körper. Besonders betroffen seien Menschen mit Atemwegserkrankungen, aber nicht nur.

Bei Ultrafeinstaub gibt es keine Grenzwerte

Anders als beim Feinstaub, wo es "Gott sei Dank Grenzwerte gibt", fehlten der Wissenschaft derzeit noch genauere Untersuchungen zum Ultrafeinstaub, sagte Peters. Es gebe zwar einige Studien, etwa aus Kalifornien, aber es bestehe wissenschaftlich gesehen noch Unsicherheit. Das Helmholtz Zentrum mache bundesweit Untersuchungen, etwa in Leipzig, Frankfurt, in Augsburg oder Regensburg, nicht aber am Münchner Flughafen, räumte sie ein. Ultrafeinstaub sei ein Forschungsthema, aber bisher werde nur mit Tieren experimentiert. Menschenversuche seien bei uns nicht möglich. So fehle es an Daten, um sagen zu können, wie schädlich der Ultrafeinstaub tatsächlich sei. Bisher gebe es nur "forschungsbetriebene Studien", sagte sie, "wir brauchen noch mehr Klarheit". Flughäfen sollten aber umfassend bezüglich der dort entstehenden Luftschadstoffe und auch hinsichtlich der Lärmauswirkungen einbezogen werden, forderte die Professorin. Ihr Kollege Josef Cyrys berichtete von Messungen am Frankfurter Flughafen, doch dort werde seiner Meinung nach an den falschen Stellen gemessen und es werde auch nicht die chemische Zusammensetzung der Partikel untersucht.

Wolfgang Herrmann, der die Messungen des Feinstaubs am Münchner Flughafen betreut, berichtete je nach Windlage von bis zu 300 000 Partikeln pro Kubikzentimeter am Flughafen. Am Kindergarten Airporthopser seien bis zu 100 000 Partikel gemessen worden. Kindergärten zwischen zwei Startbahnen sollten nicht sein, meinte Peters später auf eine entsprechende Frage, zumindest würde sie hier umfangreiche Messungen für sinnvoll erachten. Ultrafeinstaub, sagte Herrmann, entstehe vor allem durch rollende Flugzeuge am Boden. Die würden im Schnitt 26 Minuten im Flughafenvorfeld herumfahren und Kerosin verbrennen. Nur ein Gramm verbranntes Kerosin aber erzeuge 100 Milliarden Ultrafeinstaubpartikel. Noch zehn Kilometer vom Flughafen entfernt, sei die Belastung zehnmal so hoch wie normal, berichtete Herrmann von seinen Messergebnissen. Die wissenschaftlichen Studien, forderte er, müssten deshalb unbedingt auf die Flughäfen ausgedehnt werden.

EU-Kommission nimmt das Thema ernst

BV-Vorsitzender Reinhard Kendlbacher bezeichnete es als bisweilen frustrierend, dass der Bürgerverein seit Jahren die Politik anstoßen müsse, "macht doch, macht doch". Auch wenn die Wissenschaft mehr Zeit fordere, sei das Problem mittlerweile weltweit erkannt. Die EU-Kommission habe die Ultrafeinstaubpartikel als den "Faktor mit den größten Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit" bezeichnet. "Wenn wir weiter messen", machte sich Kendlbacher Hoffnungen, "werden sich unsere Ergebnisse bestätigen". Um frustriert hinzuzufügen: "Aber an unserer Situation verändert sich nichts".

Zu Beginn hatte Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher die Ultrafeinstaubbelastung als eines der wichtigsten Themen bezeichnet und dem Bürgerverein für dessen Engagement gedankt. In den Ministerien habe er eine gewisse Sensibilisierung dafür erkannt. Mittlerweile seien auch 1,4 Millionen Euro für tiefergehende Untersuchungen im bayerischen Haushalt eingeplant, "aber passiert ist noch nichts". Niemand erwarte, dass der Flugverkehr eingestellt werde, sagte Eschenbacher, aber eine gewisse Reduzierung sei möglich und sinnvoll.