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SZ-Kulturpreis Tassilo:Das Multitalent

tanja maria froidl

Tanja Maria Froidl lässt sich auch vom Corona-bedingten Kultur-Lockdown nicht unterkriegen.

(Foto: privat (Hans Wiedemann))

Die Freisingerin Tanja Maria Froidl kann Klassik und Musical. Sie ist Kabarettistin, Moderatorin, Autorin, Regisseurin, Gesangslehrerin und dank Corona derzeit auch Bioladen-Verkäuferin. Jetzt ist sie für den Tassilo-Preis nominiert.

Von Johanna Pichler, Freising

"Wenn mich jemand fragt, was ich von Beruf bin, ist das Erste, was ich antworte, Sängerin. Das liegt mir am meisten am Herzen." Tatsächlich hat Tanja Maria Froidl neben ihrer Tätigkeit als klassische Sängerin in Oper und Konzert und als Musicalsängerin aber auch noch eigene kabarettistische Chanson-Programme, ist Moderatorin, Sprecherin, Autorin, Regisseurin und Gesangslehrerin. Die Künstlerin hat sich dazu entschieden, sich nicht zu entscheiden. "Vor Jahren hat mir ein Agent gesagt, ich müsste eine Entscheidung treffen. Das hat mich zunächst frustriert." Dann hat sich Tanja Maria Froidl dazu entschieden, ihren eigenen Weg zu gehen.

Nun ist sie für den Tassilo-Kulturpreis der SZ nominiert. "Ich bin aus allen Wolken gefallen und habe mich total gefreut, als ich von der Nominierung erfahren habe", erzählt Froidl. Die Künstlerin wurde in Freising geboren und ist in München aufgewachsen. 2003 zog es sie aufgrund einer Stelle beim Kulturvereine 3klang in ihre Geburtsstadt Freising zurück. "Ich fühl mich hier total heimatlich und sauwohl", betont Froidl. Auch wenn durch die Corona-Pandemie sämtliche Aufritte der Künstlerin wegfallen, kann sie ihre Tätigkeit als Gesangslehrerin an der Musikschule 3klang immerhin noch online ausüben. "Am Anfang war das grauenvoll, aber mittlerweile funktioniert das doch besser als gedacht", erzählt sie. Um die für Kulturschaffende schwierige Zeit zu überbrücken, jobbt Tanja Maria Froidl noch im Freisinger Bioladen "Lebenskunst".

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Froidl plant ein Musical für Dezember und Theaterstücke im Laufe des Jahres.

(Foto: privat (Hans Wiedemann))

In nur drei Monaten Klavier gelernt

Mit der Musik hat Froidl schon früh begonnen, obwohl ihre Familie nicht sonderlich musikalisch war. "Ich habe mit meinem Gesang regelmäßig meine Geschwister genervt", sagt die Sängerin. Als sich ihre Schulzeit dem Ende zu neigte, war ihr klar, dass sie etwas mit Musik und Menschen machen wollte und dachte zunächst an ein Studium der Sozialpädagogik. "Dann hat mich mein Onkel gefragt, warum ich nicht einfach Gesang studiere. Ich habe mich dann kurzfristig angemeldet und musste unter anderem innerhalb von drei Monate lernen, Klavier zu spielen. Tatsächlich wurde ich aufgenommen. Das war wie ein Wunder", erzählt Tanja Maria Froidl.

Ihre Familie habe ihr nie Steine in den Weg gelegt, sie musste jedoch immer in ihrer Freizeit jobben, um sich als Jugendliche den Gitarrenunterricht und später das Studium zu finanzieren. "Vor meinem Studium habe ich von einem Unbekannten Gesangsunterricht gesponsert bekommen. Ich weiß bis heute nicht, wer das war", sagt Froidl. "Die Reaktionen auf meinen Berufswunsch waren durchweg gut. In meiner Abiturzeitung stand: Tanja das Grimassenwunder. Für viele Leute war klar, dass ich etwas mit Musik machen werde".

"Komisch, in einen Computer zu singen"

Seit ihrer Zeit in Freising hat Tanja Maria Froidl immer wieder an der Musikschule Musik- und Literaturabende gegeben und mit Jugendlichen und Erwachsenen besondere Abende auf die Beine gestellt. "Vor zwei Jahren hatten mein Musikschulchef Gottfried Herrmann und ich überlegt, ob ich im Sommer eine kleine Mozartoper inszeniere, aber dann dachte ich mir, dass ich eine neue und modernere Geschichte schreiben möchte, um die klassische Musik auch einem jüngeren Publikum schmackhaft zu machen", erzählt die Sängerin. Wegen Corona fallen solche Projekte weg, und sie ist froh, dass sie hin und wieder in den Freisinger Kirchen live singen darf. Dank 3klang gab es sogar schon Online-Konzerte mit Spenden. "Es war komisch, in einen Computer zu singen, ich mag es, das Publikum zu sehen. Trotzdem bin ich froh", sagt Froidl. Im Januar ergatterte sie sogar eine kleine Rolle bei der Serie "K11 - Kommissare im Einsatz" und spielte in einer Folge ein Opfer, das sich wehren musste. "Ansonsten ist es aber schwierig. Letztes Jahr war ich richtig deprimiert - man braucht viel positive Energie, um diese Zeit durchzustehen", findet Froidl. An Motivation fehlt es ihr dennoch nicht.

Im Dezember ist ein Musical geplant, und es gibt Hoffnung auf schöne Theaterstücke im Laufe des Jahres. Lust, häufiger vor der Kamera zu stehen, hätte Tanja Maria Froidl auch. Am wichtigsten ist für die Künstlerin, dass "die Zuschauer anders rausgehen, als sie reingekommen sind. Der Mensch soll mit vielen verschiedenen Gefühlen in Kontakt kommen. Das sind nicht nur positive Emotionen, sondern auch Wut, Traurigkeit oder Empörung", betont Froidl. Und sie fügt an: "Ich habe den Tassilo-Kulturpreis verdient, weil ich aus vollem Herzen zur Kultur im Landkreis Freising beitrage, Konzerte gebe und Veranstaltungen mache für und mit sämtlichen Altersklassen, sehr vielfältig bin un

Wenn Sie eine Kandidatin oder einen Kandidaten für den SZ-Kulturpreis vorschlagen wollen, schreiben Sie bitte bis 30. April eine E-Mail an lkr-freising@sz.de oder tassilo@sz.de.

© SZ vom 27.04.2021/psc
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