Freisinger Musiksommer Tierisch gute Unterhaltung

Im Tonnengewölbe des Schafhofs hat das "3klang"-Sinfonieorchester erstmals die Katzen aus dem Stück "Fiedes Herberge" musikalisch zum Leben erweckt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Gottfried Herrmann und das Sinfonieorchester "Trisono" haben mit dem Stück "Fiedes Herberge" einen klaren Aufruf zu mehr gesellschaftlicher Toleranz auf die Bühne gebracht.

Von Katharina Horban, Freising

"Es war einmal der alte Kater Fiede, der eine Herberge für Katzen aus aller Welt im Hamburger Hafen hatte. Seine Gäste kamen von weit her mit großen Schiffen und blieben meistens für zwei oder drei Nächte." So beginnt die Geschichte vom Herbergsvater und seinen Gästen, die von Bräuchen aus ihren Heimatländern erzählen. Beim Freisinger Musiksommer im Schafhof haben Gottfried Herrmann und Vladislav Cojocaru am Samstag die Katzen zum Leben erweckt. Mit viel Wortwitz und musikalischer Hingabe ist ihnen mit dem 3klang-Sinfonieorchester "Trisono" unter der Leitung von Wolfgang Fink und mit Sprecherin Tanja Maria Froidl die Uraufführung von "Fiedes Herberge" gelungen.

Gummi-Mäuse fliegen durch die Luft und die Kinder fangen sie begeistert auf. Froidl beginnt zu erzählen: Die Katzen bereiten ein köstliches Menü zu, neben Fischabfällen stehen auch Mäuse auf der Speisekarte. Hausherr Fiede fordert seine Gäste auf, sich und ihr Land vorzustellen. Mit imposantem Stimmumfang beginnt der russische Kater Iwan zu reden, er schwärmt von den schönsten Ostereiern der Welt in seiner Heimat. Authentisch ahmt Froidl den Akzent nach und geht in ihrer Rolle auf. Schnell kreiert sie mit ihrer Stimme Bilder im Kopf der Zuhörer, die Musik tut ihr Übriges. Das Fagott mit seinem ruhigen und behäbigen Klang verkörpert den Kater ideal, mit dem Einsetzen des restlichen Orchesters steigert sich die Intensität des "Siberian Cradle Song" immer mehr.

Von Brasilien zum Maibaumkraxeln nach Bayern

Auch Kater Pedro aus Brasilien verschafft sich mit einem landestypischen Stück Gehör. Mit "É Carnaval" gelingt der Sprung auf den südamerikanischen Kontinent. Schlagzeug und Ganzas, brasilianische Rasseln aus der Samba-Musik, sowie ein peppiges Saxofon-Solo beweisen, dass dieser Kater den Rhythmus wahrlich im Blut hat. Beim Sepp aus Bayern sind die Lacher im Publikum groß, sehr intensiv hört sich die eigene Mundart im Vergleich an. Der Kater in Lederhosen erklärt stolz, was es mit dem Maibaumkraxeln auf sich hat. Kätzchen Viorica aus Moldawien hat jedoch ihre Schwierigkeiten mit der bayerischen Aussprache. So muss Sepp ins Hochdeutsche ausweichen, aus den "Buam" werden männliche Jugendliche.

Nach der vertrauten Mischung aus Blechbläsern und folkloristischer Harfenmusik steht nun Andrei Ciobanu auf. Er ist Erster Geiger im Philharmonischen Orchester Regensburg und kommt selbst auch aus Moldawien. Seine Finger flitzen nur so über das Griffbrett der Geige, in einem beeindruckenden Tempo spielt er die Läufe. Später verrät der Musiker lächelnd, dass man mit dieser Musik aufgewachsen sein müsse, um sie so überzeugend wiedergeben zu können.

Von den Katzen können die Menschen viel lernen

Noch drei weitere Katzen aus Irland, der Türkei und Friesland stellen sich vor. Untermalt von den Seemannsklängen eines Akkordeons denkt Fiede am Ende des Abends über die bunte Runde nach: "So viele Katzen aus so vielen Ländern haben sich verstanden, haben einander zugehört und waren froh, dass sie sich kennengelernt haben. Da können die Menschen noch eine Menge von uns lernen." Gottfried Herrmann, der die Geschichte verfasst hat, bedauert, wie zur Zeit manche Politiker mit dem Thema Flüchtlinge umgehen. So ist dieses Stück auch ein Aufruf zu mehr gesellschaftlicher Toleranz und ein Bekenntnis zum reichen kulturellen Erbe unserer Welt. Auf die Frage, weshalb Katzen die Hauptcharaktere des Stücks geworden sind, antwortet er grinsend: "Katzen sind im Gegensatz zu Ratten Sympathieträger."