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Täglich im Sattel:Rekordjagd quer durch die Staaten

Die Freisingerin Monika Dietl sitzt 15 bis 25 Stunden pro Woche auf dem Fahrrad. Trotz erfolgreich bestandener Wettkämpfe soll es ein Hobby bleiben, das ihr hilft, komplett abzuschalten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Monika Dietl nimmt am Race Across America teil. Es gilt als eines der härtesten Radrennen der Welt - und ihr bayerisches Frauenteam Quattra Bavariae will das in weniger als sechs Tagen und zehn Stunden schaffen.

Interview von Gudrun Regelein, Freising

4 800 Kilometer, etwa 52 000 Höhenmeter, die Rocky Mountains und Appalachen werden überquert, Wüsten und windige Ebenen bei Temperaturunterschieden von 40 Grad Celsius durchfahren: Das Race Across America (RAAM), das ohne Pause von der West- zur Ostküste einmal quer durch Amerika führt, gilt als eines der härtesten Radrennen der Welt. Die Freisingerin Monika Dietl nimmt in diesem Jahr in einem bayerischen Frauenteam, dem Quattra Bavariae, daran teil. In zweieinhalb Wochen fliegt sie in die USA. "Allmählich steigt die Vorfreude und Aufregung zugleich", sagt sie im Gespräch mit der SZ Freising.

SZ: Frau Dietl, quälen Sie sich eigentlich gerne?

Monika Dietl (lacht): Ja, doch. Wenn man etwas geschafft hat, weiß man, weshalb man sich gequält hat.

Aber im Ernst: weshalb die Teilnahme an einem der härtesten Rennen der Welt?

Ehrlich gesagt stand das nie auf meiner Agenda - das waren eher immer Einzelrennen. 2015 aber kam dann ein Anruf von Nicole Bretting, der Triebfeder des Projekts, eine Triathletin, die ich schon von früher kannte. Sie fragte mich, ob ich Interesse an einer Teilnahme hätte. Meine erste spontane Antwort war ein "Nein". Aber dann habe ich darüber nachgedacht und fand es gut, einmal etwas ganz anderes zu machen.

Sie wollen aber nicht nur teilnehmen - sondern auch einen neuen Rekord aufstellen?

Unser eigentliches Ziel ist es, die fast 5000 Kilometer zu schaffen. Aber wir wollen auch noch den Rekord eines früheren Frauenteams knacken, der bei sechs Tagen und zehn Stunden liegt. Wir wollen schneller sein. Das bedeutet, einen Schnitt von über 31 Kilometer pro Stunde zu fahren, was schon ziemlich heftig ist. Ob wir das schaffen, ist von vielen Faktoren abhängig: den örtlichen Gegebenheiten - und in erster Linie vom Wetter. Bei dauerhaftem Gegenwind, Regen oder Sturm ist dieses Tempo definitiv nicht machbar. Das wünscht man sich natürlich nicht - aber auch wenn wir den Rekord nicht schaffen, wollen wir trotzdem noch Spaß haben und das Rennen rocken.

Das passiert alles im Team: Wie genau läuft das im Rennen?

Insgesamt sind wir 15 Leute: Elf Crewmitglieder und die vier Fahrerinnen. Es werden zwei Zweierteams gebildet, jeweils ein Team fährt. Eine "Schicht" dauert etwa fünf bis sechs Stunden, dabei gibt es nach jeweils 20 Minuten einen fliegenden Wechsel, das heißt, dass die Fahrerin dann wieder im mitfahrenden Van 20 Minuten Pause macht. Das andere Team ruht sich während dieser Zeit im Wohnmobil aus, isst, schläft oder wird vom Physiotherapeuten behandelt. Das hört sich jetzt vielleicht alles schon ein bisschen strange an (lacht), aber jeder verbringt seinen Urlaub halt anders.

Apropos Urlaub: wie finanzieren Sie die Reise?

Na ja, die Organisation ist unglaublich groß; insgesamt wird uns das Ganze etwa 45 000 bis 50 000 Euro kosten. Wir haben Sponsoren, die uns unterstützen, haben durch Crowd Funding zusätzliches Geld bekommen - aber jede Fahrerin ist mit noch mindestens 5000 Euro dabei.

Sie verbringen so ziemlich jede freie Minute auf dem Rad, investieren viel Geld in eine eigene Trainerin, in die Rennen, Reisen und die Ausrüstung. Was gibt Ihnen das Radfahren?

Ich denke, dass jeder einen Ausgleich zum Beruf braucht. Beim Radfahren kann ich mental vollkommen abschalten, das läuft super. Und die Rennen? Wenn man besser wird, will man sich messen, an Rennen teilnehmen. Andere geben sehr viel Geld für ihren Urlaub aus - mein Mann und ich tun das beim Radfahren.

Wie schaut Ihr Training aus?

Das bespreche ich mit meiner Trainerin. Die Trainingswochen sind unterschiedlich, grundsätzlich sitze ich jede Woche zehn bis 15 Stunden auf dem Rad, aber es gibt auch intensive Wochen mit 25 Stunden. Im Jahr kommen 12 000 bis 15 000 gefahrene Kilometer zusammen - inklusive der Rennen. Dazu kommen dann noch Krafttraining und Pilates.

Sie haben verschiedene Rennen gewonnen, ihr größter Erfolg war bislang der Sieg beim Ötztaler Radmarathon 2013. Haben Sie sich eigentlich irgendwann überlegt, Profifahrerin zu werden?

Nein, diesen Gedanken hatte ich nie. Ich habe - damals als Anfang 20-Jährige - auch viel zu spät mit dem Radfahren angefangen. Abgesehen davon ist das Leben als Profi echt hart, wenn man darauf angewiesen ist, seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen - gerade auch als Frau. Ich bin froh mit meinem geregelten Leben mit Job und Ehemann. Für mich ist das Radfahren ein Hobby, ein sehr intensives - und vielleicht ja auch ein bisschen mehr.

Sie haben sich sehr lange und intensiv auf das Rennen vorbereitet - was glauben Sie, passiert danach? Fällt man dann in ein Loch?

Nee, ich freue mich, wenn wir im Ziel ankommen und wenn wir den Rekord knacken. Ich glaube, dass man dann erst einmal lange eine Euphorie spürt. Abgesehen davon habe ich auch für die zweite Saisonhälfte noch ein paar kleinere Ziele, ich möchte beispielsweise bei dem 24-Stunden-Rennen in Kelheim teilnehmen. Abgesehen davon: Drei ruhigere Wochen nach unserer Rückkehr sind auch mal in Ordnung, oder?

© SZ vom 29.05.2017/zim
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