Ausgehen in Freising Wohltuend unaufgeregt, ein Bar-Klassiker

Gelassen und gemütlich: In der Freisinger Q-Bar gibt kein unnötiges Chichi, dafür Bier, Wein, Cocktails und Kunst.

(Foto: Marco Einfeldt)

Folge 1 der SZ-Kolumne "Bar-Hocker": Die Q-Bar verzichtet auf teures Design und übermäßige Deko, die freundliche Atmosphäre schätzen Jung und Alt.

Kolumne von Clara Lipkowski, Freising

Viele Bars wollen ja vor allem auffallen. Mit einem stylishen Raumkonzept, ausgefallenen Drinks. Die Q-Bar ist anders. Auffallen? Warum? Sie versteckt sich zwischen einem Outdoorladen und einem An- und Verkauf-Shop und im Innern hat sich wahrscheinlich kein Innenarchitekt einen Lebenstraum erfüllt. Aber das muss ja auch gar nicht sein. Diese Bar ist Understatement, der Gegenentwurf zum Marienplatz-Chichi. Wirtshaus-Atmosphäre soll es aber auch nicht sein, davon hat Freising schon genug.

In der lang gezogenen Bar sind die Holzstühle und Hochtische dunkel, die Wände beige. Viele Gäste stehen - mit Bier in der Hand, einem Cocktail oder gerade dabei, einen Schnaps zu nehmen. An den Wänden wechseln großformatige Bilder ortsansässiger Künstler, das Motto der Bar heißt auch: Bier, Wein, Kunst. Ansonsten verzichtet man hier auf übermäßige Deko. Es ist etwas anderes, das die Q-Bar ausmacht, es ist das Unaufgeregte. Es sagt: Komm herein, entspann dich.

Der Barkeeper jongliert mit den Zutaten für einen Mojito, dann klatscht er mit ein paar Minzblättern dazwischen in die Hände

Man trinkt Helles (Auer vom Fass 3,10 Euro, Tegernseer 2,90), Wein oder Cocktails. Der Moscow Mule (7,50) besticht allerdings vor allem durch seinen hohen Ingweranteil. Wer es mag, dass durch die großzügig verabreichte Schärfe, die sich im Mund ausbreitet, das Gespräch abrupt unterbunden wird, kommt voll auf seine Kosten. Dabei kann man sich hier gut unterhalten. Die Musik, mal Funk, mal Beatles, ist gerade so laut, dass man sich nicht anschreien muss. Der Barkeeper jongliert mit den Zutaten für einen Mojito (7,50), er legt sich ein paar Minzblätter in die Hand, klatscht mit der anderen beherzt darauf und mischt sie in den Drink. Fragender Blick. "Sonst ist's bitter." Er grinst, zuckt mit den Schultern. Er muss jetzt ein bisschen von sich erzählen, schließlich hat er einen englischen Akzent. Er kommt aus Kanada, sagt er, studiert in Freising Brau- und Getränketechnologie. Folgerichtig jobbt er in einer Bar. Auch das ist Freising: eine kleine Weltstadt.

Die Bar, die der heutige Oberbürgermeister einst mit dem jetzigen Inhaber Johannes Wunner betrieb, zieht Studenten ebenso an wie ältere Herrschaften. Manchmal gibt es Konzerte auf der schmalen Empore über der Bar. Und während man dasteht mit dem Drink vor sich und die Kehle langsam taub wird vom nun scharfen Munich Mule (7,50), streift der Blick über die Theke. Anderswo werden die Spirituosen-Flaschen in Szene gesetzt, vom Boden her beleuchtet. Hier stehen sie einfach in einer Reihe. Man legt eben nicht viel Wert auf Prunk und Angeberei. Aber als Gast weiß man: Geht man in die Q-Bar wird's nett und unkompliziert.

Q-Bar: Obere Hauptstraße 5. Telefonnummer 0 81 61/98 47 23, Montag bis Samstag, 9 bis 1 Uhr, Sonntag, 10 bis 0 Uhr.