Starkbierfest:Mit Engelszungen

Lesezeit: 1 min

Starkbierfest: Engerl Andrea Kirchbauer ist mit den Neufahrnern nicht ganz zufrieden: Beim Starkbierfest las sie den Kommunalpolitikern die Leviten und musste feststellen, dass frühere Ermahnungen kaum gefruchtet haben.

Engerl Andrea Kirchbauer ist mit den Neufahrnern nicht ganz zufrieden: Beim Starkbierfest las sie den Kommunalpolitikern die Leviten und musste feststellen, dass frühere Ermahnungen kaum gefruchtet haben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Andrea Kirchbauer hält Neufahrner Politikern den Spiegel vor

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Ein paar wesentliche Voraussetzungen für ein Starkbierfest kann Neufahrn locker erfüllen: Es gibt eine eigene Brauerei, genug Einwohner mit Dirndl und Lederhosen, einen unterhaltsamen Moderator in Gestalt des Volksschauspielers Erich Seyfried und einen Gemeinderat, der regelmäßig Stoff oder zumindest kleine Anekdoten für das Derblecken liefert. Noch keinem größeren Kreis bekannt war zum Beispiel, dass Zweiter Bürgermeister Hans Mayer für eine Kugel Schokoladeneis den Bus in der Partnergemeinde Gardolo abfahren ließ und dann behauptet hat, "er wollte jetzt nur mal die Bahnverbindung in Italien testen".

So etwas wird schnell zur Steilvorlage für die unbekannten, aber definitiv mit Ortskenntnissen ausgestatteten Ghostwriter des Engels, der als externer Gast in das Oskar-Maria-Graf-Gymnasium eingeflogen ist: Andrea Kirchbauer aus Eichenried - im weißen Gewand und mit Heiligenschein - hat den Kommunalpolitikern beim "Boarisch gsagt und gsunga" erneut einen Spiegel vorgehalten und gut 270 Zuhörer über die Eigenarten und Versäumnisse ihrer gewählten Vertreter informiert.

Deutlich wurde dabei aber auch, dass die Ermahnungen der vergangenen Jahre kaum gefruchtet haben: Einige Punkte haben sich mittlerweile zu Dauerbrennern entwickelt. Der Gestank in der Bahnunterführung hat dem Engel auch diesmal den Anflug vermiest ("ist denn da noch nix passiert"), Burghard Rübenthal neigt noch immer zu ausufernden Stellungnahmen ("Wenn der mit seinen Ausführungen anfängt, hören die anderen mit dem Mitdenken auf) und Dritter Bürgermeister Thomas Seidenberger untermalt seine "anstrengenden Ausführungen" nach wie vor mit Klopfen. Zu den neuen Hausaufgaben, die der Engel dem Gemeinderat aufgegeben hat, gehört die Einstellung eines mathematisch begabten Mitarbeiters. Dann könnte die Gemeinde selbst die Falschparker am Kurt-Kittel-Ring zählen (und die Einnahmen kassieren) und den Bedarf an Kindergartenplätzen korrekt berechnen.

Zu den mahnenden Worten des Engels gab es Musikkabarett mit Barbara Preis aus Niederbayern, Musik von den Holledauer Hopfareissern, Volkstanz des Mintrachinger Burschenvereins und Brotzeiten. In der OMG-Aula wurde - dem Anlass entsprechend - auch ein weiß-blaues Rautenmuster an die Decke gezaubert. Noch stilgerechter wäre es freilich, die ganze Veranstaltung ins Bierzelt zu verlegen, überlegte ein Besucher in der Pause. Zeitlich wäre das zumindest fast kein Problem: Das Volksfest findet ohnehin schon nächsten Monat statt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB