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Wohn- und Gewerberäume in Moosburg:Geteiltes Echo auf Bauvorhaben

Dass das alte Stadtcafé in seinem derzeitigen Zustand der in Moosburg viel zitierte "Schandfleck" ist, bezweifelt im Stadtrat niemand. Strittig ist dagegen, wie hoch das Haus nach einer Sanierung sein soll.

(Foto: Marco Einfeldt)

Einem Teil der Stadträte und auch einigen Fachleuten sind die Pläne für den Stadtcafé-Komplex viel zu massiv, die Mehrheit hält die vorgesehene Aufstockung aber für verträglich

Wann immer in Moosburg die Rede vom ehemaligen Stadtcafé ist, dauert es nicht lange, bis das Wort "Schandfleck" fällt. In der Stadtratssitzung am Montag war es Vizebürgermeister Josef Dollinger (FW), dem dieser Begriff als Erstem über die Lippen ging. "Ich denk, es ist keiner hier, der diesen Schandfleck nicht gerne beseitigen möchte", sagte er. Die Pläne des Eigentümers, der ein gut 1800 Quadratmeter großes Areal zwischen Stadtplatz, Georg-Hummel-Straße und Rentamtstraße, auf dem auch das Stadtcafé steht, neu bebauen und dort Gewerbe- und Wohnflächen schaffen will, waren Dollinger jedoch viel zu massiv. Sein Antrag, den vorliegenden Vorbescheid abzulehnen und den Bauwerber eine neue, mit den Fachbehörden abgestimmte Planung erstellen zu lassen, fiel jedoch mit 8:13 Stimmen durch.

Das Stadtcafé, in unmittelbarer Nähe von Rathaus und Feyerabendhaus zentral am Stadtplatz gelegen und seit Jahren in einem unansehnlichem Zustand, darf laut Stadtratsbeschluss vom Montag nun durch einen Kniestock um maximal 1,50 Meter erhöht werden. Ein komplettes zusätzliches Vollgeschoss und die Erhöhung der Dachneigung zu einem Spitzgiebel lehnte das Gremium jedoch ab. In dem Haus soll laut Projektbeschreibung ein Ärztehaus über drei Geschosse oder ein Laden beziehungsweise Café im Erdgeschoss und acht Wohnungen in den Obergeschossen untergebracht werden. An Georg-Hummel- und Rentamtstraße soll der Bestand abgerissen und durch fünf Gebäude ersetzt werden. Darin sind etwa 42 Wohneinheiten oder Betreutes Wohnen vorgesehen. Die beiden Häuser an der Georg-Hummel-Straße sollen laut Beschluss je drei Geschosse sowie ein Satteldachgeschoss mit Loggias bekommen. Die drei Häuser an der Rentamtstraße sind mit drei Geschossen sowie zwei Terrassengeschossen geplant. Zudem ist eine Tiefgarage mit 40 bis 50 Stellplätzen vorgesehen.

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Kreisbaumeisterin, Stadtplaner und ein Vertreter der Regierung Oberbayern kritisieren scheinbar die massive Bebauung

Eigentlich hätte der Vorbescheid für das gesamte Areal bereits im Dezember behandelt werden sollen. Der Eigentümer zog ihn damals jedoch zurück, um mit den zuständigen Stellen nachzuverhandeln. "Eigentlich war die Höhe des Gebäudes am Stadtplatz der zentrale Punkt der Gespräche", berichtete Bürgermeisterin Anita Meinelt (CSU) am Montag in der Stadtratssitzung. Dollinger betonte, dass Kreisbaumeisterin Antonia Seubert, Christian Metzner von der Regierung von Oberbayern und Stadtplaner Jochen Gronle vom Büro Plankreis "die massive Bebauung des ganzen Areals kritisiert" und sich zudem "deutlich gegen die Aufstockung des Stadtcafés ausgesprochen hätten, "weil das den Charakter verändern würde".

Architekt und Stadtrat Rudolf Heinz (CSU), der als Planer das Vorhaben vorstellte, aber wegen Betroffenheit nicht an der Abstimmung teilnehmen durfte, sprach von einer "vernünftigen Nachverdichtung" und meinte: "Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz, außerdem haben die anderen Bauwerke ringsherum nach und nach alle um mindestens ein Stockwerk aufgestockt werden dürfen." Eine Erhöhung nun auch beim Stadtcafé zu gewähren, sei ein Gebot der Gerechtigkeit. SPD-Fraktionssprecher Gerd Beubl fand, wenngleich Heinz nicht stimmberechtigt war: "Es zwickt irgendwie, wenn jemand, der sonst mit am Ratstisch sitzt und das Wohl der Stadt im Blick hat, hier als Planer zu uns spricht." Er müsse schließlich die Möglichkeit haben, in der Stadt seinem Beruf als Architekt nachzugehen und Aufträge anzunehmen, entgegnete Heinz.

Dritter Bürgermeister Michael Stanglmaier (Grüne) fand es "wichtig, dass was gemacht wird und in der Stadt Wohnbebauung geschaffen wird". Die Aufstockung des Stadtcafés hielt er für "verträglich". Auf seinen Vorschlag hin entschied man sich aber bei beiden Häusern an der Georg-Hummel-Straße und nicht nur bei einem für ein Satteldach. Thomas Kerscher (CSU) konnte "anders als Herr Dollinger die Expertenmeinungen nicht nachvollziehen". Er könne mit der Planung gut leben, sagte er und riet: "Wir sollten nicht alles zerdiskutieren." Ausführliche Diskussionen seien legitim, "so funktioniert Demokratie", belehrte ihn Stefan John (Linke), der zur Sache anmerkte: "Es kommt ja nicht oft vor, dass Herr Dollinger und ich gleicher Meinung sind." Hier aber schon. Er plädierte für eine namentliche Abstimmung, in der Dollinger, Ludwig Kieninger, Thomas Grundner, Johann Reif (alle FW), Alfred Wagner (Grüne), Erwin Köhler (UMB), Beubl und John für eine komplette Ablehnung des Vorbescheids und eine neue Planung votierten.

© SZ vom 12.02.2020/lada
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