bedeckt München 31°

Geschichte:Warum der "Freisinger Mohr" im Wappen des Landkreises nicht rassistisch ist

Der "Freisinger Mohr" im Wappen des Landkreises ist nicht rassistischen Ursprungs. Die Fürstbischöfe wollten mit seinem Bildnis ihre Souveränität ausdrücken.

Von Bernd Feiler, Freising

Im Zuge von "Black Lives Matter" sind "Mohren" in Wappen oder Logos in die Kritik geraten. Sie seien rassistisch motiviert, lautete der Vorwurf, verbunden mit der Forderung, sie zu streichen. In Coburg läuft derzeit eine hitzige Debatte darüber, ob der "Mohr" aus dem Stadtwappen entfernt werden soll oder nicht. Im Landkreis Freising, der ebenfalls das bekrönte Haupt eines Afrikaners in seinem Wappen trägt, ist dies bislang nicht der Fall.

Als Zeichen ihrer Souveränität haben die Freisinger Fürstbischöfe den "Mohren" in ihr Wappen integriert.

(Foto: Landkreis Freising)

Das Landkreiswappen gehe auf die Freisinger Bischöfe im 13. Jahrhundert zurück, erläutert Bernd Feiler vom Amt für Kultur und Heimatpflege des Landkreises dazu. Dieser habe sich im Jahr 1954 sein Wappen gegeben. Die damals Verantwortlichen besannen sich auf die Geschichte und kombinierten die silberne Rose der Grafen von Moosburg mit dem alten Herrschaftszeichen der Freisinger Bischöfe. Schließlich umfasst der Landkreis Gebiete des früheren Landgerichts Moosburg und das Kernstück des ehemaligen geistlichen Fürstentums Freising. Dieses führte seit 1284 in seinem Wappen das Haupt eines bekrönten Afrikaners, der keine historische oder literarische Figur darstellt. Als "Freisinger Mohr" ging er in die Geschichte ein.

"Mohr" kommt von einer Region in Nordafrika

"Mohr" sei laut Feiler eine neutrale Herkunftsbezeichnung. Das Substantiv gehe auf das althochdeutsche Wort "mōr" zurück, das sich an das lateinische "maurus" anlehne. Maurus sei bei den Römern der Bewohner des antiken Mauretaniens gewesen, das im heutigen Marokko lag. Maurus oder mauri sei zur neutralen Herkunftsbezeichnung für alle Menschen Nordafrikas geworden. Die moderne Rassismusforschung, so Feiler, leite die Titulierung "Mohr" vom lateinischen mōrus (dumm, töricht) her. Dieses Adjektiv komme aus der altlateinischen Theatersprache des römischen Komödiendichters Plautus. Seine Werke wurden nach der Antike nahezu vergessen und erst im 15. Jahrhundert wiederentdeckt. Zu dieser Zeit hatte sich das Wort "Mohr" im deutschen Sprachraum längst verbreitet. Eine prinzipiell rassistische Denotation des Begriffes "Mohr" scheine laut Feiler wissenschaftlich fragwürdig.

Das Wappen des Landkreises hat einen gespaltenen Schild. Auf der heraldisch rechten Seite ist ein rot gekrönter Afrikaner mit rotem Ohrring dargestellt. Die Gestalt ist dem Herrschaftswappen des Hochstifts Freising entnommen. Mit einem bekrönten Mohrenhaupt drückten seit dem späten 13. Jahrhundert die Freisinger Bischöfe ihre fürstliche Souveränität aus: Nur der "Mohr" konnte den Freisinger Bischof als weltlichen Fürsten angemessen repräsentieren. Wappen entstanden bereits im 12. Jahrhundert. Adel, Kirche und Bürgertum wollten durch ein Signet wiedererkannt und legitimiert werden, das Sympathie, Aufmerksamkeit aber auch Anerkennung erheischt. Keinem Wappenträger ist und war laut Feiler daran gelegen, sich mit einer Darstellung zu präsentieren, die er selber verachte oder in der Öffentlichkeit gering geschätzt werde. Der "Mohr" im Freisinger Hochstiftswappen und sein Nachfahre im Wappen des Landkreises seien laut Feiler keine "rassistische Stereotype", sondern Zeichen der Wertschätzung. Der Landkreis identifiziere sich mit dem Afrikaner in seinem Wappen und will von der Öffentlichkeit durch dieses Motiv identifiziert werden.

© SZ vom 02.07.2020/nta
Yvo Fischer und Samuel Fosso Teaserbild

SZ Plus
Umgang mit Rassismus
:"Demonstrieren alleine wird nicht reichen"

Samuel Fosso ist Politiker, Yvo Fischer Musiker. Über Rassismus im Alltag, was gegen Ausgrenzung hilft und warum es sie nicht stört, dass im Wappen ihres Landkreises der "Freisinger Mohr" abgebildet ist.

Interview von Nadja Tausche

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite