Prozessauftakt am Landgericht Landshut:Decken durchbrochen und Tresore geknackt

Vier Männer im Alter von 35 bis 50 Jahren sitzen auf der Anklagebank, weil sie in Betriebe und Banken - unter anderem im Kreis Freising - eingebrochen sein sollen. Beute und Sachschaden belaufen sich laut Staatsanwaltschaft jeweils auf mehrere 100.000 Euro.

Von Alexander Kappen, Landshut

Volles Programm und volles Haus am Landshuter Landgericht: Vier Angeklagte sowie sechs Verteidiger und Verteidigerinnen galt es am Dienstagvormittag im Sitzungssaal zehn des Landshuter Landgerichts unterzubringen. Da reichte die Anklagebank nicht mehr aus, es waren zusätzliche Stühle und Tische für die Beschuldigten und ihre Anwälte nötig. An insgesamt acht Verhandlungstagen, so sieht es die Terminansetzung derzeit vor, sollen sich dort nun vier Männer im Alter von 35 bis 50 Jahren wegen schweren Bandendiebstahls verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, in wechselnder Besetzung an einer Vielzahl von Einbrüchen und Einbruchversuchen, unter anderem in den Landkreisen Freising und Dachau, beteiligt gewesen zu sein und dabei große Geldsummen erbeutet sowie hohen Sachschaden angerichtet zu haben. Beute und Schaden, so der Vorwurf, betragen insgesamt jeweils mehrere 100.000 Euro

Haupttäter soll laut Anklage ein 43-jähriger Familienvater sein, der vor seiner Verhaftung in Freising wohnte und sich zum Prozessauftakt am Dienstag geständig zeigte. Von den 17 in der Anklageschrift aufgeführten Fällen soll er bei 16 dabei gewesen sein. Auch ein 50-Jähriger aus Heinsberg in Nordrhein-Westfalen soll an den Taten überwiegend beteiligt gewesen sein. "Ferner sprachen in den meisten Fällen auch gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass mindestens noch eine weitere Person an den Einbrüchen beteiligt war", heißt es in der Anklageschrift. In einem Fall sei dies ein 35-Jähriger aus Pfaffenhofen, in einem anderen ein 40-Jähriger aus dem nordrhein-westfälischen Hückelhoven. Wer die übrigen Personen waren, die sich an den Einbrüchen beteiligten, steht laut Anklage nicht fest.

Beim Einbruch in eine Langenbacher Bank flüchteten die Täter ohne Beute

Die zur Anklage gebrachten Taten ereigneten sich zwischen dem 2. Oktober 2019 und dem 23. Juli 2021, zumeist in gewerblich genutzten Gebäuden. Überwiegend hätten die Täter versucht, Geldautomaten oder auch Tresore rückseitig mit Spreizern, wie sie auch bei der Feuerwehr zum Einsatz kommen, oder mit Hilfe einer Flex zu öffnen, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. In vielen Fällen sei das auch geglückt.

Nicht so in einer Bank in Langenbach, wo die Täter im Februar 2020 laut Anklage über ein aufgehebeltes Fenster auf der Rückseite in den Innenbereich eindrangen, Überwachungskameras verdrehten und zunächst vergeblich versuchten, einen Geldautomaten von vorne zu öffnen. Daraufhin sollen sie die Tür zum Büro aufgebrochen und versucht haben, den Automaten von der Rückseite her aufzuflexen. Weil sie offenbar mitbekamen, dass sie stillen Alarm ausgelöst hatten, so die Vermutung der Staatsanwaltschaft, flohen die Täter jedoch ohne Beute. Der angerichtete Sachschaden betrug rund 14.400 Euro.

Ebenfalls im Februar 2020 sollen die Täter mit einem Brecheisen in eine Freisinger Brauerei gelangt sein, dort eine Spur der Verwüstung hinterlassen und einen Tresor mit einer Flex geöffnet haben. Die Beute Betrug 1176 Euro, der Sachschaden beachtliche 41.670 Euro. Hohen Sachschaden (gut 31.300 Euro) verursachten die Täter auch im Oktober 2020 in einer Bank in Rudelzhausen, wo sie sogar eine Decke durchbrachen, um an ihre Beute zu kommen. Dort entwendeten sie laut Anklage Bargeld in Höhe von mehr als 78.000 Euro. In einem Neufahrner Kino erbeuteten die Täter knapp 44.000 Euro, der Sachschaden betrug hier 24.300 Euro.

Am ersten Verhandlungstag gesteht nur einer der Angeklagten - ein 43-Jähriger aus Freising

Ein paar Tage vorher waren die Täter in zwei Autohäuser in Dachau eingebrochen. Dort scheiterten sie einmal an einem Tresor mit etwa 1900 Euro Inhalt. Im anderen Fall erbeuteten sie gut 1400 Euro. Der angerichtete Sachschaden betrug 5200 beziehungsweise 7200 Euro.

Von den vier Angeklagten war am ersten Verhandlungstag nur einer geständig: der 43-Jährige aus Freising. Er ließ über seinen Verteidiger erklären, er räume die in der Anklage erhobenen Vorwürfe vollumfänglich ein - zumindest was seine Person betrifft. Zur Tatbeteiligung seiner Mitangeklagten machte er keine Angaben. Der 50-Jährige gab am Dienstag nur Auskunft zu seinen persönlichen Verhältnissen. Eine Erklärung zur Tat, so kündigte sein Verteidiger an, soll am nächsten Verhandlungstag folgen. Die beiden anderen Beschuldigten wollten nur persönliche Angaben machen und zu den Tatvorwürfen nichts sagen. Wobei der 35-Jährige aus Pfaffenhofen das dann indirekt doch tat. Als ihn der Vorsitzende Richter Markus Kring nach seinen Trinkgewohnheiten im relevanten Tatzeitraum fragte, meinte der Angeklagte: "Ich war bei keiner Tat dabei." Deshalb könne er dazu auch nichts sagen.

Die Verhandlung wird am 26. Juli fortgesetzt. Neben Zeugen werden vom Gericht auch Sachverständige angehört. Letzter Prozesstag ist voraussichtlich der 18. August.

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