Kranzberg:"Ein für das Landschaftsbild untypisches Bauelement"

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Thomas Grevel möchte einen Solarzaun errichten, doch das Landratsamt lehnt dies ab, weil das Areal im Landschaftsschutzgebiet liegt. Aufgeben will der Kranzberger nicht.

Von Petra Schnirch, Kranzberg

Bis 2035 soll die Energiewende im Landkreis gelingen, dieses Ziel hat sich der Freisinger Kreistag schon vor Jahren gesteckt. Der Zeitrahmen ist sportlich, erschwert wird die Umsetzung auch durch gesetzliche Hürden, das bekam jüngst der Kranzberger Thomas Grevel zu spüren. Er will auf seinem Grundstück im Ortsteil Berg einen Solarzaun errichten, doch das Landratsamt erteilt dafür keine Genehmigung. Denn das Areal liegt im Landschaftsschutzgebiet Ampertal und der Bau würde die Schutzziele nach Ansicht der Behörde gefährden oder zumindest beeinträchtigen.

Etwa 100 Meter lang soll der Zaun werden. Auf dem Dach seines Hauses hat Grevel bereits eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 7,5 Kilowatt-Peak installiert, beim Zaun wäre es fast das Dreifache. Mittelfristig würde er die Energie gern speichern, zum Beispiel in Form von Wasserstoff oder Biomethanol, und seine Ölheizung ersetzen. Die Argumente des Landratsamts kann der Kranzberger nicht nachvollziehen, er hält sie für nicht zeitgemäß. Auch die Gemeinde hatte keine Einwände, die Gemeinderäte genehmigten den Zaun in ihrer März-Sitzung. Notwendig ist jedoch auch eine naturschutzrechtliche Erlaubnis, da das Areal im Landschaftsschutzgebiet Ampertal und zudem im Außenbereich liegt. Dafür ist das Landratsamt zuständig.

Derzeit sieht der Landrat keine Möglichkeit, das Projekt zu genehmigen

Landrat Helmut Petz (FW), den Grevel um Unterstützung bat, antwortet in einem längeren Schreiben, dass es "derzeit keine Möglichkeit einer Genehmigungsfähigkeit Ihres Vorhabens in Einklang mit den in der Tat sehr bedeutsamen Belangen des Naturschutzes gibt". Ein "Privilegierungstatbestand" fehle - darunter fallen beispielsweise Landwirtschaft, Telekommunikation oder die öffentliche Versorgung mit Strom und Windkraft. Ein solches Vorhaben sei deshalb nur zulässig, sofern keine "öffentlichen Belange" beeinträchtigt würden. Das aber sei hier der Fall, erläutert Petz. "Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege sowie die natürliche Eigenart der Landschaft" würden in negativer Weise berührt.

Der Klimaschutz spiele in der Argumentation gar keine Rolle, kritisiert Thomas Grevel. Nicht verstehen kann er auch, dass die Fachleute im Landratsamt, die dem Leitenhang der Amper mit seinen Seitentälern wegen des Strukturreichtums, der exponierten Lage und der Funktion als Erholungsgebiet eine besondere Bedeutung zusprechen, das Projekt damit für unvereinbar halten. Der Solarzaun wäre ein für das Landschaftsbild untypisches Bauelement, erklärt Petz in seinem Brief weiter. Grevel hält dagegen, dass dort täglich nicht mehr als "fünf Leute und ein paar Reiter" unterwegs seien. Ein Mitarbeiter der Behörde hatte den Zaun zuvor bereits als scheußlich abgetan.

Den Sockel könnte man einfach weglassen

Was ihn besonderes ärgere, sagt Grevel: Dass ihn das Landratsamt nicht kontaktiert habe, um nach einem Kompromiss zu suchen. Der in den Plänen existierende Sockel des Zauns, der eine Durchlässigkeit für Tiere verhindern würde, könne ohne Probleme weggelassen werden, so Grevel. Das sei eine Idee der Architektin gewesen. Und in der Hainbuchenhecke, die die Fachbehörde als erhaltenswert einstufe, befinde sich ein Maschendrahtzaun mit doppelter Stacheldrahtrolle.

Die Argumente im Schreiben des Landrats nennt der Kranzberger "fadenscheinig". Wenn es um den Kiesabbau geht, hätten die Vorgaben keine Geltung, moniert Grevel und verweist auf die Firma Rohrdorfer, die nicht weit von seinem Haus entfernt, ebenfalls im Landschaftsschutzgebiet südlich von Göttschlag, den Abbau massiv erweitern durfte. Hunderte Bäume, außerdem Hecken und Sträucher seien dafür abgeholzt, Wald- und Wanderwege geschlossen worden. "Die versiegelte Fläche dürfte nun größer als ein Fußballfeld sein".

Auch wenn dieses Loch in 20 Jahren renaturiert werde, "ist meines Erachtens der Schaden weit größer als der Bau eines Solarzauns - ohne Sockel - durch mich". Einfach aufgeben will Thomas Grevel nach Ablehnung des Bauantrags nicht. Er hat Beschwerde im bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr eingelegt und den FW-Landtagsabgeordneten Benno Zierer einschaltet. Nächster Schritt wäre eine Petition. Sollte dies keinen Erfolg haben, schließt Grevel eine Klage nicht aus, hofft aber, dass dies nicht nötig sein wird: "Wollen wir kurzfristig erneuerbare Energien nutzen, dann können wir nicht Genehmigungsprozesse aus dem vorigen Jahrhundert zu Grunde legen".

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