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Kommunalwahl im Landkreis Freising:Frischer Wind in den Räten

Eine Reihe von jungen Menschen ist in Kreistag, Stadt- und Gemeinderäte gewählt worden. Der Rest freut sich über wertvolle Erfahrungen, die der Wahlkampf ihnen beschert hat

Der Landkreis Freising hat vor zwei Wochen 24 Stadt- und Gemeinderäte neu gewählt und den Kreistag neu besetzt. Auf den Listen standen neben alteingesessenen Lokalgrößen auch viele Jugendliche zur Wahl, die bereit waren, für ihre Gemeinde, ihre Stadt oder ihren Landkreis Verantwortung zu übernehmen. Die Freisinger SZ hat acht von ihnen - aus jeder großen Partei oder Wählervereinigung einen (mit Ausnahme der Linken, deren Kandidat Christoph Kröner nicht mehr zur Verfügung stand) - durch den Wahlkampf begleitet und über ihre Erfahrungen berichtet. Nach der Wahl steht fest: Drei von ihnen haben es geschafft, fünf sind mal mehr, mal weniger knapp nicht gewählt worden. Zeit also, mit den Jugendlichen ein Fazit zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Theresa Rudolph

Theresa Rudolph hat interessante Erfahrungen gemacht.

(Foto: Marco Einfeldt)

21 Jahre, Studentin aus Freising, FDP, Stadtratsliste Freising Platz 5, Kreistagsliste Platz 6: "Ich bin einerseits froh, dass der Wahlkampf für uns jetzt vorbei ist, weil ich jetzt endlich Zeit habe, mich in aller Ruhe aufs nächste Semester vorzubereiten, andererseits wird er mir aber auch ein bisschen fehlen. Ich durfte so viele neue Erfahrungen sammeln und hatte auf jeden Fall eine Menge Spaß dabei, deswegen ist es natürlich schade, dass es damit jetzt erst mal vorbei ist.

Auf jeden Fall habe ich einiges an Zeit und Mühe in den Wahlkampf investiert, und das hat sich auch gelohnt, wir konnten einen Sitz im Kreistag dazugewinnen. Trotzdem: Wir haben alle so viel gegeben, da hätte ich irgendwie ein besseres Parteiergebnis erwartet. Davon, dass ich es selbst weder in den Stadtrat noch in den Kreistag geschafft habe, bin ich nicht besonders enttäuscht. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn ich es geschafft hätte, aber ehrlich gesagt, bin ich auch nicht zu hundert Prozent von einem Erfolg ausgegangen. Worüber ich mich allerdings gefreut habe, ist, dass ich meinen Listenplatz für den Stadtrat halten konnte, das ist echt nicht selbstverständlich.

Insgesamt finde ich es total cool, dass doch einige andere junge Kandidaten gewählt worden sind. Natürlich wäre es noch besser, wenn wir es alle geschafft hätten, aber auch das Ergebnis jetzt zeigt schon, dass junge Menschen hier ernstgenommen werden und dass ihnen eine Menge zugetraut wird und das ist doch super. Deswegen und weil mir Politik einfach Spaß macht, möchte ich mich auch in den nächsten Jahren definitiv weiter engagieren und für meine Überzeugungen kämpfen."

Sofian Achour

Sofian Achour weiß noch nicht, ob er wieder antritt.

(Foto: Marco Einfeldt)

19 Jahre, Schüler aus Freising, Freie Wähler, Stadtratsliste Freising Platz 21: "Ich habe es zwar leider nicht in den Stadtrat geschafft, aber ich kann immer noch nicht glauben, dass ich über tausend Stimmen bekommen habe. Das hat meine Erwartungen übertroffen und ich finde, da kann man mit 19 Jahren durchaus stolz drauf sein. Dass ich von meinem ursprünglichen Listenplatz 21 am Ende auf Platz 33 abgerutscht bin, stört mich auch nicht sehr. Das war meine erste Wahl und ich bin nun mal noch nicht so bekannt in Freising, aber irgendwo muss man ja anfangen.

Mit dem Ergebnis von uns Freien Wählern bin ich auch super zufrieden, wir konnten unsere Plätze gut verteidigen. Außerdem hat es unser Landratskandidat Helmut Petz ja in die Stichwahl geschafft, deswegen war der Wahlkampf für uns auch noch gar nicht vorbei. Wir mussten umplakatieren, wieder Flyer an die Leute bringen und insbesondere auch online Präsenz zeigen. Bis jetzt haben wir das super hinbekommen und ich würde sagen, unser Einsatz hat sich auch definitiv gelohnt.

Ob ich nächstes Mal wieder antreten werde, kann ich jetzt noch nicht sagen. Grundsätzlich schlägt mein Herz auf jeden Fall für Freising, aber sechs Jahre sind eine zu lange Zeit, um irgendwelche Vorhersagen machen zu können. Außerdem sind die ganzen Gremien jetzt erst mal ja eh schon super verjüngt worden."

Marco Riedel

Marco Riedel hätte besser abgeschnitten.

(Foto: Marco Einfeldt)

18 Jahre, Schüler aus Itzling, CSU, Stadtratsliste Freising Platz 27: "Für mich ist der Wahlkampf ja noch gar nicht ganz vorbei, unser Landratskandidat Manuel Mück hat es ja in die Stichwahl geschafft. Angesichts des Coronavirus bin ich aber froh, dass wir keine Infostände mehr anbieten und unsere Flyer nur noch in die Briefkästen verteilt haben. Ich hoffe auf jeden Fall, dass Manu die Stichwahl auch gewinnt, bis jetzt ist unser Wahlergebnis nämlich ziemlich ernüchternd ausgefallen. Irgendwie war das aber zu erwarten, da bei dieser Wahl so viele kleine Parteien angetreten sind wie selten zuvor.

Dass ich nicht in den Stadtrat gekommen bin, habe ich fast erwartet. Der Name Riedel ist noch nicht so bekannt in Freising und ich bin ja noch recht jung. Trotzdem bin ich froh, dass ich kandidiert habe, ich durfte im Wahlkampf viele neue Leute kennenlernen und extrem wertvolle Erfahrungen sammeln. Außerdem konnten wir mit unserer sehr divers und vielschichtig aufgebauten Liste, auf die ich übrigens sehr stolz bin, vielen Leuten unsere Positionen und Eindrücke vermitteln - allein dafür hat sich der Wahlkampf schon gelohnt. Deswegen möchte ich auch bei der nächsten Kommunalwahl wieder antreten.

Ich bin glücklich, dass es so viele junge Leute geschafft haben, allerdings sollte man seine Wahl nicht vom Alter abhängig machen, sondern von den Inhalten. Ein 75-Jähriger hat meiner Meinung nach, sofern er sich für die richtigen Themen einsetzt, genauso seine Daseinsberechtigung im Stadtrat, wie ein 25-Jähriger."

Joana Bayraktar

Joana Bayraktar wird der Wahlkampf fehlen.

(Foto: Marco Einfeldt)

24 Jahre, Studentin aus Freising, Die Grünen, Stadtratsliste Freising Platz 5, Kreistagsliste Platz 5, künftige Stadt- und Kreisrätin: "Mir wird der Wahlkampf definitiv fehlen, weil er insbesondere gegen Ende einen großen Teil meiner Freizeit bestimmt hat. Trotzdem hätte ich irgendwie gerne noch mehr gemacht. Durch das Coronavirus mussten wir in den letzten Wochen vor der Wahl extrem viele Veranstaltungen ausfallen lassen, das fand ich echt schade. Wobei ich mich ja eigentlich nicht beschweren kann, mit unserem Parteiergebnis bin ich bis auf die Tatsache, dass es unsere OB-Kandidatin und unser Landratskandidat beide nicht in die Stichwahl geschafft haben, sehr zufrieden, wir konnten überall Sitze dazu gewinnen. Außerdem habe ich selbst es in den Stadtrat und in den Kreisrat geschafft, womit ich wirklich nicht gerechnet hätte. Vor allem hätte ich nicht gedacht, dass ich meine beiden Listenplätze relativ gut halten könnte, deswegen freue ich mich jetzt umso mehr, dass das geklappt hat.

Ob ich bei der nächsten Kommunalwahl in sechs Jahren wieder antreten werde, kann ich noch nicht sagen, das ist noch zu weit weg. Aber ausschließen möchte ich es auf keinen Fall. Jetzt gilt es erst mal, mich in die Themen vom Stadtrat und vom Kreistag richtig einzuarbeiten, das wird auf jeden Fall nicht einfach. Ich werde sicherlich eine Menge dazu lernen müssen, aber da freue ich mich auch total drauf. Genau so wie auf die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen, von denen ja dieses Mal wirklich viele noch recht jung sind. Ich hoffe, dass wir damit auch ein paar andere Jugendliche motivieren können, bei der nächsten Wahl selbst anzutreten."

Michael Weindl

Fünf Stunden täglich war Michael Weindl unterwegs.

(Foto: Marco Einfeldt)

21 Jahre, Student aus Freising, SPD, Stadtratsliste Platz 9, Kreistagsliste Platz 23: "Sobald ich meine letzte Uniprüfung geschrieben hatte, bin ich jeden Tag vier bis fünf Stunden in Freising von Tür zu Tür gezogen, um Werbung für uns zu machen. Das ging die letzten zwei Wochen vor der Wahl so, ich hatte einen unglaublichen Spaß dabei und durfte total viele coole Leute kennenlernen, egal, ob aus meiner Partei oder nicht. Irgendwann hat es sich aber doch ziemlich gezogen, deswegen bin ich froh, dass es jetzt vorbei ist.

Am Montag nach der Wahl habe ich dann den ganzen Tag immer wieder die Website der Stadt erneuert, um zu sehen, ob es schon neue Ergebnisse gibt. Leider waren die meiner Partei absolut nicht zufriedenstellend, vor allem weil wir dachten, dass wir mit unserem Programm die richtigen Themen gesetzt hätten. Anscheinend sind wir damit aber nicht so durchgedrungen, wie wir uns das erhofft hatten. Dass ich es am Ende weder in den Stadtrat noch in den Kreistag geschafft habe, finde ich natürlich auch schade, das soll mich aber nicht davon abhalten, auch in Zukunft weiter zu versuchen, Verantwortung für Freising zu übernehmen. Was mich richtig beeindruckt hat, sind die absoluten Zahlen hinter den Wahlergebnissen: Auf der Stadtratsliste habe ich über 1300 Stimmen bekommen, auf der für den Kreistag waren es sogar fast 4000. Das so viele Leute mir die Aufgabe zugetraut haben, ist schön, und ich bin dankbar dafür. Überhaupt ist es super, dass so viele junge Leute gewählt wurden. Ich freue mich für jeden von ihnen und hoffe, dass sie für ordentlich frischen Wind sorgen."

Philomena Böhme

Philomena Böhme

Philomena Böhme freut sich auf die Arbeit im Stadtrat.

(Foto: Lukas Barth)

19 Jahre, Auszubildende Erzieherin aus Freising, FSM, Stadtratsliste Platz 5, Kreistagsliste Platz 20, künftige Stadträtin: Ich bin absolut zufrieden mit dem Ausgang der Wahl, wir von der Freisinger Mitte haben echt ein Traumergebnis geholt, es hätte fast nicht besser laufen können. Und dass ich es in den Stadtrat geschafft habe, konnte ich am Anfang gar nicht glauben. Ich bin bald zwei Wochen nach der Wahl immer noch total glücklich und freue mich riesig auf die Herausforderung. Ich möchte ganz viel dazulernen, deswegen werde ich es wahrscheinlich in den ersten Sitzungen etwas ruhiger angehen lassen und erst mal mehr zuhören. Aber ich werde auch schon versuchen, mich möglichst gut einzuarbeiten. Da kommt sicher einiges auf mich zu, das war mir aber schon klar, als ich kandidiert habe.

Aus dem Wahlkampf werde ich vor allem die vielen neuen Freundschaften mitnehmen, die ich über Parteigrenzen hinaus schließen konnte. Das war wirklich eine coole und spannende Zeit, die ich gerne alle sechs Jahre wieder durchmache. Und am Ergebnis kann man ja sehen, dass sich die Mühe auch absolut gelohnt hat. Überhaupt sind wirklich viele junge Leute in die Kommunalvertretungen gewählt worden, das freut mich sehr. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass es noch ein oder zwei mehr schaffen, aber dafür müssten auch alle Parteien den Nachwuchs konsequent ganz nach vorne auf ihre Listen setzen und das ist nicht immer so einfach."

Emilia Kirner

Emilia Kirner hofft, dass künftig mehr junge Leute kandidieren.

(Foto: Marco Einfeldt)

22 Jahre, Studentin aus Freising, ÖDP, Stadtratsliste Freising Platz 2, Kreistagsliste Platz 6, künftige Stadträtin: "Ich habe mir am Montag nach der Wahl immer wieder gespannt den Ergebnis-Zwischenstand angeschaut. Ich hatte mir im Vorfeld natürlich Hoffnungen gemacht, allein schon wegen meines guten Listenplatzes, aber ich war total glücklich, als dann feststand, dass ich es wirklich in den Stadtrat geschafft habe. Und auch mit dem Ergebnis meiner Partei bin ich sehr zufrieden: Wir konnten sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag einen Sitz dazugewinnen. Deswegen würde ich auch sagen, dass sich unser Einsatz im Wahlkampf voll gelohnt hat. So ein tolles Ergebnis bekommt man nun mal nicht geschenkt.

Trotzdem bin ich auch ein bisschen froh, dass es das jetzt erst mal war mit den Infoständen, den Flyern und dem Haustürwahlkampf. Natürlich fand ich die Zeit vor der Wahl extrem lehrreich und wirklich cool, aber es schadet nicht, dass ich jetzt auch Energie und Zeit dafür übrig habe, mich auf meine Arbeit im Stadtrat vorzubereiten, die wird nämlich sicher eine Herausforderung für mich. Besonders auf die Arbeit in den Ausschüssen bin ich gespannt, von den großen Sitzungen bekommt man ja auch von außen immer schon ein bisschen was mit. Was mich auch interessiert, ist, ob sich durch die ganzen frischen Gesichter der Umgang verändert. Es sind ja einigermaßen viele von uns jungen Leuten in den Stadtrat gewählt worden, was mich natürlich total freut. Jetzt können wir zeigen, was wir drauf haben, dass sich vielleicht in Zukunft noch mehr Jugendliche an eine Kandidatur trauen."

Bernhard Kugelmann

Bernhard Kugelmann will wieder antreten.

(Foto: Marco Einfeldt)

26 Jahre, Außendiensttechniker aus Hohenkammer, AfD, Kreistagsliste Platz 14: "Ich will nicht sagen, dass ich von dem Ergebnis meiner Partei enttäuscht bin, aber ein bisschen mehr Zuspruch hätten wir uns schon erwartet. Vor dieser Wahl waren wir hier im Landkreis noch in keinem Stadt- oder Gemeinderat vertreten und auch nicht im Kreistag, von daher konnten wir eigentlich nur gewinnen. Trotzdem hätte ich mir im Kreistag zumindest noch einen Sitz mehr gewünscht.

Mit meinem persönlichen Abschneiden bin ich allerdings sehr zufrieden. Ich habe es zwar nicht in den Kreistag geschafft, wurde aber von meinem ursprünglichen Listenplatz 14 sogar einen Platz nach oben gewählt. Das ist dafür, dass das meine erste Wahl war, echt toll und zeigt einfach, dass sich die harte Arbeit, die ich im Wahlkampf geleistet habe, auch lohnt.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich bei der nächsten Kommunalwahl auch wieder aufstellen lassen will. In Zeiten von einem Linksruck, wie wir ihn heute in unserer Gesellschaft erleben, ist eine starke konservative Mitte einfach wichtig und als die sehe ich uns. Die Tatsache, dass bei dieser Wahl so viele junge Leute kandidiert haben und auch gewählt wurden, finde ich wirklich gut. Das ist allerdings etwas, wo es unter anderem auch bei meiner Partei noch Verbesserungspotenzial gibt, Grüne und Linke haben oft mehr Jugendliche auf den Listen. Da müssen wir dran bleiben, denn jeder junge Mensch, der sich engagiert, ist ein Gewinn.

© SZ vom 28.03.2020

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