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Gründertochter und Höflinger kaufen Müller-Brot:"Ich freue mich, dass Ostendorf weg ist"

Die Gründertochter Evi Müller kauft zusammen mit der Bäckerei Höflinger die Filialen der insolventen Großbäckerei Müller-Brot. 148 Filialen und zunächst 435 Mitarbeiter sollen übernommen werden. Die Beschäftigten zeigen sich zufrieden mit der Entscheidung.

Die Münchner Bäckerei Höflinger und die Gründertochter Evi Müller haben das Müller-Brot-Filialnetz übernommen. Der Gläubigerausschuss der insolventen Großbäckerei in Neufahrn bei München hat am Donnerstagmorgen der Übertragung einstimmig zugestimmt. Das teilte Insolvenzverwalter Hubert Ampferl mit. Höflinger und Müller übernehmen 148 Filialen der bisher 230 Standorte und zunächst 435 der zuletzt 1080 Mitarbeiter. Die Zukunft der Brotfabrik in Neufahrn ist dagegen noch ungewiss.

Großbäckerei Müller-Brot

Wann nach den Hygienemängeln wieder produziert werden kann, ist unklar. Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ebenso: Die Großbäckerei Müller-Brot in Neufahrn bei München.

(Foto: dpa)

"Die Übernahme durch Evi Müller und Franz Höflinger ist die bestmögliche Lösung für Müller-Brot", sagte Hubert Ampferl nach der Sitzung des Gläubigerausschusses. "Der Verkauf stellt die Zukunft der Bäckerei als regional verankertes und auf Qualitätsprodukte konzentriertes Unternehmen nachhaltig sicher."

Auch die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) begrüßt die Entscheidung. "Wir freuen uns, dass die beiden das übernehmen", sagte NGG-Geschäftsführer Freddy Adjan. "Wir begrüßen das ausdrücklich und bieten unsere Zusammenarbeit und Unterstützung an." Möglich seien zum Beispiel flexible Arbeitszeitmodelle. Sorge mache der Gewerkschaft aber die Zukunft der Großbäckerei in Neufahrn. "Ich hoffe, dass das auch noch klappen wird", sagte Adjan.

Ziel der Investoren ist es, zunächst das Filialnetz zu stabilisieren. In einem zweiten Schritt sollen die Verhandlungen über den Verkauf der Produktion von Müller-Brot an Evi Müller und Höflinger aufgenommen werden. Nach den Hygienemängeln darf in der Brotfabrik in Neufahrn bislang nicht wieder produziert werden.

Der Geschäftsübergang erfolgt zum 7. April. Der Kaufvertrag soll in Kürze geschlossen werden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Verhandlungen mit Müller und Höflinger hatten am Dienstagabend und Mittwochvormittag stattgefunden. Um sicherzustellen, dass genügend Vermieter der Filialen mit Müller und Höflinger abschließen, wurden Telefonate mit jedem einzelnen geführt.

Der vorherige Müller-Brot-Besitzer Ostendorf hatte die Produktion wegen Hygienemängeln auf Anordnung der Lebensmittelaufsicht im Januar schließen müssen und Insolvenz angemeldet. Überraschend hatte der Gläubigerausschuss Müller-Brot vor einer Woche wieder an Ostendorf verkaufen wollen, aber der Deal platzte.

Die Mitarbeiter zeigten sich wenig begeistert, dass Osterndorf das Unternehmen zurückkaufen wollte - da er den Hygieneskandal zu verantworten hatte, Müller-Brot in wirtschaftliche Probleme geführt und sich gravierende Managementfehler selbst eingestanden hatte, so ihr Vorwurf. Im Gläubigerausschuss hatte sich die Commerzbank, für viele unverständlich, eindeutig zugunsten der alten Führungsriege positioniert und gegen ein von Experten als weit aussichtsreicher beurteiltes Konkurrenzkonzept der Gründertochter Evi Müller und des Münchner Bäckers Franz Höflinger.

Nach dem Scheitern des Deals wurden die Verhandlungen mit Müller und Höflinger wieder fortgesetzt. Und nun kam das zunächst unterlegene Angebot von Müller und Höflinger doch noch zum Zuge.

Insovlenzverwalter Ampferl hatte schon während der Verhandlungen mit Ostendorf Sympathien für die Lösung Müller/Hölfinger durchscheinen lassen. Fest steht: Die Gruppe hat offenbar ein schlüssiges Konzept präsentiert, sie ist in München gut vernetzt und könnte damit weitere Investoren anlocken. Außerdem steht sie - anders als Ostendorf - für einen Neuanfang, der glaubwürdig ist. Die neuen Eigentümer wollen sich am Freitag um 11 Uhr bei einer Pressekonferenz in Neufahrn äußern.

Bis zum Verkauf an Ostendorf im Jahr 2003 hatte Eva Müller in der Führung im Konzern ihres Vaters Hans mitgearbeitet. Später gründete die Diplom-Kauffrau eine eigene kleine Firma, die Bayrisch-Bretonische Backwarenvertriebs GmbH mit "Brioche Dorée"-Filialen in Einkaufszentren, im Münchner Hauptbahnhof und am Hamburger Jungfernstieg.

Als Müller-Brot vor zwei Monaten von der Lebensmittelaufsicht geschlossen wurde, äußerte sie sich in Medienberichten entsetzt: "Unser Name wird durch den Dreck gezogen. Ich schäme mich zutiefst."

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hat die Übernahme als "positives und erfreuliches Signal" begrüßt. "Ich bin optimistisch, dass es ihnen gelingt, verloren gegangenes Vertrauen bei Beschäftigten, Pächtern und Kunden schnell zurückzugewinnen und den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren", teilte Zeil mit. "Das ist die beste Grundlage für zukunftsfähige Arbeitsplätze."

Auch bei den Mitarbeitern kam die Übernahme der Filialen gut an. "Wir sind sehr glücklich und zufrieden über die Nachricht", sagte Omar Mohamed in einer Münchner Filiale. "Die letzten Monate haben wir sehr gelitten. Jetzt wollen wir, dass der Laden wieder läuft und geben alles." Ein Mitarbeiter einer anderen Münchner Filiale, der namentlich ungenannt bleiben wollte, ergänzte: "Ich freue mich, dass Ostendorf weg ist."