Müller-Brot Neuanfang mit Totengräber

Müller-Brot soll an den Ex-Eigentümer Ostendorf gehen - so will es die Commerzbank. Doch in einer Mischung aus Eigennutz, Ängstlichkeit und Blindheit könnte die Bank zum Totengräber der Bäckerei werden.

Ein Kommentar von Peter Fahrenholz

Dass die Finanzwirtschaft ihre dienende Rolle gegenüber der Realwirtschaft größtenteils verloren hat, ist spätestens seit der internationalen Bankenkrise ins allgemeine Bewusstsein gedrungen. Doch nicht nur die Zocker in den Investmentabteilungen tragen zum schlechten Ruf vieler Banken bei, auch in kleinerem Maßstab beweisen etliche Geldhäuser immer wieder, wie wenig eine längerfristige Perspektive gegenüber einem kurzfristigen Vorteil für sie zählt. Dass sie sich damit am Ende oft genug selber schaden, ist nur ein schwacher Trost.

Dass die Commerzbank Müller-Brot dem Ex-Eigentümer Ostendorf, der das Unternehmen an die Wand gefahren hat, zurückgeben will, ist kaum begreiflich.

(Foto: dpa)

Aktuelles Beispiel ist das Verhalten, oder sollte man besser sagen: das Versagen der Commerzbank im Fall Müller-Brot. In dem Trauerspiel um die Großbäckerei gibt es schon viele, die zum Niedergang beigetragen haben; nun gesellt sich auch der Hauptgläubiger Commerzbank dazu. In einer Mischung aus Eigennutz, Ängstlichkeit und Blindheit könnte die Bank zum Totengräber von Müller-Brot werden statt das Unternehmen zu retten, was durchaus möglich wäre.

Dass die Commerzbank möglichst viel von ihren Krediten für Müller-Brot retten will, ist legitim. Doch dass sie dafür das schlechtere unternehmerische Konzept durchgedrückt hat und die Bäckerei ausgerechnet dem Ex-Eigentümer Klaus Ostendorf zuschanzen will, der das Unternehmen vor die Wand gefahren hat, ist kaum begreiflich. Denn der andere Bieter, die Höflinger-Gruppe zusammen mit Evi Müller, der Tochter des Gründers, würde viel eher Gewähr dafür bieten, die Firma in ihrer Substanz zu retten. Die Gruppe hat ein schlüssiges Konzept präsentiert, ist in München bestens vernetzt (und könnte damit weitere Investoren anlocken) und stünde, anders als Ostendorf, für einen glaubwürdigen Neuanfang. Doch das zählt für die Banker offenbar nicht. Sollte der Deal mit Ostendorf in letzter Minute tatsächlich platzen, stünden sie restlos blamiert da.