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Wohnungsmarkt:Wenn die Miete zum Albtraum wird

Schuldnerberatung

Die Schuldnerberatung der Caritas hat immer öfter mit Menschen zu tun, die ihre Miete nicht zahlen können.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Die Schuldnerberatung der Caritas macht mit einer Aktionswoche auf die hohen Wohnkosten aufmerksam. Auch der Mieterverein kennt die Probleme. Lindernd würden ein Mietspiegel in Freising und mehr Sozialwohnungen wirken.

Monatsanfang und das Geld reicht nicht für die Miete - für manche Menschen im Landkreis Freising ist das traurige Realität. Zum wiederholten Mal weist die Schuldnerberatung der Freisinger Caritas auf das Problem der hohen Mieten im Landkreis hin, dieses Mal im Rahmen der Aktionswoche "Albtraum Miete", welche die Arbeitsgemeinschaft Schuldenberatung veranstaltet.

Zwischen drei- und vierhundert Beratungen führen Günter Miß von der Freisinger Caritas und seine drei Kollegen im Jahr durch, häufig geht es dabei auch um die Miete. Die Probleme sind vielfältig: Zum einen, so Miß, würden Gläubiger und Inkassounternehmen die Schuldner häufig durch starken Druck zum Leisten ihrer Ratenzahlungen bewegen. Für Miete, Energie und Lebenshaltung bleibe danach oft nicht genug Geld. Laut dem Sozialpädagogen ist dies im Ernstfall genau die falsche Priorisierung. "Die Einzigen, die einem wirklich etwas tun können, sind die Vermieter und Energieversorger", weiß er.

522 Euro Kaltmiete im Süden, im Norden ist es deutlich weniger

Zum anderen seien die Mietobergrenzen, die das Freisinger Jobcenter für Arbeitslosengeld II-Bezieher als angemessen festlegt, zu niedrig. Für die Stadt Freising sowie die südlichen Landkreisgemeinden Neufahrn, Eching und Hallbergmoos liegt die Mietobergrenze für Alleinstehende derzeit bei 522 Euro Kaltmiete, für den nördlichen Landkreis teils deutlich darunter. Für solche Beträge im Landkreis eine Wohnung zu finden sei unrealistisch, findet Miß.

Für einen halbwegs realistischen Wert müsse die Obergrenze um etwa zehn bis fünfzehn Prozent angehoben werden, schätzt er. Die Differenz zwischen laut Jobcenter angemessener und tatsächlich auf dem Wohnungsmarkt verlangter Miete müssen die Betroffenen dann aus dem eigentlich für die Lebenshaltungskosten vorgesehenen Betrag bezahlen - wenn sie denn überhaupt eine Bleibe finden.

Für Schuldner ist sogar das schon schwierig. Schuld daran ist die von Vermietern im Landkreis häufig verlangte Schufaauskunft. Insbesondere Schuldner im Insolvenzverfahren sollten laut Miß nicht mehr von der Schufa bestraft werden, diese Verfahren seien schließlich eine Form der Schuldenregulierung und somit nichts Negatives.

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Ein Mietspiegel für Freising könnte steigende Mieten verhindern

Das Grundproblem, die für viele Menschen kaum bezahlbaren Mieten im Landkreis, würde jedoch auch durch solche Korrekturen nicht gelöst. Marcus Müller-Ostermaier vom Mieterverein Freising sieht vor allem junge Familien als Leidtragende der Situation: Bei Neuvermietungen könne man in Freising häufig schon mit 14 Euro pro Quadratmeter rechnen. "Für eine Familie mit zwei Kindern, die eine Wohnung mit 80 bis 90 Quadratmetern sucht, bedeutet das eine Kaltmiete um die 1200 Euro", betont Müller-Ostermaier. Mit Nebenkosten sei man dann schnell bei 1500 Euro. Immerhin: Von unlauteren Methoden, um Bestandsmieter aus ihren Wohnungen zu vertreiben, wie sie aus Großstädten wie Berlin immer wieder berichtet werden, weiß man beim Freisinger Mieterverein aber noch nichts.

Als Gegenmaßnahme zu den steigenden Mieten wünscht sich der Mieterverein vom Freisinger Stadtrat endlich einen Mietspiegel. Wichtig dabei sei, meint Müller-Ostermaier, dass so ein Mietspiegel dann auch die tatsächliche Durchschnittsmiete mitsamt der Bestandsmieten in der Stadt erfasse, nicht nur die Neuvermietungen der vergangenen Jahre.

Günter Miß von der Caritas sieht darüber hinaus die Kommunen im Landkreis in der Pflicht, den sozialen Wohnungsbau voranzutreiben. Derzeit herrsche in allen Landkreis-Kommunen Bedarf für Sozialwohnungen. Grund genug auch für das Landratsamt, das Problem zum Thema zu machen.

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