bedeckt München 22°

"Botschafterin Bayerns" aus Freising:Ein Jahr in Südafrika

Als "Botschafterin Bayerns" verbringt Evelyn Buchberger vom Camerloher-Gymnasium ein Schuljahr in Südafrika. Das Kultusministerium ermöglicht ihr diesen Auslandsaufenthalt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die 16-jährige Evelyn Buchberger geht für zehn Monate nach Südafrika. Dort will sie komplett in das Leben ihrer Gastfamilie eintauchen und sich auf die fremde Kultur einlassen.

Dänemark und Italien, das sind die internationalen Ziele, die Evelyn Buchberger bisher bereist hat. "Ich bin noch nie geflogen, nie aus der DB-Streckenweite herausgekommen", sagt die 16-Jährige. Dafür geht es von Ende August an für die Freisingerin einige Kilometer weiter: Südafrika heißt das nächste Ziel - und zwar für zehn Monate. Als "Botschafterin Bayerns" verbringt die Schülerin des Camerloher-Gymnasiums ein Schuljahr dort. Das Kultusministerium ermöglicht in Kooperation mit dem Deutschen Youth For Understanding Komitee Schülern im Alter zwischen 15 und 18 Jahren mit dem Stipendienprogramm "Botschafter Bayerns" einen Auslandsaufenthalt.

"Wenn ich eine Zeitmaschine hätte, würde ich mich in die Weimarer Republik beamen, in die goldenen Zwanziger. Ich finde das Jahrzehnt spannend, weil dort die erste Demokratie und anfängliche Frauenrechte in Deutschland aufkamen." Diese Antwort gab Buchberger im Vorstellungsgespräch für ihr Stipendium. Im Bewerbungsverfahren ginge es nicht nur nach den Noten, sondern viel mehr nach der Motivation ins Ausland zu gehen, erklärt die Schülerin. "Ich möchte in Südafrika nicht in den Urlaub fahren, sondern komplett ins Leben meiner Gastfamilie eintauchen. Es geht um Werte - und Kulturaustausch, es geht darum, mögliche Konflikte zu überwinden, und nicht oberflächliche Sightseeinghotspots abzuklappern", verdeutlicht die Freisingerin.

Sie möchte mit Einheimischen sprechen, Situationen und Meinungen nachvollziehen

Deshalb spiele es keine Rolle, in welches Land man reise, denn jedes Land sei zwar nicht gleich, aber gleich viel wert. Sie habe sich Südafrika nicht bewusst ausgesucht, sondern noch andere Länder als Präferenzen bei der Organisation angegeben. "Wenn ich schon die Möglichkeit habe, für das gleiche Geld in ein weit entferntes Land zu kommen, dann nehme ich die Chance auch an", sagt Buchberger. Aber jedes Land sei spannend und die Erfahrung, sich auf eine andere Kultur als die eigene einzulassen, sei der Kernpunkt.

Als Botschafterin Bayerns möchte sie mit den Einheimischen in den Diskurs gehen, Situationen und Eindrücke checken, um andere Meinungen nachvollziehen zu können. Dabei jedoch niemandem die eigene Ansicht aufdrücken wollen und sich selber in mancher Lage moderat zurücknehmen - empathisch sein. Buchberger selber ist politisch sehr interessiert: Sie besucht den Debattierklub ihrer Schule, war Teil des Jugendstadtrats, engagiert sich manchmal bei der Friday-for-Future-Ortsgruppe in Freising und informiert sich über das politische Geschehen.

Sie ist ziemlich aktiv. Am Wochenende besucht sie den Alpenverein, geht schwimmen oder fährt ins Zeltlager, wandert in den Bergen oder nimmt an Tagungen teil. Neben dem Unterricht in der Schule ist sie vor allem in kreative Projekte involviert: Musikunterricht für Klavier und Gesang, sie singt im Chor und setzt sich für ihre Mitschülerin der SMV ein.

"Ich stürze mich einfach gerne in Dinge, von denen ich absolut keine Ahnung habe"

Bei diesen vielen Aktivitäten fällt es bestimmt schwer, die Heimat hinter sich zu lassen, oder? "Ich habe die Hoffnung, dass nach dem Jahr alles ist, wie vorher. Ich wünsche mir den gleichen Kontakt zu meinen Freunden, aber bin mir auch bewusst, dass wir uns alle in der Zeit weiterentwickeln und ich wahrscheinlich in mancher Hinsicht bei Null anfangen werde", gibt die Schülerin zu. Trotzdem freue sie sich auf ihr Experiment in Südafrika: "Ich werde bestimmt einen Kulturschock bekommen, aber ich stürze mich einfach gerne in Dinge, von denen ich absolut keine Ahnung habe."

Nach ihrer Rückkehr wird sie die elfte Klasse des Gymnasiums wiederholen. Buchberger besucht zwar den Unterricht in Südafrika, sammelt dort jedoch keine Punkte fürs Abitur. "Ich mache aus meinem G 8 ein persönliches G 9", sagt die Schülerin. Generell nimmt sie sich den Druck für ihre Zukunft. Sie möchte dem Drang, früh studieren und arbeiten zu müssen, widerstreben. Die Liste ihrer Ideen für ihr späteres Leben sei lang. "Ich habe ehrlich gesagt noch viel zu viel Zeit, um mir jetzt meinen Kopf darüber zu zerbrechen. Ich konzentriere und freue mich jetzt erst mal auf meine Zeit in Südafrika", bekräftigt Buchberger. Und falls sie sich doch irgendwann entscheiden müsse, solle es zumindest was Kreatives sein und im Austausch mit Menschen stehen.