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Inhabergeführte Geschäfte:Freisinger Boutique: Klasse statt Masse

Der nächste Schritt im Sortiment sind Designer aus New York. Isolde Köckeis (links) liebt gute Mode und präsentiert sie auch in Freising. Kein Wunder, dass das Geschäftsjahr 2019 besonders erfolgreich war.

(Foto: Marco Einfeldt)

Isolde Köckeis legt in ihrem Modeladen "Maximilian" in der Oberen Hauptstraße Wert auf Qualität und Tragbarkeit.

Von Laura Dahmer, Freising

Die Mode hat Isolde Köckeis in die Wiege gelegt bekommen. Schon ihre Mutter war Schneiderin, sie folgte diesem Weg, machte erst eine Ausbildung zur Stylistin und im Alter von nur 24 Jahren dann ihren ersten eigenen Laden auf - einen Lederladen in München. "Mode ist ein Lebensstil. Je nachdem, wie ich angezogen bin, habe ich eine bestimmte Ausstrahlung und fühle mich gut", sagt die 55-Jährige über ihre große Leidenschaft. Seit bereits 18 Jahren führt sie nun ihr Damenmodegeschäft "Maximilian", zuerst im Chiemgau, zwei Jahre später zog sie zurück in ihre Heimatstadt Freising, weil dort ein Laden in der Oberen Hauptstraße frei war.

"Für mich ist besonders wichtig, dass die Ware hochwertig und nachhaltig ist und ich weiß, wer hinter der Marke steckt", sagt Köckeis und streicht über den weichen Stoff eines Cashmerepullovers. Alle Designer, deren Mode sie bei Maximilian verkauft, kennt sie persönlich, mit vielen ist sie befreundet. Mit ihrer engen Mitarbeiterin Sybille B. fährt sie mehrmals im Jahr auf "Order-Reise". Denn Köckeis verkauft nicht nur Mode aus Paris, Mailand und Düsseldorf, sie sucht sie dort auch persönlich neue Ware aus. Im neuen Jahr soll es zum ersten Mal nach New York gehen, um neue Labels zu suchen. Die Bestseller aus Köckeis Laden sind Woolrich-Jacken und Ugg-Boots, bei beiden Marken sei sie "Kundin seit erster Stunde", sagt die Freisingerin.

Im Modegeschäft "Maximilian" in der Oberen Hauptstraße in Freising gibt es viele Labels, die nicht jeder kennt, und die nur schwer zu bekommen sind.

(Foto: Marco Einfeldt)

Alles, was im Laden hängt, haben sie schon mal getragen

Bei ihr gibt es aber auch viele Labels, die nicht jeder kenne, und die nur schwer zu bekommen seien. "In der Modewelt herrscht ein harter Wettbewerb. Das ist vielen nicht so klar", meint Köckeis. "Wenn du diesen Job nicht richtig und mit Herzblut machst, bist du schnell wieder weg vom Fenster." Früher sei es durchaus üblich gewesen, das Frauen zuhause die Familie versorgt und nebenbei den Laden geschmissen hätten - heute sei das nicht mehr möglich. Köckeis stellt sich gegen Massenmode und Onlinehandel und sagt, Maximilian zeichne sich durch individuelle Beratung, hohe Expertise und gute Qualität aus. Ihre Philosophie: Nicht Masse kaufen, sondern auf die Wertigkeit schauen. Ein guter Pulli aus feinem Stoff sei zwar teurer, halte sich aber auch über viele Jahre.

In dem kleinen Laden hängen viele Jacken und Pullis, aber auch Schuhe, Taschen und Mützen gibt es bei Maximilian zu kaufen. Jeans ohne Chemie oder Pullover aus Cashmere - die Auswahl ist groß. Allerdings nur für Frauen, denn Köckeis führt aktuell nur Damenmode. "Viele Klamotten sind an der Stange nichtssagend und sehen angezogen auf einmal ganz anders aus", sagt ihre Mitarbeiterin. Alles, was bei Maximilian im Laden hängt, haben sie deshalb schon mal getragen, und wissen genau, wie es sich auf der Haut anfühlt und wie es sitzt. Während dieses Prozesses wird auch noch mal viel aussortiert. Köckeis Kunden wissen das zu schätzen und kommen, sagt sie, aus ganz Deutschland ganz gezielt zu ihr.

"Jeder Tag ist anders"

Und das Geschäft läuft: 2019 war das beste Jahr überhaupt, meint die Inhaberin zufrieden. 2017 dagegen habe sie die Baustelle gemerkt. "Wir hatten keine Parkplätze vor der Tür, ständig war es laut und staubig." Mittlerweile ist es wieder ruhiger, dementsprechend schreibt Maximilian gute Zahlen. Fünf Mitarbeiter beschäftigt Köckeis bei sich, eigentlich immer sind sie zu zweit im Laden.

Für die 55-Jährige ist der Beruf im Modegeschäft kein Verkäuferjob. "Es ist abwechslungsreich, du packst viel an. Jeder Tag ist anders", erzählt Isolde Köckeis weiter. Noch nicht ein Mal sei sie in all den Jahren morgens aufgestanden und hatte keine Lust, in ihren Laden zu kommen. Sie ist glücklich, mit Maximilian zurück nach Freising gezogen zu sein, in die Stadt, wo sie nach wie vor Familie und viele alte Bekannte hat. "Vielleicht gehe ich irgendwann wieder weg, aber jetzt noch nicht", sagt sie lächelnd. Jetzt freut sie sich erst mal auf New York und neue Marken. Vielleicht ist dann auch irgendwann mal Männermode dabei.

© SZ vom 30.12.2019/FPOL
Inhabergeführte Geschäfte in Freising

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