Verursacher gefunden Freisinger Züchter sind entlastet

Es könnte ein erster Schritt Richtung Entschädigung sein: Der Bayerische Landtag hat der Petition der Fischzüchter stattgegeben. Im Bild: Die Neufahrner Moosmühle.

(Foto: Andreas Gebert)

Die mit Malachitgrün belasteten Fische stammen offenkundig aus einem Betrieb im Landkreis Dachau, der in der Moosmühle Teiche gepachtet hat.

Von Alexandra Vettori, Freising

Der Fall von mit krebserregendem Malachitgrün belasteten Fischen gerät zum Krimi, vor allem für die betroffenen Fischzuchten im Landkreis Freising. Die neueste Wendung: Nicht einer der zwei seit einem halben Jahr gesperrten Betriebe aus dem Landkreis Freising könnte der Verursacher des Fischskandals sein, sondern einer aus dem Landkreis Dachau, der in der Neufahrner Moosmühle Fischteiche gepachtet hat. Von dort aus ist das seit 2004 verbotene Fischarzneimittel gegen Parasiten wohl in das Bachsystem im Freisinger Moos gelangt.

Für Fischzüchter Peter Baumgartner ist es ein schwacher Trost, dass er und sein Kollege Benjamin Nadler jetzt zumindest von dem Verdacht, die Umweltfrevler zu sein, frei sind. Denn der Freisinger Stadtfischer denkt ernsthaft ans Aufhören. "Wir verkaufen nur noch Kleinmengen, erst kürzlich ist ein weiterer Großkunde abgesprungen. Außerdem fehlt ein ganzer Fisch-Jahrgang, weil wir im September keine Setzlinge einbringen durften, und die Fix-Kosten laufen ja weiter."

Im September vergangenen Jahres sind drei Fischzuchten Moosach abwärts ab der Neufahrner Moosmühle von den Behörden gesperrt worden, seither werden regelmäßig Proben genommen, alles unbemerkt von der Öffentlichkeit. Publik wurde die Sache erst vor zwei Wochen, und dann schlug der Anglerverein Moosburg Alarm. Ende Januar war der Verein vom Landratsamt Freising darüber informiert worden, dass es ein Problem mit dem Wasser in der Moosach gebe. Eigene Ermittlungen und Untersuchungen von in der Isar ausgesetzten Fischen des Vereins ergaben, dass diese hoch belastet mit Malachitgrün waren. Die Setzlinge stammten aus einer Fischzucht im Landkreis. Die Staatsanwaltschaft Landshut ermittelt, Informationen dazu gibt es aber weder von ihr noch vom Landratsamt. Dort heißt es lediglich, dass zwei der drei gesperrten Betriebe chargenweise wieder frei gegeben seien, weil einzelne Teiche normale Werte aufweisen.

Dass der Verursacher jetzt fest steht, wird offiziell nicht bestätigt. In Fischerkreisen aber ist es ein offenes Geheimnis, dass ein Betrieb aus Hebertshausen im Landkreis Dachau eine Teichanlage in der Neufahrner Moosmühle gepachtet hat. Der Besitzer hat sich, nachdem er von Fischern auf das grüne Wassers angesprochen worden war, selbst angezeigt. Auf Nachfrage wollte er dazu nichts sagen. Allerdings ergaben Recherchen der SZ, dass der Hauptbetrieb in Hebertshausen auch schon seit Ende September vom Landratsamt in Dachau wegen erhöhter Malachitgrün-Werte gesperrt ist und seither nur noch Setzlinge aus einigen unbelasteten Teichen verkaufen darf. "Es wird laufend kontrolliert", betonte Amtssprecher Wolfgang Reichelt.

Hoffen auf die Versicherung

Den beiden beeinträchtigten Betrieben im Landkreis Freising hilft das wenig. Sie können nur Kleinmengen absetzen und hoffen, dass die Haftpflichtversicherung des Verursachers den Schaden ersetzt. Damit aber rechnet Peter Baumgartner frühestens in einigen Jahren: "Das gehört zu der Taktik der Versicherungen, dass die durch alle Instanzen gehen." Die nicht verkauften Fische dürfen die Züchter laut Tierschutzgesetz nicht töten, "betreutes Wohnen" nennt Baumgartner das.

Glimpflich davon gekommen sind die Fischzuchten, die am Lauf der Moosach oberhalb der Teiche an der Moosmühle liegen, die Fischzucht Nadler bei Günzenhausen etwa oder die Fischzucht Moosmühle. Auch die Fischzucht Mauka, die seit 1919 dem Landesfischereiverband gehört, ist weder belastet noch gesperrt. Sauer ist man beim Verband trotzdem, wie aus einer Pressemeldung hervor geht. Schließlich haben Fischereivereine monatelang belastete Fische in ihre Gewässer ausgesetzt. Jetzt sei das Landratsamt Freising zwar bemüht, alle Kunden der betroffenen Fischzucht zu informieren. In Zukunft sollte das aber schneller gehen.