Inlinehockey in Freising:Rollen statt Kufen

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Inlinehockey in Freising: Torwart Frank Gahr steht im Training unter Beschuss.

Torwart Frank Gahr steht im Training unter Beschuss.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Weihenstephan-Arena steht auch im Sommer nicht leer: Die Spieler der Zement Hacklazz trainieren regelmäßig in der Eishalle und nehmen seit diesem Jahr sogar an der offiziellen Pro Roller Hockey League Germany teil.

Von Charline Schreiber, Freising

Trainer Sebastian Thiede holt tief Luft und pustet in seine Trillerpfeife. Dem schleifenartigen Ton folgt ein lautes "Aufstellen!", fünf Sekunden später stehen 18 Inlinehockey-Spieler und -Spielerinnen vor ihm. In der Weihenstephan-Arena in Freising ist es an diesem Dienstagabend an die 30 Grad heiß. Die Luft ist verbraucht, es riecht nach Schweiß und Staub. "Wir spielen zwei gegen eins", sagt er und malt Linien auf die Taktiktafel. Bevor gegeneinander gespielt wird, muss sich das Team aufwärmen.

Seit Anfang April trainiert der Kader der Zement Hacklazz des ERSC Weihenstephan Freising für die Pro Roller Hockey League Germany in der Division "Bayern Starter". "Es soll nicht nur hell gegen dunkel spielen, wir wollten mehr Ernst in das Training bringen", sagt Mannschaftsführer Tobias Paugger. Drei Mal die Woche kommt das Team dafür für zwei Stunden zusammen. Gespielt wird bereits, seitdem der Eisplatz 1997 asphaltiert wurde. Vor sieben Jahren schlossen sich dann Inlineskater aus der Eishockeyabteilung der Freisinger Black Bears zusammen. 40 aktive Mitglieder zwischen 18 und 62 Jahren zählen die Inlinehockeyspieler aktuell. Sie halten Trainingslager ab, besuchen Turniere und tragen Freundschaftsspiele aus. Der Verein nehme zwar jetzt an der Liga teil, sagt Trainer Thiede, trotzdem seien die Zement Hacklazz immer noch ein Hobbyverein. Es ginge um den Spaß am Spiel, um den Sport und die gemeinsame Zeit.

Inlinehockey in Freising: Trainer Sebastian Thiede erklärt den Spielern an der Taktiktafel eine Übung. Bevor gespielt wird, muss sich das Team erst einmal aufwärmen.

Trainer Sebastian Thiede erklärt den Spielern an der Taktiktafel eine Übung. Bevor gespielt wird, muss sich das Team erst einmal aufwärmen.

(Foto: Marco Einfeldt)

In den Sommermonaten besteht die Lauffläche der Arena nicht aus Eis, sondern aus einem staubbedeckten Betonboden. Und weil darauf kein Eishockey gespielt werden kann, wird eben Inlinehockey gespielt. 85 Prozent der Spieler kommen aber aus dem Eishockey, sagt Thiede. Nur eine Handvoll sei unumwunden mit dem Inlinehockey eingestiegen. Auch deswegen gebe es im Team ein großes Leistungsgefälle. "Es gibt starke Spieler, die schon lange dabei sind und eben Anfänger. Beibringen möchte ich allen etwas." Thiede selbst spielt seit 20 Jahren Eishockey, fünf Jahre davon trainiert der 27-Jährige Inlinehockey.

Die Ausrüstung der Spieler gleicht der im Eishockey

Die Ausrüstung der Spieler, außer natürlich das Schuhwerk, gleicht der im Eishockey. Der Torwart trägt zusätzlich Goalie-Schienen, weiße Polster, die vom Fußknöchel bis knapp unter die Hüfte reichen. Unter manchen Eishockeytrainern ist Inlinehockey nicht gerne gesehen, das Fahren auf Inlineskatern ruiniere den Stil des Eislaufens. Soweit die Überzeugung. Thiede selbst glaubt daran nicht. "Im Sommer ist Inlinehockey eine gute Alternative. Und es ist besser als sechs Monate gar nichts zu machen." Um das Training angenehmer zu gestalten, soll Ende des Monats der Beton durch gedämpfte Sportfliesen ersetzt werden. Auch Schulen sollen dadurch die Eishalle besser nutzen können, für Sportarten wie Hockey, aber auch Fußball, Handball oder Volleyball.

Die Rollen der Inlineskater sind während des Auswärmens kaum zu hören. Das klackende Geräusch des Pucks hallt dafür aber im Sekundentakt durch die Arena, sobald er auf den Schläger oder die Bande trifft. Thiede pustet wieder in seine Trillerpfeife. Genug warmgelaufen, Zeit für ein Spiel.

Inlinehockey in Freising: Die Zement Hacklazz trainieren nicht auf Eis, sondern auf Beton. Erst im Winter werden die Rollen wieder gegen Kufen eingetauscht.

Die Zement Hacklazz trainieren nicht auf Eis, sondern auf Beton. Erst im Winter werden die Rollen wieder gegen Kufen eingetauscht.

(Foto: Marco Einfeldt)

Dabei fällt schnell auf: Inlinehockey ist sehr viel langsamer als Eishockey, dafür aber kontrollierter und weniger aggressiv. Außerdem stehen nicht fünf Spieler und ein Torwart auf dem Feld, sondern vier - zwei Verteidiger, zwei Stürmer. Da bedeutet auch, dass die Spieler während eines Spiels ständig mit denen auf der Bank rotieren. So kommt jeder in Aktion und kann sich abwechselnd unter der gestauten Hallenluft eine Pause und einen Schluck Wasser gönnen. "Der Unterschied zum Eishockey ist die Hitze", sagt ein Spieler, der gerade von der Fläche kommt, während ein anderer über die Bande auf den Beton springt. "Drei Minuten am Stück spielen und du wirst ganz schnell müde."

Mit Skates auf Beton kann man nicht so leicht bremsen wie mit Kufen auf dem Eis

Durch die Skates können die Spieler nicht so einfach abbremsen, wie auf dem Eis. Immer wieder laufen sie ins Leere, wenn der Puck vor ihren Füßen abgefangen wird. Sie sind nicht so wendig, können sich dafür aber für ihre Züge mehr Zeit nehmen. Es ist sogar möglich mit dem Handflächengroßen Puck die Tellergroßen Netze zu treffen, die in den beiden oberen Ecken des Tors hängen. Und wer die Füße nicht sieht, könnte beinahe vergessen, dass die Spieler hier nicht über Eis gleiten. Die Sommersaison macht es den Eishockeyfans so zumindest teilweise möglich, nicht ein halbes Jahr auf ihren Sport zu verzichten.

Für Interessiere veranstaltet der Förderverein des Eisstadions Freising jeden Samstagvormittag zwischen zehn Uhr und 13 Uhr einen Inlinetreff für alle Altersgruppen, zum Skaten, Hockey spielen und ratschen.

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