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Ausstellung in Freising:An der Schnittstelle

In ihrer Ausstellung "Hautnah" im Alten Gefängnis gehen Eva-Maria Bischof-Kaupp, Anette Bley und Marie-Annick Menet auf Tuchfühlung mit dem menschlichen Körper. Durch Papier, Ton und Farbe lösen sie die Grenze zwischen Innen- und Außenwelt auf.

Von Corinna Bail, Freising

FREISING:  Altes Gefängnis - Ausstellung HAUTNAH

Anette Bley, Eva-Maria Bischof-Kaupp und Marie-Annick Menet (von links) gut gelaunt bei der Ausstellungseröffnung.

(Foto: Johannes Simon)

Zwischen Masken, Mindestabstand und Social Distancing bleibt aktuell wohl wenig Platz für körperliche Nähe und Berührungen. Mit mehr als 100 Werkstücken und kontrastreichen Interpretationen laden die Künstlerinnen Eva-Maria Bischof-Kaupp, Anette Bley und Marie-Annick Menet in ihrer Ausstellung "Hautnah" nun auf unbedenkliche Weise dazu ein, in Kontakt mit der menschlichen Membran zu treten.

FREISING:  Altes Gefängnis - Ausstellung HAUTNAH

'Skizzenbuch' von Eva-Maria Bischof-Kaupp.

(Foto: Johannes Simon)

Die Integration der unterschiedlichen Ausgangspunkte der drei Kunstschaffenden in der Galerie im Alten Gefängnis erlaubt dabei ein komplementäres Erlebnis der Thematik. Anette Bley formt in ihren figürlichen und freien Plastiken aus Ton, Bronze, Gips und Holz unterschiedliche Gefühlswelten. "Mir geht es nicht darum, einen schönen oder entstellten Menschen zu zeigen", erzählt Bley bei der Ausstellungseröffnung am Donnerstag. Vielmehr versuche sie, allein durch die Körperhaltung eine bestimmte Emotion nach außen zu transferieren. Nicht selten vertrauen die Torsi mit ihrem runden, kantigen, krummen oder geraden Erscheinungsbild dem Betrachter deshalb ganz ohne Kopf und Hände ihr Gemüt an. Auch bei Eva-Maria Bischof-Kaupp steht der Mensch im Schaffensfokus: Farbenfroh tanzend begegnet er den Besuchern in den Aktgemälden. Die Akte erlaubten der in Neufahrn lebenden Künstlerin ein schnelles Porträtieren von Personen, wie sie selbst erklärt. Ihre Mohngeschichten erzählen hingegen von langwierigen Entstehungsprozessen, in denen Bischof-Kaupp das Papier dreidimensional präpariert, bevor sie mit dem Zeichenstift zu Werke geht. Mit unterschiedlichen Materialien wie getrockneten Blüten und Zeitungsschnipseln oder aber mit Stickereien und Prägungen formt sie komplexe Oberflächen, welche mit detailreichen Zeichnungen der Mohnknospe als Sinnbild der Härte und Zerbrechlichkeit des Menschen kombiniert werden. "Ich mag die Herausforderung, dass da ein Hindernis auf dem Papier ist. Ein einfaches weißes Blatt wäre mir zu langweilig", bekennt die Künstlerin. Auch in den Radierungen und Aquarellen von Marie-Annick Menet ist eine solche Komplexität in Form von Prägungen und Radierungen wiederzufinden. Die verschiedenen Versionen ihrer Motive sind auf spontane Tuschezeichnungen aus ihrer Jugend zurückzuführen. Die Erinnerung an ihr früheres Ich und die erlebten Gefühle bewegten sie zu den Adaptionen im neuen Glanz. Die in der Nähe von Versailles aufgewachsene und seit 22 Jahren in Erding wohnhafte Menet spielt in der Komposition ihrer malerischen Druckserien mit dem Überraschungsmoment verschiedener Farbkombinationen.

FREISING:  Altes Gefängnis - Ausstellung HAUTNAH

'Badende' von Anette Bley.

(Foto: Johannes Simon)

Fernab von Schönheitswahn und Körperkult lassen die drei Frauen auf unterschiedliche Weise das Wesen unserer Membran hautnah erleben. Bei der Vernissage am Donnerstag kamen bereits dreizehn Besucher mit diesen unverhüllten Einblicken in Berührung. In ihrer Eröffnungsrede dankte die Zweite Bürgermeisterin Eva Bönig (Grüne) den Künstlerinnen dafür, im von Distanz geprägten Alltag Kunst zugänglich zu machen. "Ohne Kunst, ohne Kultur liegen wir ja nur hinterm Grauschleier", betonte sie.

"Hautnah. Farbe - Ton - Papier", Altes Gefängnis Freising, 9.-18. Oktober 2020, geöffnet donnerstags und freitags 14-20 Uhr sowie samstags und sonntags 11-19 Uhr; Eintritt frei

© SZ vom 10.10.2020/beb

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