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Allershausener Energieversorgung:Wärmenetz wird zu teuer

Heizung

Im Baugebiet Eggenberger Feld-Süd wird es doch keine Wärme aus dem Nahwärmenetz geben. Es sei für die Bauherren günstiger, selbst Wärmepumpen einzubauen.

(Foto: dpa)

Die Gemeinde und die Bürger-Energie-Genossenschaft Freising ziehen die Reißleine, weil bei dem innovativen Vorhaben im neuen Wohngebiet Eggenberger Feld-Süd die Kosten aus dem Ruder gelaufen wären.

Es hätte nicht weniger als ein Leuchtturmprojekt für eine innovative Energieversorgung neuer Wohngebiete werden sollen. Doch die Verantwortlichen haben die Reißleine gezogen, weil die Kosten aus dem Ruder laufen. Am Mittwoch gaben Bürgermeister Rupert Popp (PFW) sowie Andreas Henze und Martin Hillebrand von der Bürger-Energie-Genossenschaft Freising bei einem Pressegespräch bekannt, dass es im Eggenberger Feld-Süd kein kaltes Nahwärmenetz geben wird. Zuvor war bereits ein noch komplexeres System gecancelt worden.

Vorbildcharakter soll das Allershausener Neubaugebiet dennoch haben. Fossile Energien sollen dort nicht zugelassen werden. Nach dem Baugebiet Amperauen in Moosburg ist es das zweite im Landkreis, für das eine solche Vorgabe gelten soll. Es werden folglich überwiegend Wärmepumpen sein, die für die künftigen Bauherren in Frage kommen.

Am Dienstagabend informierte Popp bereits die Gemeinderäte in nichtöffentlicher Sitzung über das Scheitern des Wärmenetz-Projekts. Dort gab es auch Kritik am Planer, der offenkundig nicht alle rechtlichen und fördertechnischen Hürden vorab geklärt hatte.

Es sei schade, dass kalte Wärmenetze nicht gefördert würden, sagt Andreas Henze.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Pläne für das Wärmenetz wurden erst im Mai abgespeckt

Bereits Ende Mai hatte die wenige Wochen zuvor gegründete Wärme- und Stromnetze GmbH (WSN) - Anteile halten die Bürger-Energie-Genossenschaft, die Gemeinde sowie Markus und Anton Schuhbauer - bekannt gegeben, dass sie die Pläne für ein komplexes Wärmenetz 4.0 mit eigenem Stromnetz und Blockheizkraftwerk aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen abspecken muss. Größte Hürde war, dass sich eine unabhängige Stromversorgung nicht verwirklichen lässt. Der Strom sollte an die Hausbesitzer verkauft werden - günstiger als bei anderen Anbietern. Eine Auseinandersetzung mit Energieversorger Bayernwerk hätte jedoch zu viel Zeit gekostet, sagte Martin Hillebrand.

Was zunächst blieb, war ein Teil der Vision eines komplett autarken Wohngebiets: die Verwirklichung eines sogenannten kalten Nahwärmenetzes für die Wärmeversorgung mit Kollektorflächen unter einem Acker und Wärmepumpen in den Häusern. Auch das wäre noch sehr innovativ gewesen, schilderte Henze. Allerdings habe sich in den vergangenen Wochen gezeigt, dass auch dieses Vorhaben nicht wirtschaftlich umgesetzt werden könne. Die Kosten für das reine Verteilnetz im Baugebiet waren bei der Kalkulation zunächst um 50 Prozent gestiegen und dann noch einmal um den gleichen Betrag - von zunächst 250 000 auf etwa 500 000 Euro. Das gesamte Projekt hätte sich von etwa 850 000 Euro auf mindestens 1,35 Millionen verteuert.

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Die Ausgaben für ein kaltes Nahwärmenetz hätten sich nach 40 Jahren erst amortisiert

Damit nicht genug: Es stellte sich laut Henze heraus, dass die WSN auch ohne den eingerechneten Zuschuss von 111 000 Euro auskommen müsste, weil die KfW, die Kreditanstalt für Wiederaufbau, generell keine kalten Nahwärmenetze fördert. Schwierigkeiten bereitete nach seinen Worten auch, dass die Autobahndirektion einer Verlegung der Leitungen von der Kollektorfläche ins Wohngebiet unter einem Feldweg neben der Autobahn nicht zustimmte. Daraufhin verhandelte die WSN mit Besitzern der angrenzenden Felder. Ein Notar habe abgeraten, sich auf deren Bedingungen einzulassen, sagte Popp.

Unter dem Strich müsse man bilanzieren, dass es für die Bauherren im Eggenberger Feld-Süd günstiger sei, wenn sie selbst Wärmepumpen in ihren Häuser installieren. Die Ausgaben für ein kaltes Nahwärmenetz hätten sich erst nach 40 Jahren amortisiert. "Das macht keinen Sinn mehr", sagte Popp. Er bedauerte das Scheitern des ambitionierten Projekts. Der Gemeinderat sei voll dahinter gestanden. Außerdem stecke ein halbes Jahr Arbeit drin, fügte Henze hinzu. Dennoch zeigten sich beide auch erleichtert, dass die Entscheidung nun gefallen ist. Es sei schade, dass kalte Wärmenetze nicht gefördert würden, sagte Henze. Gerade in städtischen Bereichen brauche es zentrale Lösungen für eine Versorgung mit regenerativen Energien. Sitzen bleibt die WSN auf den bisher getätigten Ausgaben von 40 000 bis 50 000 Euro. Ob die Gesellschaft aufgelöst wird, entscheidet sich im September.

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