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Bernd Hoff von den Aktivsenioren im Interview:"Ein großer Auftrag, der auf uns zukommt"

FREISING: Aktivsenior BERND HOFF -Montags-Interview

Bernd Hoff ist einer von insgesamt fünf Aktivsenioren im Landkreis Freising. Seit 20 Jahren engagiert er sich in dem Verein, der bayernweit agiert.

(Foto: Johannes Simon)

Der Freisinger Bernd Hoff engagiert sich seit 20 Jahren bei den Aktivsenioren und hat schon viele erfolgreiche Unternehmensgründungen begleitet. Nach der Corona-Krise rechnet er damit, dass der Beratungsbedarf steigen wird.

Von Gudrun Regelein, Freising

Bernd Hoff ist einer von insgesamt fünf Aktivsenioren im Landkreis Freising. Seit 20 Jahren engagiert er sich in dem Verein, der bayernweit agiert. Die ehrenamtlichen Mitglieder, Ex-Unternehmer, Manager und Experten, geben im Ruhestand ihr Wissen an Existenzgründer und kleine und mittlere Unternehmen weiter. Im Landkreis Freising werden mit Hilfe der Aktivsenioren jedes Jahr etwa 25 Businesspläne erstellt. "Das läuft sehr produktiv und zielorientiert", sagt Bernd Hoff. Er selbst hat in den vergangenen 20 Jahren mehr als 200 Klienten beraten, viele davon erfolgreich, erzählt der Aktivsenior im Gespräch mit der Freisinger SZ.

Herr Hoff, weshalb engagieren Sie sich bei den Aktivsenioren?

Bernd Hoff: Ich bin relativ früh aus dem Arbeitsleben ausgeschieden, wollte aber meine Fähigkeiten weiterhin nutzen und natürlich auch weitergeben. Früher habe ich schon einmal einen Selbsthilfeverein in München geleitet und damals die Erfahrung gemacht, dass Gutes zu tun wichtig für einen selbst ist. Aber ich profitiere noch auf ganz andere Art von den Aktivsenioren: Wir haben eine Fortbildungsakademie gebildet, um auf dem neuesten Stand zu bleiben - das bringt mir auch persönlich sehr viel.

Welche Klienten beraten Sie?

Das sind überwiegend arbeitslose Menschen, die uns von der Agentur für Arbeit geschickt wurden und nun etwas Eigenes auf die Beine stellen wollen. Mit diesen erarbeite ich einen Businessplan, das ist eine aufwendige Angelegenheit. Letztendlich soll es für meine Kunden möglich sein, einen Gründungszuschuss beantragen zu können. Andere melden sich, weil sie über die Presse oder das Internet von uns erfahren haben. Und dann gibt es noch diejenigen, die zu unserer monatlichen Sprechstunde in das Landratsamt kommen. Das sind Menschen aus allen Schichten, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen möchten.

Kostet das Angebot etwas? Und wie lange dauert die Begleitung?

Der Klient zahlt einmalig einen Deckungsbeitrag von 100 Euro und kann dann ein halbes Jahr lang die Beratung in Anspruch nehmen - wie oft er das tut, ist seine Entscheidung. In der Regel dauert eine Begleitung nicht sehr lange, denn das Ziel unserer Kunden ist, möglichst schnell einen Businessplan mit der begehrten Tragfähigkeitsbescheinigung zu bekommen, um einen Antrag auf Unterstützung stellen zu können. Durchschnittlich brauche ich für eine Beratung - vom ausführlichen Erstgespräch bis hin zum Abschluss - etwa 20 Stunden.

Wie läuft die Beratung normalerweise ab?

Die beginnt mit einem persönlichen Treffen, das bis zu zwei Stunden dauern kann und bei dem ich gut zuhöre, um etwas über die Persönlichkeit und Pläne meines Klienten zu erfahren. Mit meinem langjährigen Erfahrungsschatz kann ich relativ schnell beurteilen, ob das Vorhaben erfolgreich sein könnte. Danach läuft viel über Telefonate, E-Mails oder Whatsapp - wenn Fragen auftauchen, beantworte ich diese sehr zeitnah. Ziel ist, einen professionellen Businessplan in Word und Excel zu haben, der die verlangte Reife besitzt.

Bekommen Sie später auch Feedback, wie es dann gelaufen ist?

Im Abstand von zwei bis drei Monaten rufe ich bei meinem Klienten an und erkundige mich, wie das Geschäft läuft, ob es ein Erfolg ist. Im Landkreis Freising ist nicht alles so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe - aber es gab und gibt auch erfolgreiche Projekte. Wir wollen ja die Menschen nicht ins Unglück rennen lassen. Manche Idee rechnet sich einfach nicht, bei manchen reicht auch das finanzielle Polster nicht aus. Meine Erfahrung zeigt mir sehr schnell, wo die Schwachstellen sind - und dann rate ich auch schon mal jemandem, erst einmal im Angestelltenverhältnis zu arbeiten.

Was hat sich durch die Corona-Krise für Sie verändert?

Die Sprechstunden, die jeden Monat im Landratsamt stattfinden, müssen ausfallen. Momentan gibt es keine persönlichen Kontakte, alles läuft über Whatsapp, E-Mails oder Telefon. Das direkte Gespräch fehlt mir schon, ich bin der Meinung, dass die persönliche Begleitung nicht durch Technik zu ersetzen ist. Aber auch die Themen haben sich verändert. Zunehmend geht es nun um Rettung von Firmen, zum Beispiel durch Geschäftsmodellanalysen, Optimierung von Marketing und Vertrieb, Rentabilität und um Unternehmensnachfolgen. Das ist ein großer Auftrag, der auf uns zukommt.

Und nach Corona? Wie geht es da weiter?

Wenn die Kurzarbeitgelder auslaufen, wird es ein großes Problem geben - für die Firmen und für die Mitarbeiter. Und wenn die Wirtschaft nach Corona dann endlich wieder anläuft, werden wir sicher auch viel zu tun haben: mit Gründungsberatungen, beim Coaching und mit vielem mehr.

© SZ vom 15.06.2020/nta

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