Flughafen München Singapur wird gestrichen

Lufthansa stellt Verbindung ein - angeblich, weil die dritte Startbahn gescheitert ist, doch Experten und Politiker glauben nicht, dass das der wahre Grund ist

Von Marco Völklein

Die Lufthansa zieht erste Konsequenzen aus dem Bürgerentscheid vom 17. Juni, bei dem sich die Mehrheit der Münchner gegen den Bau einer dritten Startbahn am Flughafen ausgesprochen hatte. Mitte Oktober streicht die Gesellschaft ihre bisherige Verbindung von München nach Singapur und Jakarta. "Mit dem derzeitigen Zwei-Bahnen-System wird die weitere Flugplanentwicklung am Standort an ihre Grenzen stoßen", sagte Münchens Lufthansa-Chef Thomas Klühr. Der Konzern werde Verkehrswachstum nur noch dort darstellen können, "wo noch ausreichend Infrastruktur verfügbar" sei.

Derzeit bedient das Unternehmen die Strecke fünfmal in der Woche - allerdings nicht kostendeckend, wie eine Lufthansa-Sprecherin sagte. Um langfristig das Angebot in die schwarzen Zahlen zu fliegen, habe man zusätzliche Zubringerflüge mit Umsteigern vor allem aus Osteuropa nach München anbieten wollen. "Doch diese langfristige Perspektive ist nun nicht mehr gegeben", erklärte die Sprecherin weiter. Denn gerade zu den Hauptverkehrszeiten seien auf dem bestehenden Zwei-Bahnen-System kaum mehr freie Start- und Landerechte ("Slots") zu ergattern. Bei einer Zustimmung der Münchner zu den Plänen hätte der Konzern einen "langen Atem" bewiesen und den defizitären Langstreckenflug noch einige Jahre durchgeschleppt, sagte die Sprecherin. Geplant war die Inbetriebnahme der dritten Piste für 2015.

Branchenkenner verweisen allerdings darauf, dass die Lufthansa seit kurzem von Frankfurt aus Singapur mit dem Riesen-Airbus A 380 anfliegt - und damit Überkapazitäten geschaffen habe. Zudem läuft die Konjunktur schlecht, die Kerosinkosten sind enorm gestiegen - der Konzern hatte daher zuletzt ein Sparprogramm aufgelegt. Der CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume kritisierte daher die Lufthansa scharf und sprach von einer "abenteuerlichen Begründung". Für das aus seiner Sicht "wichtige Projekt einer dritten Start- und Landebahn" sei es besser, "mehr Ehrlichkeit in der Debatte zu zeigen, statt sich beleidigt in die Ecke zu stellen". Zuletzt hatte die Lufthansa einen anderen Langstreckenflug von Frankfurt nach München geholt, um in Frankfurt das rigide Nachtflugverbot zu meiden. Dies sei "eine Ausnahme" und nur möglich gewesen, weil der Flug am späten Abend abhebt, sagte die Sprecherin. Da seien noch genügend Slots frei.