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Energiewende:Solarstrom vom Balkon

Sepp Beck (Agenda 21), Rainer Teschner ( Solarfreunde Moosburg), Marie Hünecke (Klimaschutzmanagerin) und Tobias Grießl (Stadtwerke, v.l.).

(Foto: Marco Einfeldt)

Man muss kein eigenes Haus besitzen, um Sonnenenergie zu nutzen. Sepp Beck und Rainer Teschner von der Agenda-21-Gruppe werben für Mini-Photovoltaikanlagen, die sich einfach installieren lassen

Von Clara Wollmann, Freising

Die Sonne scheint nicht stark vom grau bedeckten Himmel, doch die Photovoltaikanlage, die Sepp Beck und Rainer Teschner von der Agenda-21-Gruppe "Energie und Klimaschutz" präsentieren, misst 120 Watt. "In meinem Garten bin ich zu dieser Jahreszeit meist bei 320 Watt. Das reicht aus, um eine kleine Herdplatte auf erster Stufe zu betreiben", sagt Beck. Mit Solarenergie kann jeder seinen Teil zur Energiewende beitragen, das ist nichts Neues. Möglich ist das jetzt auch auf Balkon oder Terrasse, das demonstrieren die beiden vor dem Energielokal der Stadt Freising.

Der durch Solarzellen, etwa auf dem eigenen Dach, gewonnene Strom kann elektrische Geräte betreiben, in einer Batterie gespeichert oder, sofern er in Wechselstrom umgewandelt ist, ins öffentliche Netz eingespeist werden. Laut Prognose des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie werden 2030 bis zu zehn Prozent des weltweiten Bedarfs durch Solarstrom gedeckt sein. Das bedeutet eine Kapazität von 2500 Gigawatt, gewonnen aus Sonnenenergie, 2016 waren es lediglich 227 Gigawatt. Was den flächendeckenden Ausbau angeht, gibt es noch Luft nach oben.

Das weiß auch Marie Hüneke, Klimaschutzmanagerin der Stadt Freising: "Unter den erneuerbaren Energien hat die Photovoltaik im Stadtgebiet das größte Zuwachspotenzial", sagt sie. Ziel sei es laut dem integrierten Klimaschutzkonzept der Stadt, bis 2035 rund 85 000 Megawattstunden Solarstrom ins Netz einzuspeisen.

Zum Ausbau der Solarstrom-Gewinnung eignen sich auch Mini-Solarzellen mit bis zu 300 Watt, denn wer sie betreiben möchte, benötigt nicht einmal ein eigenes Dach. Dank ihrer Größe lassen sie sich auf Balkon oder Terrasse anbringen, selbst ein Umzug ist kein Problem, wie die Agenda-Gruppe erläutert. Notwendig ist eine spezielle Außensteckdose.

Tobias Grießl von den Freisinger Stadtwerken weist daraufhin, dass jede Anlage angemeldet werden muss. Den bürokratischen Aufwand habe man im vergangenen Jahr zu verringern versucht, nun sei dies durch ein einfaches Formular auf der Website möglich. Vor Inbetriebnahme müsse der Netzbetreiber überprüfen, ob die Anlage über den richtigen Stromzähler verfüge. Auch wenn in Freising das meistens der Fall sei, könnten bei einem Austausch zusätzliche Kosten anfallen.

"Das Schöne ist", so Grießl, "dass ein kleines Balkonkraftwerk mit bis zu 600 Watt nicht nur was für Häuslebauer ist." Das sei für alle geeignet, egal ob Mieter oder Eigentümer. In Zukunft wollen die Stadtwerke einige Mini-Anlagen auf Lager haben und auf Anfrage verteilen.

Die Anschaffung ist nicht ganz günstig. Ein solches Solarmodul mit Wechselrichter kostet ungefähr 500 Euro. Die Investition zahle sich aber aus, auch wenn es preisgünstigere Alternativen mit weniger Qualität gebe, so Beck. Eine Kilowattstunde produziere eine solche Anlage für umgerechnet zehn Cent, beim Energiehersteller koste diese 30 Cent, zählt Teschner auf. "Wer keine Solarzelle zuhause hat, der kann entweder nicht rechnen oder weiß es einfach nicht."

Das will die Agenda-21-Gruppe ändern. Jedem, der mit Solarenergie seinen Teil zur Energiewende leisten möchte, stehen die Aktiven mit Rat und Tat zur Seite, wie sie betonen. Aus diesem Grund bieten sie einen Beratungsservice an, der von April bis Oktober jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat im Energielokal in Freising am Rindermarkt 5 stattfindet. Sie haben angeboten, bei den ersten 20 Interessierten vorbeizukommen, um Fragen zu klären und die Sonne auf dem Balkon zu begutachten.

© SZ vom 19.09.2020

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