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Dritte Startbahn für Flughafen München:Traurige Bilder

Mehr noch: Ohne den Flughafen mit seinen weiten Flächen, auf denen sich Wiesenbrüter niederlassen können, gäbe es das Vogelschutzgebiet gar nicht, argumentiert der Airport. Daher werde man beim Bau der dritten Piste die Wiesen, die innerhalb des Airport-Areals liegen, auch so anlegen und pflegen, dass "sie den Ansprüchen dieser Vogelarten dauerhaft genügen".

Zudem werde man künftig Land, das heute noch von Bauern intensiv für den Ackerbau genutzt wird und damit keinen Raum für seltene Pflanzen und Tiere bietet, umwandeln und für die Tier- und Pflanzenwelt "qualitativ verbessern".

Das höre sich zwar alles gut an, entgegnet Margraf und stapft dabei über eine der Ausgleichsflächen südlich des Flughafenzauns, die beim Umzug vor 20 Jahren angelegt wurden. "In der Praxis aber funktioniert es nicht."

Rund um die Wiese, auf der sich Brennnesseln und Goldruten ausgebreitet haben, stehen Ahornbäume. Vögel zwitschern, Schmetterlinge flattern - für den Laien wirkt das alles sehr naturnah, fast idyllisch. Für die Biologin aber ist es ein "Allerweltsgrün".

Die Ahornbäume? "Haben mit einem Niedermoor nichts zu tun", im Erdinger Moos also eigentlich nichts zu suchen. Die Büsche am Rande der Fläche? "Sind für die Brachvögel tödlich." Denn die bräuchten offene Flächen, um Räuber, etwa einen Fuchs, schon von Weitem zu erkennen. Und die Brennnesselflächen? "Zeigen nur, dass der Boden zu reich an Nährstoffen ist." Anspruchsvollere Sauergräser, Orchideengewächse und Kräuter, die auf den ursprünglich eher nährstoffarmen Moorböden eigentlich zu Hause wären, hätten keine Chance, sagt Margraf.

Und mangelt es an Gräsern wie dem Wiesenknopf, dann bleibt auch der Wiesenknopf-Ameisenbläuling aus, ein Schmetterling, der zu den gefährdeten Arten zählt. In der Natur hängt eben alles irgendwie zusammen.

Das gelte im übrigen auch für das Grundwassermanagement rund um den Flughafen, sagt Margraf. Der Airport steht in einem Moor. Damit Landebahnen, Terminals und Wartungshallen nicht im Morast versacken, wurde das Grundwasser abgesenkt. Margraf deutet auf eine Silberweide, ein Baum, der für eine Naturlandschaft wie das Erdinger Moos typisch sei, anders als der Ahorn daneben.

Allerdings gibt er ein trauriges Bild ab: Die Haupttriebe sind abgestorben, der ganze Baum wirkt verkümmert. "Hier ist das Grundwasser weggesackt", sagt Margraf. Als Beweis deutet sie auf den Graben daneben. Wasser fließt darin nicht. "Alles strohtrocken."

Damit auch die geplante dritte Startbahn nicht im Matsch versinkt, muss auch das Grundwassermanagement auf weitere Flächen ausgedehnt werden. Aber die Auswirkungen daraus habe man im Griff, versichern die Flughafenplaner. So umfassen allein die "wasserwirtschaftlichen Maßnahmen", die sie der Regierung von Oberbayern zur Genehmigung vorlegen mussten, vier dicke Aktenordner.

Naturschützerin Margraf bleibt trotzdem skeptisch: "Wenn ich mir das hier anschaue, habe ich Zweifel, ob man die Natur wirklich im Griff haben kann." Ihr Blick fällt wieder auf eine weite, grüne Fläche. Sie ist dicht bewachsen. Mit Goldruten und Brennnesseln.