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Digitalisierung:Papier, Stift und ein Tablet

Digitale Schule

An den Schulen sieht Humborg das größte Digitalisierungsproblem, das sich in der Coronakrise gezeigt hat.

(Foto: Julian Stratenschulte/picture alliance/dpa)

Am Camerloher-Gymnasium sollen in einer gebundenen Ganztagsklasse die digitalen Möglichkeiten im Unterricht ausgeweitet und erprobt werden - ein Konzept für die Zukunft, wie es an der Schule selbstbewusst heißt.

Von Gudrun Regelein, Freising

Das musische Camerloher-Gymnasium in Freising ist das einzige der fünf Landkreis-Gymnasien, das die gebundene Ganztagsklasse für die fünfte und sechste Jahrgangsstufe anbietet. Start war vor vier Jahren zum Schuljahr 2017/2018. Ab dem kommenden Schuljahr wird es dort nun eine Ganztags-Tablet-Klasse geben. Das bedeutet, dass jede Schülerin und jeder Schüler im Unterricht mit einem eigenen Tablet arbeitet. Die Idee dazu hatte die Deutschlehrerin Martina Wildgruber, die schon Mitinitiatorin der gebundenen Ganztagsklasse war. Sie ging nach dem ersten Lockdown auf die Schulleitung zu - und traf dort auf offene Ohren.

Das Tablet biete eine optimale Ergänzung und Erweiterung der Methodenvielfalt im Unterricht, sagt Wildgruber. "Was man analog macht, kann man auch digital machen." On top - und das ist für sie der große Mehrwert - können die Schülerinnen und Schüler der Tablet-Klassen aber auch neue Sachen im Unterricht einbauen, beispielsweise Erklärfilme selber drehen und schneiden. Texte können gemeinsam geschrieben, Videos gedreht und mit Audiodateien gearbeitet werden, daneben können auch Grafiken und Präsentationen erstellt werden. Anderer großer Pluspunkt sei das individuelle Feedback, das nun möglich werde, sagt Wildgruber.

Kompetenz vermitteln

Die Schüler werden schrittweise lernen, mit digitalen Hilfsmitteln umzugehen, daneben gehe es darum, ihnen Kompetenz im Umgang mit den digitalen Medien zu vermitteln. Denn digitale Lernmethoden sind das Modell der Zukunft, sagt Wildgruber. In anderen Ländern sei es bereits Standard, dass Schüler dort von Anfang an ein eigenes Tablet haben, das sie durch die gesamte Schulzeit begleitet. In Deutschland werde das hoffentlich auch irgendwann Normalität sein. "Die Frage ist, was der Gesellschaft Bildung wert ist."

Spätestens seit Beginn der Corona-Krise sei deutlich geworden, wie wichtig die digitalen Lernmethoden tatsächlich sind, sagt Jochen Meyer, Mitarbeiter des Direktorats. "Das sah und sieht man ja am Homeschooling." Das neue Konzept solle aber nicht den konventionellen Unterricht verdrängen, sondern ihn ergänzen, betont er.

Papier und Stift bleiben erhalten

Für den Beginn sind zunächst 80 Prozent für den konventionellen und 20 für den digitalen Unterricht eingeplant. Das Digitale solle zwar in den Unterricht eingebaut werden - aber Papier und Stift werde es weiterhin geben. Das Lernen von Vokabeln könne zwar auch im 21. Jahrhundert durch das wiederholte Lesen passieren, genauso aber durch Abspielen von Erklärvideos oder Audiodateien. "Die Lernmöglichkeiten und Lernmethoden werden mit den Tablets erweitert." Die Ganztagsklassen seien für dieses Konzept besonders geeignet, bieten sie doch die Lernzeiten: In diesen wird selbständig gearbeitet, Eigenes kann gemacht werden. "Das bietet Freiräume für den Einsatz des Tablets an."

Es ist der rhythmisierte Tagesablauf, der die gebundene Ganztagsklasse charakterisiert, erklärt Wildgruber. Das bedeutet, dass der Unterricht über den ganzen Tag hinweg verteilt wird. Dazwischen aber gibt es Phasen der Entspannung, das gemeinsame Mittagessen, Bewegung, Pausen und die Lernzeit. Zudem sind die maximal 24 Schüler der gebundenen Klasse jeden Tag immer mit denselben Kindern zusammen, das führt zu einer sehr starken Klassengemeinschaft. Und sie werden immer von ihren Fachlehrern betreut. Bei diesen Klassen werde großer Wert auf das "Lernen lernen" gelegt, darauf also, eigenverantwortlich und selbständig arbeiten zu können, erklärt Wildgruber.

Momentan gibt es zwei gebundene Ganztagsklassen am Camerloher, eine fünfte und eine sechste. Auch hier läuft derzeit alles als Distanzunterricht: So gibt es statt der Beratung in den Lernzeitstunden nun Videosprechstunden - und in der Freizeit organisiere man Spielestunden, gemeinsames Basteln oder Kochen. Das Modell werde angenommen, die Nachfrage sei da, sagt Wildgruber. Erstaunt ist sie darüber nicht, denn: Das Angebot entspreche den Bedürfnissen der heutigen Gesellschaft. Und es biete gerade Kindern, die eine gymnasiale Eignung haben und deren Eltern keine optimale Begleitung bieten können, einen "guten Start".

Anmelden kann man sich für die Tablet-Klasse im gebundenen Ganztag am Camerloher-Gymnasium noch bis Mittwoch, 12. Mai. Weitere Informationen: www.camerloher-gymnasium.de.

© SZ vom 10.05.2021
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