Aktuelle Daten für das  Münchner Umland:Kaum Zuzug in der Corona-Krise

FREISING: Einfahrende S-Bahn S1 - Bahnhof

Ein weiterer Indikator für die Corona-Krise ist die Mobilität. Beschränkungen, Maskenpflicht, Homeoffice und geschlossene Geschäfte haben das Mobilitätsverhalten 2020 stark verändert. Die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ging stark zurück.

(Foto: Johannes Simon)

Die Pandemie zeigt erste Auswirkungen auf Einwohner- und Wirtschaftszahlen in der Region. Der Arbeitsmarkt ist noch erstaunlich robust, das dürfte aber auch am Kurzarbeitergeld liegen.

Von Alexandra Vettori

Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) hat seine jährlich erscheinenden Regionsdaten veröffentlicht. Sie belegen, was zu vermuten war: Während 2019 noch alles normal lief und Einwohner-, Wirtschafts- sowie Beschäftigtenzahlen stiegen, so zeigen die Daten 2020 erste Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Zur Region München gehören neben der Landeshauptstadt auch die acht sie umgebenden Landkreise Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg, München und Starnberg. Seit 1999 verzeichnet der Raum ein stetes Wachstum, bei sämtlichen Parametern. So stieg die Einwohnerzahl in der Region von 2009 bis 2019 um etwa 273 000, von rund 2,65 auf 2,93 Millionen Menschen. Die Einwohnerzahlen sind es auch, an denen sich laut Planungsverband die Corona-Baisse zuerst ablesen lässt: "Da das Bevölkerungswachstum in der Region München vorwiegend auf Wanderungsüberschüsse aus dem Ausland zurückzuführen ist und diese vor allem wirtschaftsgetrieben sind, musste mit der Nullrunde beim Bevölkerungswachstum für 2020 gerechnet werden", schreibt er in der Erläuterung. Tatsächlich zählte die Bevölkerung zum 30. September 2020 nur knapp 3500 Einwohner mehr als 2019.

An den Arbeitslosenzahlen lässt sich die Corona-Krise allerdings noch nicht ablesen, das verhindern die geltenden Regeln zum Kurzarbeitergeld. 2019 arbeiteten rund 1,5 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Region, davon 897 000 in München und 602 000 im Umland. Die Zahl der Kurzarbeiter lag im April und Mai 2020 bei über 250 000. Die Zahl der Arbeitslosen war 2020 nur unwesentlich höher als 2019. Allerdings werden in den Statistik nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte erfasst und somit nicht alle Erwerbstätigen. Es sei zu vermuten, heißt es in dem PV-Bericht, dass in der Krise vor allem marginal Beschäftigte wie 450-Euro-Jobber und Selbständige 2020 ihre Arbeitsgrundlage verloren haben.

Im Landkreis Freising hat sich auch die Zahl der registrierten Arbeitslosen leicht erhöht. Waren es im Januar 2020 noch 2696, zählte man im Mai schon 3276. Die aktuellste Zahl aus dem Januar 2021 lautet 3642. Die Arbeitslosenquote stieg von durchschnittlich 2,0 im Jahr 2019 auf 3,3 im Januar 2021.

Ein weiterer Indikator für die Corona-Krise ist die Mobilität. 2019 waren in der Region werktags 1 035 000 Menschen unterwegs, 270 000 mehr als 2009. Beschränkungen, Maskenpflicht, Homeoffice und geschlossene Geschäfte haben das Mobilitätsverhalten 2020 stark verändert. Die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ging stark zurück, im April 2020 lagen die Fahrgastzahlen der Münchner Verkehrsgesellschaft bei nur 27 Prozent des Werts im Winter davor. Auch die Fahrgastzahlen der S-Bahn München gingen von März 2020 an mit bis zu 90 Prozent drastisch zurück.

Die Zahl der Insolvenzen hat in der Region zumindest bis jetzt nicht dramatisch zugenommen: Sie lag im März 2019 bei 214, im März 2020 bei 241. Im Landkreis waren es im gleichen Zeitraum zwölf beziehungsweise 13. Im Verlauf von 2020 nahm die Zahl sogar ab: Regionsweit wurden im Dezember 2019 insgesamt 151 Insolvenzen gemeldet, im Dezember 2020 waren es 144. Im Landkreis Freising waren es drei beziehungsweise sieben. Als Gründe vermutet man die Corona-Wirtschaftshilfen. Mit dem ersten Lockdown Mitte März 2020 kamen Handel und Gewerbe dann quasi zum Erliegen. Entsprechend geringer fielen die Gewerbeanmeldungen im Vergleich zu 2019 aus. Von Mai an nahmen die Anmeldungen aber wieder zu und liegen seitdem über den Werten von 2019. Überraschenderweise sind März bis Mai 2020 auch die Gewerbeabmeldungen unter den Zahlen von 2019. Das statistische Bundesamt begründet das mit der Corona-bedingten Einstellung des Besucherverkehrs in den Gewerbeämtern und der wirtschaftlichen Unsicherheit.

Nur eines bleibt auch von Corona unbeeindruckt, die Immobilienpreise. Der Quadratmeterpreis für ein Ein- oder Zweifamilienhaus schwankte im vierten Quartal 2020 zwischen 4444 Euro im Landkreis Weilheim-Schongau und 9742 Euro im Landkreis München. Im Vorjahr lag er noch bei 4106 Euro beziehungsweise 8653 Euro.

© SZ vom 13.03.2021
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