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Wohlfahrtsverbände warnen:Notlagen nehmen durch Corona zu

Freie Träger wie die Caritas übernehmen die Flüchtlings- und Integrationsberatung im Landkreis - bekommen das Angebot aber nicht vollständig finanziert.

(Foto: Marco Einfeldt)

Immer mehr Menschen geraten durch Kurzarbeit in finanzielle Schwierigkeiten. Caritas und Diakonie registrieren aktuell eine starke Nachfrage bei der Schuldnerberatung im Landkreis Freising.

Von Gudrun Regelein, Freising

Die Corona-Krise und ihre Folgen hat auf die Arbeit der Wohlfahrtsverbände spürbare Auswirkungen. Die Zahlen der Klienten, die Hilfe suchen, ist stark angestiegen. "Die Corona-Krise ist inzwischen in jedem Fachbereich der Caritas ein großes Thema", sagt Kreisgeschäftsführerin Bettina Erifiu-Wolf. "Aber in der sozialen und in der Schuldnerberatung ploppt es besonders stark auf." Die Beratung sei sehr stark ausgelastet.

Die Kurzarbeit und das dadurch reduzierte Einkommen ist von einem früheren Randthema zu einem großem geworden, berichtet Erifiu-Wolf. Die Arbeitslosigkeit sei gestiegen, in Freising liege sie derzeit bei 3,1 Prozent - im Vorjahr waren es noch 1,9 Prozent gewesen. Das macht sich in der Schuldnerberatung bemerkbar: "Bestehende Verbindlichkeiten können von unseren Klienten nicht mehr bedient werden. In gravierenderen Fällen kommt es auch zu Schulden bei der Energieversorgung oder zu Mietschulden", erklärt Erifiu-Wolf. Zudem gebe es eine hohe Zahl an Gewerbetreibenden, die mittlerweile zahlungsunfähig seien und deshalb in die Beratung kommen.

Problematisch in vielen Fällen aber ist, dass es momentan sehr lange dauert, bis vom Jobcenter eine Rückmeldung zu den beantragten Leistungen kommt. "Das liegt an der Vielzahl der Anträge", sagt Erifiu-Wolf. "Aber das macht die Not der Betroffenen natürlich noch einmal größer." Viele der Menschen, die seit Monaten in Kurzarbeit sind, seien inzwischen in die Bedürftigkeit abgerutscht.

64,3 Prozent mehr Bezieher von Arbeitslosengeld

Die Zahlen der Agentur für Arbeit Freising sprechen eine deutliche Sprache: Im März 2020 gab es im Landkreis Freising 1588 Bezieher von Arbeitslosengeld. Im August lag die Zahl bereits bei 2430 - das sind 951 mehr Bezieher oder ein Plus von 64,3 Prozent im Vergleich zum August 2019. Ähnlich ist es bei den Hartz-IV-Empfängern: Im März 2020 waren es noch 1744 Leistungsberechtigte, im August dann bereits 2229, was im Vergleich zum August 2019 ein Plus von 510 Empfängern - beziehungsweise 30 Prozent mehr - bedeutet.

Bei der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (Kasa) der Diakonie Freising ist die Klientenzahl in der jüngsten Zeit so stark angestiegen, dass es bereits Wartelisten gibt, berichtet Vorständin Beate Drobniak. Themen hier sind neben der Existenzsicherung das Wohnen und die häufig sehr schwierige Mietfinanzierung sowie durch die Kurzarbeit bedingt mehr Anträge auf Hartz IV. Bis diese bewilligt werden, dauere oft lange, sagt auch Drobniak, "Wir sind bei vielen Fällen finanziell eingesprungen und haben mit der Corona-Nothilfe der Evangelischen Landeskirche rasch geholfen." Neben den finanziellen Nöten ist die Vereinsamung, die durch die Corona-Krise ausgelöst wurde, Thema der Beratung. "Das betrifft gerade Senioren und psychisch instabile Menschen besonders. Die kommen damit einfach nicht mehr klar", berichtet Drobniak. Die Anfragen bei der Kasa übersteige die Kapazitäten dessen, was man leisten könne. "Wir kommen nicht mehr hinterher."

Was sowohl von der Diakonie als auch der Caritas kritisiert wird, ist die mangelnde Finanzierung ihrer Arbeit. Sie wünsche sich eine vollständige Refinanzierung, sagt Drobniak. "Wir bekommen zwar einen Zuschuss, aber wir müssen aus Eigenmittel unsere Arbeit mitfinanzieren. Und das wird immer schwieriger." Die Spenden dagegen seien schwerer kalkulierbar, hier befürchtet die Freisinger Diakonie-Vorständin einen spürbaren Einbruch aufgrund der Corona-Krise.

Von einer angespannten finanziellen Lage und mangelnder Finanzierung bestimmter Dienste berichtet auch Bettina Erifiu-Wolf. Sie hofft nun auf großzügige Spenden bei der Caritas-Herbstsammlung, die von Sonntag, 27. September, bis Sonntag, 4. Oktober, läuft: "Jeder Euro trägt dazu bei, die Not vor Ort zu mildern."

© SZ/nta
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