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 Kandidat für die Bundestagswahl:Mensch statt Kapital

Der 31-jährige Nicolas-Pano Graßy will für die Linke in den Bundstag.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Freisinger Kreisvorsitzende Nicolas Graßy soll für die Linke in den Bundestagswahlkampf ziehen. Sein Ziel ist es, die Politik seiner Partei in die Öffentlichkeit zu tragen, gegen Profitgier und für den Frieden einzutreten.

Von Peter Becker, Freising

Einen radikalen sozialen Kurswechsel im Land strebt Nicolas Graßy, der Kandidat der Linken im Wahlkreis, für die Bundestagswahl im September an. Der 31-jährige Stadtrat und Kreisverbandsvorsitzende wurde in einer Onlinesitzung mit acht Stimmen nominiert. Er selbst rechnet sich angesichts der Konkurrenz wenig Chancen aus, das Direktmandat zu erringen. "Es geht nicht darum, den Wahlkreis zu gewinnen", sagte Graßy, sondern die Politik der Linken in die Öffentlichkeit zu tragen.

Der Kreisvorsitzenden wies in seiner Vorstellungsrede auf diverse Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft hin. Viele Menschen lebten an der Armutsgrenze, während das Vermögen der Milliardäre ins Unermessliche steige. Bei der Daseinsvorsorge gelte es, sich gegen die "Profitlogik" zu stemmen. Kapitalistische Interessen hätten in der Gesundheitspolitik und dem Bereitstellen von Wohnraum nichts zu suchen. "Die Menschen müssen im Mittelpunkt stehen, nicht das Kapital." Was das Rentensystem anbelangt, müssten alle einzahlen. Pflegebedürftige dürften nicht zu Armutsfällen führen.

Hartz IV würde Graßy am liebsten abschaffen. Stattdessen solle der Mindestlohn so weit hochgeschraubt werden, dass Geringverdienern am Ende ihres Arbeitslebens mehr bleibt als die Grundsicherung. Bei den Steuern würden die Linken niedrige und mittlere Einkommen entlasten und dafür die Vermögenden mehr in die Verantwortung nehmen wollen. Graßy sagte, dass die Linkspartei ihrer friedenspolitischen Überzeugung treu bleibe. Das bedeutet für ihn: keine Auslandseinsätze der Bundeswehr und gegen Aufrüstung und Militarismus kämpfen. Bestärkung für diese Haltung kam von Albert Schindlbeck und Guido Hoyer. Bei der Aufrüstung dürfe die Bundesrepublik nicht mitspielen, sagte Schindlbeck. Hoyer lobte Graßys "klare Worte zur Sicherheitspolitik". Die Linken seien schließlich die Partei der Grund- und Menschenrechte, bekräftigte er. Hoyer verurteilte den Drohnenkrieg, der seiner Auffassung nach von Deutschland aus gesteuert werde. Wenn dabei des Terrorismus Verdächtigte in anderen Ländern getötet würden, "dann ist das Mord, der von deutschem Boden ausgeht".

Was die Corona-Politik auf Bundesebene anbelangt, sieht Graßy die Linken als die einzig wichtige Oppositionspartei. Die AfD habe außer Verschwörungstheorien dazu wenig beizutragen. Von der FDP komme nichts anderes als "Öffnen! Öffnen!" Und die Grünen seien voll auf Regierungslinie. Graßy sagte, dass Gesundheitsschutz für die besonders Gefährdeten möglich sein müsse, ohne die demokratischen Regeln auszuhebeln. Als Beispiel nannte der Bundestagskandidat der Linken die sogenannten Ferienausschüsse, in der wiederum nur die "Großen bestimmen". Das Gerede, dass alle in einem Boot säßen, sei eine große Lüge, sagte Graßy. "Deutschland ist eine Klassengesellschaft." Die Benachteiligten in der Coronakrise seien wiederum nur Geringverdiener, die zu miserablen Löhnen und Arbeitsbedingungen arbeiten müssten. "Die sind gesundheitlich am Schlechtesten dran." Graßy ist der Ansicht, dass Corona die sozialen Verwerfungen im Land erst richtig beleuchte.

Der Kreisvorsitzende positionierte sich klar gegen den Bau einer dritten Startbahn am Flughafen im Erdinger Moos. "Von den Zahlen her müsste sie tot sein", sagte Graßy. Er sei aus umwelts- und arbeitspolitischen Gründen dagegen. Doch die Linken im Bund und im Land seien ebenfalls gegen den Bau einer dritten Startbahn im Moos.

© SZ vom 13.03.2021
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