Aufklärungsarbeit Alles Männer Gottes

Über die Heiligenfiguren auf der Freisinger Mariensäule haben sich Interessierte am Tag des offenen Denkmals informieren können.

(Foto: Marco Einfeldt)

Am "Tag des Denkmals" geht es in Freising auch um die Mariensäule im Zentrum der Stadt. Kaum jemand weiß etwas über die Bedeutung der vier Figuren, die am Fuße der Statue knien.

Von Johann Kirchberger, Freising

Offener als die Freisinger Mariensäule kann ein Denkmal eigentlich nicht sein. Tausende kommen hier Tag für Tag vorbei, doch nur wenige wissen etwas über die Geschichte der Mariensäule, geschweige denn über die Bedeutung der vier Figuren, die am Fuße der Säule knien und die Patrona Bavariae mit Jesuskind anbeten. Bernd Feiler und der Historische Verein haben es deshalb heuer übernommen, am "Tag des offenen Denkmals" Aufklärungsarbeit zu leisten.

Errichtet wurde die Mariensäule, die vom Boden bis zur Spitze etwa elf Meter hoch ist, nach Münchner Vorbild 1674 von Franz Kheimbhofer und/oder Andreas Götzinger im Auftrag von Fürstbischof Albrecht Sigismund. Der hatte die korinthische Säule zur Erinnerung an die Konsolidierung Freisings nach dem Dreißigjährigen Krieg gestiftet. Einer der vier frommen Heiligen ist König Sigismund, dessen goldene Krone schon ein wenig gelitten hat, und der als einziger auf einem Kissen knien darf. Was ihm als König zusteht, wie Feiler den zahlreichen Interessenten erläuterte. Sigismund ist einer von vielen Heiligen, der eine Wandlung vom Saulus zum Paulus vollzogen hat. Er lebte im 6. Jahrhundert in Burgund und ließ 523 seinen Sohn erdrosseln, nachdem der angeblich seinen Sturz geplant hatte. Erschrocken über seine Untat ging er in ein Kloster, wurde später von seinen Rivalen um die Königswürde verschleppt und in einem Brunnen ertränkt. Im 14. Jahrhundert kamen einige seiner Gebeine auf nicht mehr nachvollziehbare Weise nach Freising. Sigismund, der erste katholische König von Burgund, wurde im Mittelalter zum beliebtesten Heiligen in Freising.

Neben ihm kniet der Heilige Korbinian, dessen eigentlicher Name Waltehis lautete und auf Wunsch des Papstes gegen seinen Willen Bistumsgründer wurde. Korbinian sei nie gerne in Freising gewesen, berichtete Feiler, weshalb er auch verfügt habe, nach seinem Tod in Südtirol, neben dem Grab des Heiligen Valentin beerdigt zu werden. Die Legende von der Zähmung des Bären habe Korbinian allerdings nicht exklusiv, von mindestens zwei weiteren Heiligen werde das auch erzählt. Etwa 40 Jahre nach seinem Tod wollten die Freisinger die Gebeine des Heiligen heimholen. 30 Tage lang hätten sie gebetet, so Feiler, dann habe sich die Meinung durchgesetzt, dass Korbinian jetzt doch nach Freising wolle.

Drei Mal pro Woche ist ein Mönch zu Fuß von München nach Freising gegangen

Der Dritte im Bunde ist Franz von Assisi, der einen Wandel vom Lebe- zum Gottesmann vollzog, aber nichts mit Freising zu tun hat. Der von ihm gegründete Franziskanerorden schickte jedoch im 17. Jahrhundert Mönche als Domprediger nach Freising und schließlich wurde 1641 im Gebäude der heutigen Korbinianschule das erste Franziskanerkloster in der Domstadt errichtet, das bis 1802 Bestand hatte. Unglaubliche Geschichte am Rande. In den Jahren zuvor wurde dreimal in der Woche ein Mönch als Domprediger von München nach Freising geschickt, der den weiten Weg zu Fuß zurücklegte.

Ebenfalls nichts mit Freising zu tun hat der Heilige Franz Xaver. Er stammte aus Pamplona in Spanien, war Mitglied der Jesuiten und hatte es sich zur Aufgabe gemacht, in Südostasien das Christentum zu verbreiten. Der Tatsache geschuldet, so Feiler, dass die Jesuiten im 17. Jahrhundert zu den beliebtesten Orden gehörten, ließ die Freisinger Weberzunft einen Altar in der Pfarrkirche St. Georg zu Ehren des Heiligen Franz Xaver weihen. Zu Erinnerung darf er noch heute an der Mariensäule knien.

Maria, die Himmelskönigin, stellt auch eine Verbindung zum Islam her, berichtete Bernd Feiler. Beide Religionen verehrten nämlich die unbefleckte Jungfrau Maria, zudem gelte Jesus im Islam als der wichtigste Prophet nach Mohammed. Was darüber hinaus alle Menschen eine, so Feiler, seien Kunst und Kultur, sei die Musik. "Sich mit etwas Schönem zu beschäftigen, das verbindet".

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