Aschermittwoch der SPD:Gegen Egoisten und notorische Miesmacher

Aschermittwoch der SPD: Die Sozialdemokraten im Landkreis Freising haben sich zum Fischessen am Aschermittwoch im Alten Wirt in Langenbach getroffen.

Die Sozialdemokraten im Landkreis Freising haben sich zum Fischessen am Aschermittwoch im Alten Wirt in Langenbach getroffen.

(Foto: Marco Einfeldt)

SPD-Bundestagsabgeordneter Andreas Mehltretter widerspricht in seiner Rede zum Aschermittwoch der gängigen Meinung, die Ampel-Regierung sei an der schlechten Laune im Lande schuld. Deutschland gehe es nach wie vor gut.

Von Peter Becker, Langenbach

"Eine Rede zum Auswendiglernen", lobte Langenbachs SPD-Ortsvorsitzender Johannes Hehnen den Vortrag des Bundestagsabgeordneten Andreas Mehltretter. Der rechnete beim politischen Aschermittwoch der Sozialdemokraten mit den notorischen Miesmachern im Lande ab. "Natürlich gibt es Gründe, schlechte Laune zu haben", gestand der SPD-Bundestagsabgeordnete zu. Jeder oder jede habe doch so das Gefühl, dass er unzufrieden sein müsse.

Pflegepersonal, das für zwei schufte, oder Geringverdienende, betonte Mehltretter, seien aber nicht unter denjenigen, die sich beschwerten. Zumindest sei dies sein Eindruck aus der Post, die er als Abgeordneter bekommt. Daraus liest er Egoismus heraus. Die Bundesregierung habe Milliarden-Beträge gezahlt, um die Folgen der Corona-Jahre und der Energiekrise nach dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine abzufedern. Mehltretter hat aber den Eindruck, dass viele Menschen denken: Irgendwem wird irgendwas gegeben. "Dann muss ich das auch haben." So funktioniere "eine Gesellschaft der Egoisten, keine solidarische, wie wir uns das als SPD vorstellen".

Mehltretter erwartet sich Selbstreflexion von den Menschen darüber, worüber sie sich eigentlich aufregten. "Oder kann ich mal einen halben Millimeter zurückstecken, weil ich im Innersten weiß, dass es mir nicht so schlecht geht?" Mehltretter sagte, die Zeiten seien herausfordernd, weil eine Krise der anderen folge. Wenn es aber eine Wahrheit zu geben scheine, dann laute sie: "Die Ampel ist schuld!" Egal, ob es sich um zu langsamen Klimaschutz, Ölheizungen oder schlicht um einen verspäteten Zug handele.

Mehltretter findet im Gegenteil, dass sich die Bilanz der Ampel sehen lassen kann. Mit oder auch trotz der FDP sei der Sozialstaat gestärkt worden. Mit Preisbremsen, Sonderzahlungen und einem besseren Wohngeld sei dafür gesorgt worden, dass niemand frieren oder das Licht ausschalten musste. Das sei genau der unterstützende Sozialstaat, so wie ihn die SPD immer gewollt habe.

Seitenhiebe auf die politischen Gegner durften nicht fehlen. Zum Beispiel Hubert Aiwanger (FW), der immer der lauteste Schreihals am Stammtisch sei. Bayern habe sogar ein eigenes Raumfahrtprogramm, sagte Mehltretter. Es wundere ihn nur, dass niemand längst die bayerische Staatsregierung oder wenigstens Aiwanger auf den Mond geschossen habe.

Ministerpräsident Markus Söder sei ein "Provinz-Scheinheiliger", sagt Andreas Mehltretter

Der FDP warf Mehltretter vor, sie wittere hinter allem Ideologie und merke gar nicht, dass sie selbst einer "Schnösel-Ideologie" anhänge. Dem CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz unterstellte er, keine Zusammenarbeit, sondern nur alles kaputt schlagen zu wollen, weil er hoffe, dass ihn dies ins Kanzleramt bringe. Und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sei ein "Provinz-Scheinheiliger", der sich lieber mit dem Gendern in der Schule als den echten Problemen in Bayern beschäftige.

Deutliche Worte richtete Mehltretter an die AfD. "Es gibt keinen Platz für Hass und Hetze in diesem Land!" Umso erschreckender empfand er es, dass ihm jüngst bei einem Gespräch mit der IHK Erich Irlstorfer (CSU) ins Wort gefallen war. Dieser "plärrte dazwischen", dass es unnötig sei gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren. Stattdessen solle man für die Wirtschaft demonstrieren.

Weil es aber am Aschermittwoch üblich ist, sich selbst Asche aufs Haupt zu streuen, fordert Mehltretter von der Bundesregierung mehr zu kommunizieren. "Wir müssen aufhören, Dinge zu verkünden, ohne einmal mit den Betroffenen gesprochen zu haben."

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