Allem Gegenwind zum Trotz Flughafen will expandieren

Stadt Freising traut dem Frieden nicht und vermutet einen Zusammenhang mit der dritten Startbahn

Von Kerstin Vogel

Auch unabhängig vom Bau einer dritten Startbahn will der Münchner Flughafen weiter expandieren und zum Unbehagen der Stadt Freising aktuell das sogenannte nördliche Bebauungsband erweitern. Dabei handelt es sich um das Gelände östlich des Freisinger Briefzentrums zu beiden Seiten der Nordallee. Der Bereich wird schon jetzt größtenteils vom Flughafen genutzt, unter anderem finden sich dort der Taxispeicher, das Bauzentrum und eine Tankstelle. Allerdings ist die Planfeststellung für den Bereich in Teilen schon seit Jahren abgelaufen. Von einer städtebaulichen Ordnung kann zudem keine Rede sein. Nun sollen dort nach Wunsch der Flughafenbetreiber Hochbauten für sonstige Flughafendienste, "flughafenaffines Gewerbe" und Parkpaletten hinzukommen.

Schon die Ankündigung des Planfeststellungsverfahrens dafür hatte vor einigen Wochen jedoch das Misstrauen der Stadt Freising geweckt. Zwar versichert die Flughafen GmbH, dass die hier geplante Erweiterung unabhängig vom Bau der dritten Startbahn erforderlich sei. Inzwischen hat sich jedoch die Stadtverwaltung

unterstützt von Rechtsanwalt Joachim Krauß - näher mit dem Vorhaben befasst und dabei festgestellt, dass den Plänen Zahlen zugrunde liegen, die sich auf das Jahr 2025 mit der geplanten weiteren Startbahn beziehen. Eine Prognose des Bedarfs ohne die dritte Bahn ist dagegen laut Krauß nicht zu finden. "Wir haben erhebliche Zweifel, ob die zusätzliche Bebauung im Nordwesten wirklich auch mit nur zwei Startbahnen erforderlich wäre", sagte der Anwalt am Mittwoch im Planungsausschuss. Das müsse die Stadt hinterfragen.

Entstehen sollen auf dem fraglichen Areal auf mehr als 20 Hektar unter anderem 3500 weitere Stellplätze auf mehrgeschossigen Parkdecks, ein FMG-Technikgebäude mit Hallen für rund 50 Winterdienstfahrzeuge, ein neues Umspannwerk und erneut ein Baulager, wie Stadtbaudirektor Gerhard Koch erklärte. Außerdem soll die Tankstelle im Süden erweitert werden - und es ist wohl auch ein größeres Auto-Servicezentrum geplant. Die Dimension machte anschließend Krauß deutlich: Man spreche von 815 000 Kubikmetern Baumasse zusätzlich. Das bedeute eine Verdoppelung des bisherigen Volumens. Da komme schon der Verdacht auf, dass es hier in erster Linie darum gehe, die Gewinnchancen der FMG durch Vermietung und Verpachtung zu erhöhen. "Das hat mit dem Flughafen nichts zu tun", so der Anwalt. Deshalb gebe es auch keine Planrechtfertigung für eine Baumassenmehrung in dieser Größenordnung.

Zudem erscheinen sowohl Krauß und Koch als auch OB Tobias Eschenbacher die Formulierung "für flughafenaffines Gewerbe" in den Planfeststellungsunterlagen viel zu schwammig. Keinesfalls dürfe hier Gewerbe angesiedelt werden, das in Konkurrenz zu Freisinger Betrieben trete, sagte der OB, während Krauß einen noch weitergehenden Verdacht äußerte: Er vermute, dass die Flughafenbetreiber Nutzungen aus dem Munich Airport Center (MAC) auf die neuen Flächen im Nordwesten verlagern wollten, um dort wiederum Raum für lukrativere Mieter zu schaffen. In den Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren sei allerdings wenig konkret nur von "Nutzungsverschiebungen" die Rede.

Nicht ganz richtig ist für den Anwalt zudem die Behauptung der Flughafenbetreiber, die Planungshoheit der Stadt sei durch das Vorhaben eigentlich gar nicht betroffen. So grenze zum einen das Briefzentrum der Stadt direkt an das nördliche Bebauungsband. Außerdem sei an der Einmündung zur Nordallee ein neuer Kreisverkehr geplant - unter anderem deshalb seien auch Auswirkungen auf den Straßenverkehr zu erwarten. Die Stadt Freising hat nun bis zum 7. August Zeit, die im Planungsausschuss zusammengetragenen Bedenken in eine Stellungnahme für das Planfeststellungsverfahren zu fassen. Nach Einschätzung von Koch wird damit wohl ein mündlicher Erörterungstermin erzwungen werden.