SZ-Serie "Habe die Ehre":1300 Stunden im Jahr für das Technische Hilfswerk

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SZ-Serie "Habe die Ehre": Zu den Arbeiten, zu denen das THW gerufen wird, gehört unter anderem die Ausstattung einer Turnhalle für ukrainische Flüchtlinge, wie hier in der Moosburger Realschule. In der Familie von Carina Wüst gehört das zum Alltag.

Zu den Arbeiten, zu denen das THW gerufen wird, gehört unter anderem die Ausstattung einer Turnhalle für ukrainische Flüchtlinge, wie hier in der Moosburger Realschule. In der Familie von Carina Wüst gehört das zum Alltag.

(Foto: Marco Einfeldt)

Im Leben von Carina Wüst hat das THW schon immer eine große Rolle gespielt. Ihre ganze Familie engagiert sich dort. Viel Zeit für anderes bleibt ihr nicht.

Von Gudrun Regelein, Freising

Bundesweit ist die "Woche des bürgerschaftlichen Engagements" vom 9. bis zum 18. September gelaufen, in der Stadt Freising findet die Aktionswoche Ehrenamt heuer vom 23. September bis zum 1. Oktober mit vielen Veranstaltungen statt. Schon jetzt präsentieren sich Vereine und Organisationen in den Schaufenstern Freisinger Geschäfte - und die Freisinger SZ hat sich bei "Ehrenamtlern" erkundigt, was sie dazu bewegt, ihre Freizeit zu opfern, um anderen freiwillig und ohne Entgelt zu helfen. Entstanden ist daraus die Mini-Serie "Habe die Ehre". Heute: Carina Wüst, 21 Jahre, Technisches Hilfswerk Freising.

"Das Technische Hilfswerk hat in meinem Leben eigentlich immer eine Rolle gespielt, schon als ich noch ein Kind war. Unsere ganze Familie engagiert sich beim THW, meine Eltern, meine Schwester und ich. Das THW hat mich in gewisser Weise geprägt, meine Eltern haben mich schon als ich noch sehr klein war, zu Veranstaltungen und Einsätzen mitgenommen - beispielsweise als die Isarbrücke renoviert oder in den Steinkasernen etwas gesprengt wurde, ich glaube, es war ein alter Funkmasten.

SZ-Serie "Habe die Ehre": Carina Wüst engagiert sich beim Technischen Hilfswerk in der Fachgruppe Wasserschaden und Pumpen.

Carina Wüst engagiert sich beim Technischen Hilfswerk in der Fachgruppe Wasserschaden und Pumpen.

(Foto: Marco Einfeldt)

"Ich konnte es kaum erwarten, in die Jugendgruppe zu gehen."

Ich habe mir schon als kleines Kind gewünscht, die großen Geräte auch einmal in der Hand zu haben. Zum frühestmöglichen Zeitpunkt, mit zwölf Jahren, bin ich dann in die Jugendgruppe gegangen, ich konnte es damals kaum erwarten. Dort haben wir gelernt, spielerisch mit der Gerätschaft umzugehen. Wir haben aber beispielsweise auch einen Steg oder ein Tonnenfloß gebaut und sind zu Jugendfreizeiten gefahren, wir hatten verdammt viel Spaß.

Mit 17 Jahren habe ich dann die Grundausbildung begonnen, die dauert ein Jahr und endet mit einer schriftlichen und praktischen Prüfung. Die Jugendgruppe war eine spielerische Vorbereitung, in der Grundausbildung wurde das dann vertieft und intensiviert - so habe ich auch gelernt, mit schwerem technischen Gerät umzugehen. Im Herbst 2018 war ich mit der Ausbildung fertig und habe mich für die Fachgruppe Wasserschaden und Pumpen entschieden. Wir werden zwar alle im aktiven Einsatz alarmiert, aber dazu kommen noch die gruppenspezifischen Aufgaben - und das Thema finde ich einfach interessant.

2019 war ich bei dem Schneechaos in Berchtesgaden im Einsatz, vergangenes Jahr zwei Wochen im Ahrtal, ich bin bei den großen Bränden im Landkreis dabei gewesen und zuletzt waren wir im Einsatz, um die Unterkünfte für die aus der Ukraine geflüchteten Menschen aufzubauen. Manche Einsätze - wie im Ahrtal - sind nicht einfach, aber der Austausch und die Gespräche mit den Freunden und Kameraden im THW helfen, das Erlebte zu verarbeiten.

"Ich kann etwas Gutes, etwas für die Gesellschaft tun"

Ich investiere viel Zeit in das THW, es ist mir wichtig - vergangenes Jahr waren es etwa 1300 Stunden. Neben den Einsätzen gibt es Übungen, Aus- und Weiterbildungen. Viel Zeit für anderes bleibt mir nicht, ich mache momentan nämlich eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin. Weshalb ich das mache? Das Ehrenamt gibt mir ein Stück weit etwas zurück, ich kann etwas Gutes, etwas für die Gesellschaft tun. Die Kameradschaft, Freundschaft, das Miteinander ist auch etwas sehr Schönes. Und dann ist da auch eine gewisse Spannung dabei, ich weiß ja nie, was der Abend bringen wird und ob nicht doch der Pieper Alarm schlägt. Ich kann mir definitiv nicht vorstellen, das nicht mehr zu machen, das THW gehört zu meinem Leben dazu. Ich kann mich dort ja auch weiterentwickeln. Ein bis zwei Wochen im Jahr gönne ich mir aber eine Auszeit: Um abzuschalten und Kraft zu schöpfen."

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