Freiham:Vom Verkehr abgeschnitten

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Widerwillig akzeptieren die Stadträte, dass der Ausbau des Autobahnrings A 99 zulasten des Landschaftsparks geht: Dieser wird kleiner als geplant und kann auf unbestimmte Zeit nicht fertiggestellt werden

Von Ellen DraxeL und Sebastian Krass, Freiham

Der Autobahnring A 99 wird sechsstreifig ausgebaut - zulasten des Landschaftsparks Freiham. Der Planungsausschuss des Stadtrats hat am Mittwoch zähneknirschend dem Vorschlag des Planungsreferats zugestimmt, wonach sich die Grünfläche "punktuell oder streckenweise" infolge einer Verschiebung der Anschlusspunkte der Autobahn an den Autobahnzubringer um bis zu 40 Meter verschmälern wird. Lediglich die Fraktionen ÖDP/München-Liste und Linke votierten gegen das Vorhaben. Freiham, kritisierte Brigitte Wolf (Linke), bewohnten einmal bis zu 30 000 Menschen - aber die Hälfte des Landschaftsparks könne man laut dieser Planung nicht fertigstellen, bis irgendwann die Autobahn fertig sei. "Das", schimpfte sie, "finde ich skandalös". Sie ist der Überzeugung: "Wer Autobahnen baut, wird Verkehr ernten." Der Ausbau sei nicht im Sinne einer Verkehrswende. Eine Einschätzung, die viele im Viertel teilen: Eine vor einem Monat gestartete Petition, die das Schrumpfen des Parks infolge eines Autobahnausbaus ablehnt, zählt inzwischen mehr als 780 Befürworter.

Freiham: Von oben betrachtet: Der Stadtteil Freiham wächst unaufhörlich weiter, wie die Aufnahme von Ende August zeigt. Luftbild: Herbert Stolz

Von oben betrachtet: Der Stadtteil Freiham wächst unaufhörlich weiter, wie die Aufnahme von Ende August zeigt. Luftbild: Herbert Stolz

Dass die Autobahndirektion Süd nicht schon vor Jahren darauf hingewiesen habe, dass die Autobahn breiter werden müsse, obwohl sie als Behörde von Anfang an beim Wettbewerb für den Landschaftspark beteiligt war, sei "sehr ärgerlich", bekräftigte auch SPD-Fraktionschef Christian Müller. Doch das ändere "nichts an der Tatsache, dass der Park rechtlich nachrangig ist gegenüber der Autobahn". Deshalb müsse man jetzt "eine Lösung finden".

Der Landschaftspark Freiham soll mit rund 58 Hektar etwa so groß werden wie der Westpark. Die Einschnitte, die nun nötig werden, hat die Verwaltung nach eigener Aussage so gering wie möglich auszugestalten versucht, doch es gibt sie. Die ÖDP hatte deshalb im Ausschuss dafür geworben, das Planungsreferat eine neue Variante erarbeiten zu lassen, mit Raumgewinnung für den Park zulasten des zweiten Realisierungsabschnitts, war aber abgeblitzt. Der Wohnraum, erklärte Müller, sei zu wichtig, er werde gebraucht. Aber auch einen Antrag der CSU-Fraktion, als Ersatz für die geringeren Flächen auf der Parkseite gegebenenfalls auf Grundstücke westlich der Autobahn zurückzugreifen, lehnte die Mehrheit im Planungsausschuss ab. Die Grünen, weil sie den Vorstoß angesichts einer schon lange andauernden Prüfung für einen Badesee an dieser Ecke für "unrealistisch" halten. Und die Sozialdemokraten, weil ihnen "konkretere Informationen" dazu fehlen. Dabei hatte bereits der Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied für eine Kompensation der entfallenden Grünareale auf der Westseite der A 99 geworben - idealerweise in Form einer vernetzten Weiterführung des Parks über die 200 Meter nördlich der Bodenseestraße gelegene Fuß- und Radwegbrücke Birnbaumsteig.

Landschaftspark Freigham

Der Landschaftspark verliert bei der bisherigen Planung an Fläche. Visualisierung: Lützow 7C, Müller J. Wehberg

Eine Umplanung des Landschaftsparks, der zweiteiligen Landschaftsbrücke über die den Park querenden Erschließungsstraße und des Autobahnzubringers jedenfalls ist laut den Stadtplanern frühestens von 2024 an möglich. Denn zunächst muss der Vorentwurf der Autobahn GmbH des Bundes vorliegen, mit der nicht vor Ende 2023 zu rechnen ist. Bis der Freihamer Landschaftspark dann komplett fertig ist, wird es, so die Prognose, noch mindestens acht Jahre dauern.

Weil die Verwaltung so lange aber nicht warten will, soll die Parkfläche unterteilt werden. Den südlichen Bereich, der von den Abhängigkeiten nicht betroffen ist, möchte die Stadt bereits bis Ende 2027 realisieren - parallel zur Fertigstellung des ersten Teils der Wohnbebauung von Freiham-Nord. Der nördliche Teil hingegen kann frühestens von Ende 2029 an umgesetzt werden - wenn die verkehrlichen Anschlüsse fertiggebaut sind.

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