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Forstenried:Ein Denkmal erwacht zum Leben

Derzbachhof in München, 2018

Der lange Stillstand ist vorbei: Bisher war es der Firma Euroboden nur möglich gewesen, unbedingt erforderliche Sanierungen vorzunehmen. Nun darf gebaut werden. Der Neubau entsteht im rückwärtigen Teil des Areals.

(Foto: Florian Peljak)

Der Investor Euroboden hat nun die Baugenehmigung erhalten, um den 1751 errichteten Derzbachhof zu sanieren. In einem Neubau entstehen 17 Wohnungen, weitere vier sind in der ehemaligen Tenne vorgesehen

Die Firma Euroboden hat lange darauf gewartet, jetzt kann sie loslegen mit der Sanierung und dem Ausbau des denkmalgeschützten Derzbachhofs sowie mit dem Neubau eines Mehrfamilienhauses im rückwärtigen Teil des Geländes an der Forstenrieder Allee 179. Denn die Stadt hat für beide Vorhaben die Baugenehmigungen erteilt, ebenso wie für eine Tiefgarage. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung hat dies bestätigt. Wie von Euroboden geplant, dürfen im Neubau 17 Wohnungen unterschiedlicher Größe errichtet werden, im ehemaligen Wirtschaftsgebäude (Tenne) des historischen Bauernhofes vier weitere. "Umfangreiche Auflagen" sollen sicherstellen, dass die Renovierungen und Veränderungen denkmalgerecht erfolgen, heißt es in einer Mitteilung des Referats. Alle Einzelheiten seien eng mit den Denkmalbehörden abzustimmen. Den Hausschwamm hat Euroboden bereits mit Genehmigung bekämpft, morsche Deckenbalken abgestützt und unterfangen. Für den Wohnteil des alten Bauernhauses wird eine gemeinschaftliche Nutzung notariell festgeschrieben.

Um die Baupläne für den 1751 errichteten und zuletzt dem Verfall preisgegebenen Derzbachhof ist lange gestritten worden. Projektgegner hatten sogar eine Petition an den Bayerischen Landtag gerichtet, allerdings erfolglos. Allen Widerständen zum Trotz genehmigte die Stadt vor ziemlich genau einem Jahr den Vorbescheidsantrag für das Vorhaben, das nicht zuletzt der Landesdenkmalrat gutgeheißen hatte.

Euroboden-Chef Stefan Höglmaier und Architekt Peter Haimerl beteuerten bei mehreren Ortsterminen ihre Absicht, das Baudenkmal behutsam zu sanieren und die neue Wohnanlage "dezent und orientiert am landwirtschaftlichen Kontext" zu entwickeln. So soll die Fassade in Anlehnung an typische alte Landwirtschaftsgebäude und Scheunen durchgehend mit senkrecht stehenden Holzlatten verkleidet werden. Fenster und Türen seien in Holz gehalten, auf Balkone, Gauben und Dachaufbauten werde komplett verzichtet.

Ganz ausgeräumt worden sind die Bedenken gegen das Projekt bis heute nicht. Der örtliche Bezirksausschuss Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln verabschiedete noch im Dezember vergangenen Jahres eine Stellungnahme, aus der die Sorge um den originalgetreuen Erhalt des Derzbachhofs und die Zukunft des gesamten Forstenrieder Dorfkernensembles spricht. Auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung wurde verlangt, ebenso wie "mindestens" die Gleichzeitigkeit der Arbeiten an beiden Vorhaben. Scharf kritisiert hat die Initiative Dorfkernensemble Forstenried um Claudia Kaiser und Vera Grundler die Entscheidung der Stadt. Die Baugenehmigungen seien "eine Katastrophe", kommentierte Kaiser. Sie äußerte die Befürchtung, vom ursprünglichen Baudenkmal werde ebenso wenig übrig bleiben wie von der wichtigen, grünen Frischluftschneise, die es an der Forstenrieder Allee bisher gegeben habe. An die Stadt richtet die Initiative erneut ihren Appell, den Derzbachhof in kommunale Regie zu übernehmen und ihn in ein Museum zu verwandeln. Mit einer "Begehung" am Freitag, 6. März, 15.30 Uhr, wollen Kaiser und ihre Mitstreiter und Mitstreiterinnen diese Forderung untermauern.

Euroboden-Geschäftsführer Stefan Höglmaier zeigte sich "glücklich, nach einem sehr langen Weg nun die Baugenehmigung erhalten zu haben". Man freue sich auf "einen weiterhin konstruktiven und fachlichen Austausch mit der Denkmalbehörde". Der Derzbachhof sei ein "Juwel", das nun wieder mit Leben erfüllt werde. Sobald das Wetter es zulässt, werde Euroboden mit den Bauarbeiten beginnen, kündigte Höglmaier an. Die Fertigstellung sei für 2021 geplant.

© SZ vom 28.02.2020

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